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Nachhaltigkeit "Wir sind alle voll am Nähen"

Umweltaktivisten in Berlin wollen mit einem Bettlakenteppich den Weg „in eine enkeltaugliche Zukunft“ weisen und treffen sich zu einem "OpenEvent", um politisch gestaltete Laken zu einem Katalog zusammenzunähen.

Nachhaltig reisen per Autostopp und einem Koffer voller Bettlaken. Foto: Jula-Kim Sieber

Die Idee zum Protest auf Bettlaken entstand bereits im Jahr 2012. Seinerzeit trafen sich Jula-Kim Sieber, Klemens Gieles und Brigit Becker auf dem Workshop „Ideen Initiative Zukunft“ und sollten als Aufgabenstellung einen politischen Event zum Thema „nachhaltig leben“ kreieren – und dies nicht zum Selbstzweck, sondern vielmehr mit dem Ziel, die Massen zu mobilisieren.

Kein leichtes Unterfangen, für ein Thema zu begeistern, dass die Menschen zwar ganz konkret betrifft, viele diese Erkenntnis aber erst auf den zweiten Blick erreicht. Der Begriff der „Nachhaltigkeit“ klingt auch eher nach Kirchentag und scheint wenig geeignet, die revolutionären Massen hinterm Ofen (zumal bei diesem Wetter) hervorzulocken, was sich die Organisatoren wohl gedacht haben werden. Daher haben sie den Slogan – metaphorisch verpackt – in „WorldWideBlanket“ übersetzt und ihre Umweltaktion als „Bettlakenteppich in eine enkeltaugliche Zukunft“ umschrieben.

Ihre Ziele sind ambitioniert. Weltweit und langfristig wollen sie auf den verschwenderischen Umgang mit den natürlichen Ressourcen aufmerksam machen und zum Umdenken anregen. Seit 2013 gilt bereits der Aufruf, auf Bettlaken ein Statement zum bewussten Leben zu schaffen – etwa: „Nein zu Plastiktüten“ oder „Sich selbst verstehen heißt die Umwelt verstehen“ – , das die Bedrohung des Planeten benennt und die Veränderung der individuellen Lebensgestaltung anmahnt. Das Laken steht hier symbolisch für den Schutz des Lebensraums und seiner Bewohner:

„WorldWideBlanket versteht sich als Bildungsprojekt, weil alle Bevölkerungsgruppen angesprochen werden“, erklären die Initiatoren. Sichtbar wird die Initiative in einem sich immer weiter entwickelnden künstlerischen Katalog, bestehend aus 130 Bettlaken. Entstanden sind Hunderte Meter, mit denen man „locker die Politik einwickeln könnte“, sagt Initiatorin Sieber.

Vor dem Brandenburger Tor startete am Sonntag schließlich die große Nähaktion: Mit Nadel und Faden begannen um die 60 mehr oder weniger professionelle Näherinnen und Näher, die Laken zusammenzufügen. Mitveranstalterin Sieber spricht von einem großen Erfolg: „Es ist beeindruckend, wie vielschichtig die teils philosophischen Statements gelesen werden können. Dadurch bekommen die Menschen immer neue Impulse und nehmen sich die Zeit, über Nachhaltigkeit zu reden – obwohl dieser Begriff so verpönt ist.“ Sich Zeit genommen haben die Initiatoren auch beim Transport der Bettlaken nach Berlin. Ökologisch korrekt waren manche der Kunstwerke per kostenloser Mitfahrgelegenheit in die Hauptstadt transportiert worden. Sieber trampte umweltschonend mit einem vollen Koffer, und der Freiburger Benjamin Beck, Umweltpädagoge, war gar mit dem Fahrrad angereist. Nachhaltiger geht es nicht.

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