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Nepal Erst das Beben, nun das Wasser

Schwere Überflutungen in Nepal haben bisher 80 Menschen das Leben gekostet. 14 von insgesamt 75 Distrikten sind von den Fluten betroffen.

Menschen bringen sich vor den Wassermassen in Sicherheit. Foto: REUTERS

Nepal kommt nicht zur Ruhe. Nach dem verheerenden Erdbeben im vergangenen Jahr mit rund 9000 Todesopfern verwüsteten nun schwere Überschwemmungen seit Mitte der vergangenen Woche 14 von insgesamt 75 Distrikten des Himalaja-Staats. Mindestens 80 Menschen fielen den vom Monsun ausgelösten reißenden Fluten zum Opfer. Etwa 20 Menschen werden noch vermisst.

Vermutlich sind sie in dem eiskalten reißenden Wasser umgekommen, das aus den Bergen ins Tal schießt. Wie gefährlich die Überschwemmungen sind, machten Videos deutlich. Ein örtlicher Fernsehsender zeigte Bilder aus dem Städtchen Butwal in rund 170 Kilometer Entfernung von der Hauptstadt Kathmandu. Eine riesige Spannbrücke wurde von den Fluten umgeknickt wie Streichhölzer. Der gleiche Fluss Tinau wurde einige Kilometer abwärts fast dem Nepalesen Yub Raj Rana zum Verhängnis. Er filmte die reißenden Fluten, als plötzlich eine Mauer unter dem Wasserdruck einbrach. Der Hobbyfotograf musste eiligst fliehen.

Die großen Nachbarn China und Indien versprechen mittlerweile Hilfe. Butwal und der Nachbardistrikt Pyuthan sind besonders schlimm betroffen. Nepals Armee, eine der wenigen halbwegs funktionierenden Institutionen des Landes, schickte Truppen in die Katastrophengebiete. In dem Himalaya-Staat dauert die Monsunzeit in der Regel von Juli bis September.

Aber die Überlebenden, die neben den Überschwemmungen vor allem von Erdrutschen bedroht sind, können kaum auf baldige Hilfe rechnen. Das jedenfalls legt das Beispiel des Erdbebens im April 2015 dar. Es verursachte Schäden in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar. Hunderttausende Nepalis sind seither obdachlos. Eine besonders unrühmliche Rolle spielen dabei Europas Regierungen, die USA und die Vereinten Nationen. Sie beschlossen trotz des notorisch korrupten Staatsapparats und einer von internem Streit gelähmten Regierung ihre Erdbebenhilfe in Höhe von knapp fünf Milliarden US-Dollar über Kathmandus Behörden zu leiten.

Eingesetzt wurde von dem Geld bislang so gut wie nichts. Unter dem erst in der vergangenen Woche gewählten neuen Premierminister Pushpa Kamal Dahal dürfte sich das nicht ändern. Besser bekannt als „Prachanda“, seinem Decknamen an der Spitze maoistischer Untergrundkämpfer im vergangenen Jahrzehnt, hatte er zuvor auf Betreiben Indiens seinen kommunistischen Genossen Khadga Prasad Sharma Oli gestürzt.

Der Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli reichte seinen Rücktritt bei Präsidentin Bidhya Devi Bhandari ein, kurz bevor das Parlament über einen Misstrauensantrag abstimmte wollte. Der Koalitionspartner, die Vereinten Maoisten, und die Opposition der Nepalesischen Kongresspartei hatten den Antrag Mitte Juli eingereicht.

Die Regierung wurde dafür kritisiert, nach den Erdbeben nicht mit dem Wiederaufbau hinterherzukommen. Die Kongresspartei hatte den Rücktritt verlangt, weil die Regierung keine Taten auf ihre Worte folgen lasse und sich als „unfähig“ erwiesen habe. Ihr wird auch vorgeworfen, auf Proteste von Verfassungsgegnern falsch reagiert zu haben. Seit Inkrafttreten der neuen Verfassung im September 2015 hatte die Minderheit der Madhesi im Süden des Landes wiederholt demonstriert und zeitweise die Grenze zu Indien blockiert. Dies führte zu einer Versorgungskrise in Nepal. 50 Menschen starben im Zuge der Proteste.

Prachanda kündigte direkt nach seiner Amtsübernahme an: „Als erstes werde ich das Madhesi-Problem angehen. Anschließend kümmere ich mich um die Erdbebenopfer.“ Die Überlebenden der gegenwärtigen Überschwemmungen müssen sich also wohl schon glücklich schätzen, wenn sie nicht völlig in Vergessenheit geraten und wenigstens Almosen erhalten. (mit dpa)

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