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Neues Gesetz Rauchverbot im Coffeeshop

Die Niederlande gestatten Kiffen nur noch pur - Tabakqualm ist im Laden perdu.

24.06.2008 00:06
BRITTA KUCK

Noch eine Woche können Cannabis-Liebhaber in niederländischen Coffeeshops entspannt ihre Joints rauchen. Dann ist Schluss: Vom 1. Juli an ist auch in den Niederlanden das Rauchen in Gaststätten verboten. Die 750 Coffeeshops im Land bilden keine Ausnahme.

Das neue Gesetz verbietet das Rauchen von Tabak - und somit auch von tabakhaltigen Joints. Haschisch und Marihuana darf in Coffeeshops aber weiterhin pur, also ohne Tabak, geraucht werden. Denn dabei entsteht weniger Rauch, der - und das ist das Entscheidende - nicht so gesundheitsgefährdend sein soll wie Tabakqualm. Doch nur jeder fünfte Gast raucht nach Schätzungen von Coffeeshop-Mitarbeitern seinen Joint pur. Den meisten sei das zu stark.

Arbeitnehmerschutz

Die Coffeeshop-Vereinigung der Niederlande bemühte sich vergeblich um eine Ausnahmereglung. Der niederländische Gesundheitsminister, Ab Klink von der christdemokratischen Partei CDA, antwortete schriftlich: "Arbeitnehmer in Coffeeshops haben ebenso wie Arbeitnehmer anderer Dienstleistungsbereiche ein Recht darauf, vor den Folgen des Tabakrauchs geschützt zu werden."

Droht den Coffeeshops nun das Aus? "Keineswegs!", sagt Martijn van Bennekom. Sein Amsterdamer Coffeeshop "Boerejongens" ist seit Februar rauchfrei, als erster von 225 Shops in Amsterdam. "Ich rauche seit knapp einem Jahr keine Joints mehr und finde es herrlich, nicht mehr den ganzen Tag im Qualm stehen zu müssen", so Van Bennekom. Von Umsatzeinbußen sei keine Spur.

Allerdings sind seine Kunden hauptsächlich Einheimische. Sie kaufen bei ihm Haschisch und Marihuana, rauchen es aber lieber zu Hause. Ganz anders im "Mellow Yellow", das 1972 als erster Coffeeshop der Niederlande eröffnet wurde. Bis zu 2000 Kunden kommen täglich in den Amsterdamer Laden, sagt Betriebsleiter Mike van Duyn. Auch er sieht dem Rauchverbot gelassen entgegen: "Die Touristen werden auch weiterhin zu uns kommen. Spätestens nach zwei Monaten hat sich jeder dran gewöhnt."

Extra-Raum nötig

Was für kleinere Coffeeshops schwieriger wird, ist hier die Lösung des Problems: ein abgetrennter Raucherraum. Im vorderen Bereich des Coffeeshops, rund um den Verkaufstresen, dürfen dann nur noch Joints ohne Tabak geraucht werden.

Eine Alternative sehen Coffeeshop-Mitarbeiter im Vaporizer. Dieses Gerät erhitzt Haschisch und leitet den Dampf in einen Ballon, so dass der Konsument ihn inhalieren kann. Das gilt als die bekömmlichste Variante des Haschisch- und Marihuana-Konsums und ist nicht teurer als ein Joint. "Der Vaporizer ist stark im Kommen", sagt "Greenhouse"-Mitarbeiter Giermo. Gegen das Rauchverbot hat er nichts einzuwenden.

Und was sagen die Touristen dazu? Drei junge Schweizer, die bei ihrem Amsterdam-Aufenthalt täglich in Coffeeshops gehen, ärgern sich über das Verbot. Dennoch wollen sie auch nach dem 1. Juli wiederkommen. "Wir werden uns dann wohl nicht mehr so lange in Coffeeshops aufhalten. Aber Amsterdam hat ja auch noch mehr zu bieten. Für uns ist es das Venedig des Nordens."

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