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NRW Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

Hunderte Polizisten durchsuchen im Morgengrauen in 16 NRW-Städten Privatwohnungen der Hells Angels. Die Beamten setzen damit ein Verbot von zwei Rockergruppen durch.

18.10.2017 15:43
Großeinsatz
Polizisten vor der Wohnung eines Mitgliedes der Hells Angels in Erkrath. Foto: Roland Weihrauch

Mit einer Großrazzia haben Hunderte Polizisten in Nordrhein-Westfalen am Mittwoch das Verbot von zwei Rockergruppen der Hells Angels durchgesetzt. „Das Vereinsvermögen wird beschlagnahmt“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

50 Objekte in 16 Städten seien durchsucht worden. Bislang seien dabei neun Motorräder, 15 Kutten, 13 Messer, ein Gewehr, ein Revolver, eine Armbrust und mehr als 60 000 Euro Bargeld sichergestellt worden.

Festnahmen gab es den Angaben zufolge nicht. Insgesamt 700 Polizeibeamte waren im Einsatz. Wegen der vermuteten Gefährlichkeit einiger Rocker setzte die Polizei auch Spezialeinsatzkommandos ein.

Nachweislich kriminell

Das Verbot betreffe die Hells-Angels-Gruppe MC Concrete City in Erkrath bei Düsseldorf und deren Teilorganisation Clan 81 Germany. „Es geht um Gewalt, Drogen, Waffen und Zwangsprostitution“, sagte Reul. „Dieser Club ist auffällig geworden.“ Die betroffenen Mitglieder des Rockerclubs seien nachweislich kriminell. Bei einer Massenschlägerei unter Beteiligung der Hells Angels seien in Erkrath unlängst auch Polizisten verletzt worden.

Reul setzte mit dem Verbot die Linie seines Vorgängers Ralf Jäger (SPD) fort. Wie in der Vergangenheit auch würden Rockergruppen verboten, sobald die Voraussetzungen vorliegen , sagte der Minister. „Es geht nicht um Motorradfahrer-Romantik. Es handelt sich um kriminelle Organisationen.“

Die Hells Angels gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub der Welt. Die „Höllenengel“ wurden 1948 von Kriegsveteranen in Kalifornien gegründet, der Name stammt von einer Bomberstaffel. Aus der Gruppe von Harley-Davidson-Fans wurde eine straff geführte Organisation mit Regionalgruppen in rund 56 Ländern. Der erste deutsche Ableger entstand 1973.

Ein Rechtsanwalt der Hells Angels kritisierte die Maßnahmen. Die Polizei sei über das Ziel hinausgeschossen, sagte der Jurist Wolf Bonn auf Anfrage. „Da sind Dinge beschlagnahmt worden, die nicht vom Beschluss des Verwaltungsgerichts Düsseldorf umfasst sind.“ Der Gerichtsbeschluss erlaube zwar die Beschlagnahme von gewissen Beweismitteln, die Polizei habe aber auch Privateigentum wie etwa Motorräder, Uhren, Bargeld und sogar eine Bachelorarbeit mitgenommen. „Wir prüfen rechtliche Schritte gegen das Vereinsverbot.“

Reul widersprach: Bei den Motorrädern handele es sich um Vereinsvermögen. „Wenn die Damen und Herren aus diesem Club der Meinung sind, das wäre falsch, gibt es die Möglichkeit, das zu beweisen. Die sind jetzt bei uns und stehen sicher verwahrt.“ Zweck und Tätigkeit der verbotenen Rockerclubs und seiner Mitglieder verstießen gegen Strafgesetze, hieß es zur Begründung. Allein in NRW gebe es derzeit rund 2170 Rocker in 91 Gruppen verschiedener Clubs. (dpa)

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