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Mordverdächtiger Feinstaubplakette überführt Mafioso

Auto-Aufkleber aus Frankfurt half: Polizei fasst den mutmaßlichen Duisburger Todesschützen in Holland. Von Annika Joeres

14.03.2009 00:03
ANNIKA JOERES
Duisburger Mafia-Mörder Strangio festgenommen
Tatort Duisburg: Polizist am Tatort im August 2007. Foto: dpa

Eine Frankfurter Feinstaubplakette ist einem der meistgesuchten Mordverdächtigen zum Verhängnis geworden: Den Auto-Aufkleber hatte die Polizei vor Monaten in der Wohnung des festgenommenen Giuseppe Nirta gefunden und einem Italiener aus Hessen zugeordnet. Der fuhr nun jüngst in die Niederlande - und führte die internationalen Fahnder auf die Spur des mutmaßlichen Drahtziehers der sechs Duisburger Mafiamorde. In der Nacht zum Freitag nahmen die Ermittler Giovanni Strangio in einer Amsterdamer Wohnung fest. Er und ein Schwager sollen im August 2008 im Ruhrgebiet geschossen haben.

Die Duisburger Morde zählen zu den spektakulärsten Mafia-Verbrechen in Deutschland. An jenem Augustmorgen wurden die sechs Männer im Alter zwischen 16 und 29 Jahren aus einem Auto heraus erschossen. Tagelang erinnerte die Szenerie nahe dem Hauptbahnhof an US-Katastrophenfilme: Spezialisten in weißen Schutzanzügen durchforsteten das weiträumige abgesperrte Gebiet. Die Bluttat geht nach Einschätzung der Ermittler auf eine alte Fehde verfeindeter Clans zurück.

Nach der Bluttat setzten internationale Fahnder ein Puzzlespiel aus Indizien zusammen. Auf Videoaufnahmen identifizierten sie den Wagen, aus dem die Täter schossen; Wochen später fanden sie das Fahrzeug in Genf. Obwohl der Mafia-Clan den Wagen offenbar professionell von allen Spuren zu reinigen versuchte, fanden sich noch Schmauch- und DNA-Spuren. "Gegen Strangio liegen zahlreiche Beweismomente vor", sagte der Duisburger Kriminaldirektor Holger Haufmann am Freitag in Duisburg. Offen ist immer noch, wer der zweite Schütze beim Duisburger Blutbad war. Verdächtig sind zwei Schwager Strangios, Francesco Romeo und Giuseppe Nirta, die beide schon vor einigen Monaten festgenommen wurden.

Der 30-jährige Strangio lebte seit Monaten mit Frau und Kind in einer Amsterdamer Wohnung. Erst als sie sicher war, dass es sich bei dem bärtigen Mann um den Gesuchten handelte, schlug die holländisch-italienisch-deutsche Fahndungsgruppe zu. In der Fünf-Zimmer-Wohnung, in der auch Romeos Familie lebte, wurden eine Waffe, zahlreiche gefälschte Pässe, eine Maschine zur Herstellung falscher Papiere und mehr als eine Million Euro sichergestellt.

Italiens Polizei schaltete schnell

Mit dem Sechsfach-Mord kam seinerzeit die Mafia zurück ins öffentliche Bewusstsein in Deutschland. Während die italienischen Fahnder schon wenige Stunden nach der Tat von einem Racheakt der kalabrischen Mafia sprach, sagten die Duisburger Behörden der versammelten Presse, sie würden "in alle Richtungen ermitteln", möglich sei eine solche Tat auch aus Eifersucht. Inzwischen ist aber klar: Die Duisburger Opfer waren Mitglieder der Mafia.

Die Zusammenarbeit der Ermittler habe "hervorragend funktioniert", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) am Freitag in Düsseldorf. Wo Strangio letztlich vor Gericht landen wird, ist noch offen: Sowohl Deutschland als auch Italien wollen Auslieferungsanträge an die Niederlande stellen.

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