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Namensrecht in Belgien Die Qual der Namenswahl

Belgien liberalisiert sein Namensrecht: Paare können nun frei zwischen Vater- und Mutternamen wählen, ebenso welcher Name vorne steht. Die Begrenzung liegt jedoch auch bei zwei Namen. Trotzdem ergeben sich viele Kombinationsmöglichkeiten.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit ihrem Hund "Luther". Der Name beschwor zu christliberalen Zeiten eine kleine Koalitionskrise herauf.

Es ist nicht immer einfach mit den Namen. Das musste schon die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erkennen. Die FDP-Politikerin nannte einst ihren Hund Luther und beschwor damit zu christliberalen Zeiten eine kleine Koalitionskrise herauf. Der große Reformator nicht mehr als ein kleiner Kläffer, das geht nicht.

Der Namensstreit entzweit nun auch die Regierung in Belgien. Die liberale Justizministerin Annemie Turtelboom setzte gegen den Widerstand des christdemokratischen Koalitionspartners ein neues Namensrecht durch. Das macht nicht nur Schluss mit dem Patriarchat. Es schafft auch eine wirre Kombinationsvielfalt. In der ersten Generation ist es noch einfach. Da kann das Paar zwischen Vater- und Mutternamen entscheiden oder einen Doppelnamen wählen – wobei den Eltern künftig freigestellt wird, ob der väterliche oder der mütterliche Familienname vorne steht. In der zweiten Generation freilich wird es nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Fällt die Liebe auf ein Paar, die beide einen Doppelnamen tragen, gibt es eine wirre Kombinationsvielfalt.

Zehn Varianten möglich

Zehn Namensvarianten sind möglich, nur eine Regel bleibt: Mehr als zwei Nachnamen sind nicht möglich. Einfach wird es nur, falls sich die Eltern nicht entscheiden können. Dann kommt automatisch ein Doppelname – erst Papa, dann Mama. Festgeschrieben bleibt nur eins: Das belgische Van wird weiter groß geschrieben.

Die belgische Neuerung ist aber noch gar nichts. Eine bekannte deutsche Meinungsforscherin brachte es mal kurzzeitig auf vier Namen. Noelle nach dem Vater, Neumann nach dem ersten Mann und Meier-Leibnitz nach dem zweiten Ehepartner.

„Das Abschaffen der Diskriminierung ist für mich das Entscheidende“, so die belgische Justizministerin Turtelboom. Das ist zweifellos richtig. Belgien liegt damit im Trend. Erst im Vormonat gab der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte der Klage einer italienischen Familie statt, das Kind darf nach der Mutter benannt werden. Endlich. Nach 15 Jahren. In Spanien hatte die sozialistische Regierung vor vier Jahren das patriarchalische Namensrecht gekippt. Der Vatername steht beim Doppelname nicht mehr automatisch vorne. Die Reihenfolge entscheidet das Alphabet. Fleta steht vor Caceres. Es sei denn, die Eltern befinden darüber anders.

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