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Museum der zerbrochenen Beziehungen Was von der Liebe bleibt

Die Axt mit der die Wohnung der Ex zertrümmert wurde oder kitschige Plüschhandschellen: Das „Museum der zerbrochenen Beziehungen“ zeigt, was bleibt, wenn der Partner gegangen ist.

15.02.2011 15:46
Thomas Roser
Das traurige Ende einer Liebe. Foto: Museum of Broken Relationships

Nur ein mit Pflaster ausgebesserter Bein-Ersatz ist dem Veteranen des Kroatienkriegs von der Liebe zu seinem einstigen Krankenhaus-Engel geblieben. Die Liebe zu der „wunderschönen“ Sozialarbeiterin begann im Frühjahr 1992 bei der gemeinsamen Suche nach dem Material für eine benötigte Bein-Prothese, informiert ein kurzer Text die Museums-Besucher: „Die Prothese hielt länger als unsere Liebe. Sie war aus widerstandsfähigerem Material gemacht.“

Kunstvoll in Szene gesetzte Zeugnisse schmerzvoller Trennungen und Relikte verlorener Lieben sind seit drei Monaten in dem neu eröffneten „Museum der zerbrochenen Beziehungen“ in der kroatischen Hauptstadt Zagreb nun dauerhaft zu bestaunen. Ein Zufall ist es keineswegs, dass die Heimstatt der zerbrochenen Lieben nun ausgerechnet in einer Kapitale des zerbrochenen Vielvölkerstaats Jugoslawien ihre Türen geöffnet hat: Die Idee für das bisher als Wanderausstellung durch die ganze Welt reisende Museum hatten die Kroatin Olinka Vistica und ihr Ex-Partner Drazen Grubisic nach ihrer Trennung.

Obwohl sie ihr Liebesverhältnis auf „freundschaftliche“ Weise beendet hätten, sei es schwer gewesen, dessen Ende inmitten der Zeugnisse glücklichere Tage zu akzeptieren, so Museumsgründerin Olinka: „Wir wollten darum die Auslöser schmerzhafter Erinnerungen an einem sicheren Ort als Hinterlassenschaft der früheren Liebe aufbewahren.“

Intim-Lotion als Scheibenreiniger

Bei Liebeskummer und Hass, Trennungsschmerz und Erleichterung empfehlen die Museumsmacher die Ausstellung erinnerungsbeladener Relikte auch zur therapeutischen Seelenpflege. Die Exponate sind dabei so unterschiedlich wie die Geschichten der zerbrochenen Beziehungen. Von der zurückgelassenen Intim-Lotion, die hernach als Scheibenreiniger diente, über Alltagsgegenstände wie Bügeleisen oder Socken bis hin zu pelzbezogenen Lust-Handschellen und ein mit Trennungs-Tränen gefüllter Flakon reicht das Sammelsurium der in aller Welt zusammengetragenen Ausstellungsstücke.

Die Wehmut nach den verlorenen Tagen des Glücks schimmert in vielen der kurzen Erläuterungstexte der zusammengetragenen Liebes-Erinnerungen durch. „Sie ist gegangen, nur ihre Schuhe sind geblieben“, sinniert ein verlassener Liebhaber. „Als Schlüssel zum Herzen“, bezeichnet eine Slowenin den von ihrem Ex-Freund erhaltenen Korkenzieher in Schlüsselform: „Du verdrehtest mir den Kopf, aber wolltest nicht mit mir schlafen. Erst als Du an Aids gestorben warst, verstand ich, wie sehr Du mich geliebt hattest.“

Doch vor allem Frauen machen auch aus ihrem Groll über die Ex-Partner ihrer gescheiterten Beziehungen kein Geheimnis. Die abgeschlagene Nase des Gartenzwergs ist die Erinnerung an einen slowenischen Scheidungstag: „Er kam in seinem neuen Auto an, arrogant und herzlos. Der Zwerg flog auf die Windschutzscheibe, prallte ab und landete auf dem Asphalt. Er flog in einer langen Achterbahn, die das Ende der Liebe markierte.“ Als „Ex-Axt“ bezeichnet eine Berlinerin das „Therapie-Instrument“, mit dem sie die Möbel ihrer früheren Partnerin zertrümmerte. Es tue ihr nur leid, dass sie den ausgestellten Kugelschreiber nicht sofort nach Erhalt zerstört habe, klagt eine Bosnierin: „Dann hätte ich den romantischen Unsinn, den er nicht verdiente, nie geschrieben.“

Aufgewärmte Saubohnen

Auch nutzlos gewordene Erotik-Gaben scheinen eher späte Wutgefühle als romantische Erinnerungen zu wecken. Die Latex-Brüste, die sich eine Serbin auf Wunsch ihres Mannes beim Sex umschnallen sollte, besiegelten das Ende einer dreijährigen Ehe: „Die falschen Brüste, natürlich größer als meine, machten ihn an. Ich war enttäuscht - und verließ ihn für immer.“ Den essbaren Slip, den ihr einst ihr Ex-Freund schenkte, hat eine enttäuschte Schweizerin aus Winterthur nie getragen: „Nach vier Jahren erwies er sich als genauso schäbig wie seine Geschenke. Er betrog mich mit einer Kollegin - und entledigte sich meiner per E-Mail.“

Doch meist bestimmt eher ernüchterte Entfremdung als Enttäuschung den Blick zurück auf zerbrochene Liebesbande. In Ägypten gebe es das Sprichwort, dass Saubohnen am besten aufgewärmt serviert werden, so der Begleittext zu einer arabischen Elektro-Herdplatte: „Unsere Beziehung wurde niemals warm.“ Die nutzlos gewordenen Wohnungsschlüssel des als „Bastard“ bezeichneten Ex-Partners hätten für sie „keinerlei emotionalen Wert mehr, versichert eine enttäuschte Zagreberin: “Ich möchte ihn dennoch loswerden, damit ich niemals in Versuchung gerate, nochmals über seine Türschwelle zu treten.„ Kommentarlos hat eine geschiedene Ehefrau dem Museum ihr Hochzeitskleid vermacht, aber trotz allem Liebesleid sich dennoch die Hoffnung auf glücklichere Zeiten bewahrt: „Kann ich es zurückbekommen, falls ich mich jemals dazu entschließen sollte, noch einmal zu heiraten?“

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