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Nachruf Kennen Sie Lederstrumpf?

Der Schauspieler, Kinoquiz-Moderator und Synchronsprecher Hellmut Lange ist tot. Legendär ist sein Auftritt in den „Lederstrumpf-Erzählungen“.

Hellmut Lange bei den Dreharbeiten zu "Salto Mortale". Foto: dpa

Der Schauspieler Hellmut Lange, dessen Tod in dieser Woche bekanntgegeben wurde, kam in den 70er Jahren einmal monatlich mit seinem Quiz „Kennen Sie Kino?“ in die deutschen Fernseh-Haushalte. Diese Abende, wenn wir denn so lang aufbleiben durften, zählten zu den absoluten Höhepunkten im Schülerleben und zu den garantierten Gesprächstrümpfen auf dem Pausenhof.

Denn wer in jener Zeit abends ferngesehen hatte, der hatte – bei nur drei empfangbaren Sendern – garantiert „Kennen Sie Kino?“ gesehen: die sensationellen Filmausschnitte, die hochkompetenten Kandidaten und vor allem: die raue Landschaft im Gesicht des Moderators Hellmut Lange, anfangs noch zusätzlich verstärkt durch das Schwarzweißbild des alten Fernsehapparats.

Klar, dass die Nachricht von Langes Tod die gereiften Kinofreunde nun in die Videoportale des Internets treibt, um noch einmal einzutauchen in das Kino-Quiz von einst, das noch ganz ohne Starkult auskam. Doch vergebens; davon existiert kein Schnipsel mehr, die ARD hat nach dem Ende der Reihe alles vernichtet – traurige Nachricht Nummer 2.

Den Fans bleiben Langes eigene markante Filmauftritte, meist in den Krimis, die die Straßen leer fegten: Durbridge, Wallace, die Serie „John Klings Abenteuer“, aber auch die „Lederstrumpf-Erzählungen“ aus dem Jahr 1969. Unvergesslich, wie Lange in dem Vierteiler hoch zu Pferd auf einen Planwagen zureitet und die Familie mit den Worten „Hallo Fremde!“ begrüßt, sich ausführlich vor den Gefahren warnen lässt, die da lauern werden, und dann sagt, ganz sanft: „Danke, aber ich will weiter.“ Und wie er dann in Filmszenen mit unendlich viel Zeit und noch längeren Kamera-Einstellungen loszieht, ein totes Tier auf dem Kopf, ins Abenteuer.

Zeit für die Fans

Lange, 1923 in Berlin geboren, lernte die Schauspielerei nach dem Krieg in Hannover, schon 1950 stand er als Old Shatterhand auf der Bühne – eine Rolle, die ihm ebenso gut stand wie später die Männer, die im Krimi für Recht und Ordnung sorgten. Nebenbei machte seine Stimme Karriere: Er synchronisierte etwa Paul Newman und Charlton Heston.

Die DVD-Fassung von „John Klings Abenteuern“ liefert ein ausführliches Interview mit Lange. Aber ein ganz anderer Film, der auf Youtube im Internet zu sehen ist, sagt vielleicht mehr aus als alle teuren Produktionen: Da filmt 1994 ein Vater den Schauspieler, den er am Flughafen von Ibiza erkannt hat, und bittet ihn um ein Autogramm für den Sohnemann. Lange schnappt sich den Kleinen – „Rico? Ein schööööner Name! Setz dich hier druff!“ – und schreibt ihm eine Widmung in einen Spanisch-Sprachführer. Dafür lässt er sich mindestens ebenso viel Zeit wie einst in seinen Abenteuerfilmen. Ricos Vater mit der Videokamera hört man in Richtung seines Sohnes raunen: „Sag: von Lederstrumpf!“

Hellmut Lange ist unlängst in Berlin gestorben, kurz vor seinem 88. Geburtstag. Seit zwei Jahren litt er an Demenz.

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