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Neandertaler Erste Opfer des Klimawandels

Wissenschaftler in Köln haben herausgefunden: Die Umweltveränderung kam für Neandertaler zu schnell.

Neandertaler
Nachbildung eines älteren Neandertalers. Für die frühmenschliche Population kamen die Eiszeiten zu schnell. Foto: dpa

Das erste Opfer des Klimawandels war der Neandertaler. Wie Wissenschaftler der Universität zu Köln herausgefunden haben, fallen der Rückgang und schließlich das Verschwinden der frühmenschlichen Population in der Donauregion und in Frankreich vor 44 000 beziehungsweise vor 40 000 Jahren zusammen mit den zwei heftigsten Ausschlägen der frühen Eiszeit.

In diesen jeweils mehrere Hundert Jahre langen Kälteperioden sanken die Temperaturen im Lebensraum der Neandertaler – erdgeschichtlich gesehen, abrupt – um bis zu zehn Grad. In der Zeitspanne vor 50 000 bis vor 30 000 Jahren lag die durchschnittliche Jahrestemperatur in der Donauregion bei vier Grad Celsius. Für die Kältephasen gebe es Hinweise auf ein Jahresmittel von minus 2 Grad und darunter, sagt der Geologe Michael Staubwasser. Permafrost an der Donau.

Die extreme Kälte und die damit einhergehende Trockenheit, so Staubwasser, hätten dem Neandertaler „den Garaus gemacht“. Seine Umwelt veränderte sich unter dem Einfluss des Klimawandels so rasant, dass er sich nicht schnell genug darauf einstellen konnte. Der Neandertaler lebte bevorzugt in bewaldeten Gebieten und ernährte sich von der Jagd. Der Temperaturrückgang führte zu großer Dürre und ließ ganze Regionen versteppen. Mit dem Verschwinden der Wälder wanderten die dort beheimateten Tierarten ab oder gingen zugrunde. „Bis sich das wieder änderte, war der Neandertaler längst verhungert“, sagt Staubwasser.

Angepasster Allesesser

Darauf lassen die Befunde der Archäologen schließen. Bei ihren Grabungen fanden sie deutlich weniger Hinterlassenschaften (Artefakte) von Neandertalern aus der fraglichen Zeit. Die ehedem von ihnen bewohnten Gebiete müssen damals weitgehend entvölkert gewesen sein. Sie wurden dann vom modernen Menschen besiedelt. Als Steppenbewohner und Allesesser war der Homo sapiens besser an die veränderten Umweltbedingungen angepasst.

Nur wenige Tausend Jahre hätten Neandertaler am Nordrand der Donauregion noch in geografischer Nähe zum modernen Menschen gelebt. Vermischungen im Genpool gefundener Skelette belegen diesen Kontakt.

Anhand der Kohlen- und Sauerstoffablagerungen in Kalkstalagmiten aus zwei rumänischen Höhlen konnten Staubwasser und ein internationales Forscherteam die Klimageschichte Mitteleuropas erstmals detailliert nachzeichnen. Ihre Befunde veröffentlichten sie jetzt in der US-Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (PNAS).

Ohne den eiszeitlichen Ökostress und unter anderen klimatischen Bedingungen, glaubt Staubwasser, hätte der Neandertaler durchaus eine Überlebenschance gehabt. Womöglich wären seine Nachfahren dann noch heute anzutreffen.

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