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Nach Fabrikeinsturz 18 Textilfabriken in Bangladesch geschlossen

Nach dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch steigt die Zahl der Todesopfer auf über 800. Derweil räumt Textildiscounter Kik ein, indirekt Ware aus der Unglücksfabrik bezogen zu haben. Aus Sicherheitsgründen werden jetzt weitere 18 Textilfabriken geschlossen.

08.05.2013 17:37
Die Bergungsarbeiten am Unglücksort dauern noch an. Foto: dpa

Nach dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch steigt die Zahl der Todesopfer auf über 800. Derweil räumt Textildiscounter Kik ein, indirekt Ware aus der Unglücksfabrik bezogen zu haben. Aus Sicherheitsgründen werden jetzt weitere 18 Textilfabriken geschlossen.

Nach dem verheerenden Fabrikeinsturz in Bangladesch sind dort 18 Textilwerke aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Auch die Arbeit in weiteren Fabriken solle eingestellt werden, sagte Textilminister Abdul Latif Siddique am Mittwoch vor Journalisten. Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer der Katastrophe auf über 800.

Insgesamt 16 Fabriken seien in der Hauptstadt Dhaka und zwei weitere in der Stadt Chittagong im Südosten des Landes geschlossen worden, sagte der Minister weiter. Bangladesch verpflichte sich, die Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einzuhalten. Viele Fabriken hätten sich nicht an die Bauvorgaben gehalten, sagte der Minister nun. Siddique sitzt einem neu eingerichteten Komitee vor, das die rund 4500 Fabriken des Landes überprüfen soll, um weitere Unglücke zu vermeiden.
Die Armee teilte am Mittwoch mit, dass mittlerweile 790 Leichen aus den Trümmern des Gebäudes in Savar, einem Vorort von Dhaka, geborgen worden seien. 13 weitere Menschen seien in Krankenhäusern an ihren Verletzungen gestorben. Es sei damit zu rechnen, dass noch weitere Leichen in den Trümmern gefunden würden, teilte die Armee weiter mit.

70 Prozent der Gebäudetrümmer abgetragen

Bislang seien rund 70 Prozent der Überreste des Gebäudes abgetragen. Mit schwerem Gerät würden derzeit die Trümmer des dritten Geschosses beseitigt, hieß es. Viele Leichen werden demnach in Abschnitten gefunden, in denen sich Treppenhäuser befanden, die als Fluchtwege dienten.

Das Hochhaus, das mehrere Textilfabriken beherbergte, war am 24. April eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich etwa 3000 Menschen darin aufgehalten haben. 2437 Menschen wurden nach offiziellen Angaben lebend geborgen. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen.

Arbeiter hatten angegeben, trotz sichtbarer Schäden am Gebäude zur Arbeit gezwungen worden zu sein. Den Ermittlungen zufolge führten durch große Generatoren hervorgerufene Erschütterungen zu dem Einsturz. Das Unglück sorgte für massive Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in den Textilfabriken Bangladeschs. Am Dienstag forderten etwa 400 Menschen in Dhaka die Auszahlung von Löhnen und Entschädigungen.

Kik-Importeur produzierte bis 2013 in Katastrophen-Fabrik

Der Textildiscounter Kik hat nach neuen Medienberichten über Funde von Kik-Kleidung in der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch eingeräumt, dass ein Importeur des Unternehmens bis Anfang des Jahres dort produziert habe. „Die Textilfunde stammen aus dieser Zeit“, teilte das Unternehmen in einer Mitteilung vom Mittwoch zu einem Bericht des NDR-Magazins „Panorama“ mit. Das hätten Nachforschungen ergeben. Kik blieb allerdings bei seiner Darstellung, es habe seit 2008 keine direkten Geschäftsbeziehungen zu der Produktionsstätte gegeben. Zum Unglückszeitpunkt seien keine neuen Aufträge über den Importeur platziert gewesen, hieß es weiter.

Das NDR-Magazin „Panorama“ zeigt in einem Beitrag ein Foto von einer Bluse aus der aktuellen Kollektion des Unternehmens. Auch die „Kampagne für saubere Kleidung“ hatte vergangene Woche berichtet, dass zahlreiche Textilien von Kik in den Trümmern gefunden worden seien. Kik zeigte sich damals „überrascht“ und hatte eine Überprüfung angekündigt. Jetzt, da man wisse, dass ein Importeur dort gefertigt habe, müsse man „kritisch und mit aller Konsequenz hinterfragen: Warum wurde dort indirekt für Kik überhaupt produziert“, schrieb das Unternehmen in seiner Mitteilung.

Zwei Wochen nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes in Bangladesch ist die Zahl der geborgenen Todesopfer auf über 700 gestiegen. Das Unglück in Savar, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, sorgte für massive Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in den Textilfabriken Bangladeschs.

Das Textilhandelsunternehmen mit Sitz im westfälischen Bönen appellierte an alle Beteiligten, an einem Strang zu ziehen und verbindliche Kontrollmechanismen festzulegen. Man sehe allgemein das Problem, „dass Kontrollsysteme einzelner Unternehmen nicht zu 100 Prozent vor Ort greifen können“. (dpa/afp)

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