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Modewoche Ursprung und Imitation

Die erste indigene Fashion Week der Welt will sich klar von der Branche distanzieren. Dabei arbeitet sich auch die Veranstaltung in Toronto an den großen Themen der Szene ab.

Präsentation der Designerin Tracy Toulouse
Jahrtausende altes Handwerk und moderne Formsprache: Designerin Tracy Toulouse setzt viele Stickereien und Bandarbeiten ein. Foto: Nadya KwandibensS/Red Works Photography

Sie leuchten in den schönsten Farben – aber noch liegen die Knäuel unförmig auf dem Tisch. Bald aber hat sich jede der Kursteilnehmerinnen eines der Häufchen Wolle angenommen. „Hat jeder wenigstens ein Wollknäuel, sodass wir anfangen können?“, ruft Lynda Teller Pete in den Raum. Nicken, gespitzte Ohren, dann geht es los.

Pete leitet einen Workshop auf der ersten Indigenous Fashion Week, der einzigen Modewoche überhaupt, die sich mit Schauen, Vorträgen und Kursen speziell den Entwürfen indigener Designer widmet. Damit die Kursteilnehmerinnen bald schon wie die Navajos Teppiche weben können, müssen sie erstmal lernen, wie sie den Kamm zwischen Zeigefinger und Daumen richtig halten. Am ersten Tag des Workshops fällt das noch schwer, „das ist unangenehm, aber irgendwann verschmilzt der Kamm mit euren Händen“, verspricht Lynda Teller Pete. Behände fädelt sie vor zehn erstaunten Augenpaaren einen Wollfaden durch die Kettfäden, schiebt ihn mit dem Kamm herunter, macht ein paar geübte Bewegungen mit einem von zwei Holzstäben. „In unserer Kultur hat alles männliche und weibliche Attribute“, erklärt Pete und wirft ihre langen schwarzen Haare zurück. „Es gibt weiblichen Regen, der sanft am Morgen fällt und männlichen regen, der stark und stürmisch ist.“ Schon zieht sie den nächsten Faden durch, macht die nächste geschickte Bewegung mit dem einen Stab. „Der obere Stab ist männlich, der liegt nur oben auf. Der weibliche Stab macht die ganze Arbeit“, sagt sie. Lachen im Raum, Petes Spruch kommt an, zum Kurs haben sich schließlich nur Frauen angemeldet.

Ein Überschuss, der sich auch in den folgenden drei Tagen der Indigenous Fashion Week in Torontos Harbourfront Centre bemerkbar machen wird. „Das Kollektiv, das diese Modewoche gegründet hat, besteht aus drei Frauen. Kerry Swanson, Heather Haynes und mir“, sagt Sage Paul. „Und auch ein Großteil der Mode, die hier präsentiert wird, wurde von Frauen entworfen.“ Auch Paul ist Designerin. Und sie ist Dene, wie sich die Athabasken selbst bezeichnen. An ihrer Jeansjacke haftet ein stilisiertes Medizinrad, das spirituelle, vierflächige Symbol als Button. Modernität und Tradition verbinden – darum geht es auch bei der indigenen Modewoche.

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