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Mobbing-Opfer Amanda Todd Der ungerechte Tod von Amanda Todd

Die 15-jährige Amanda Todd nimmt sich das Leben, nachdem sie jahrelang im Internet verraten und bloßgestellt wurde. Doch die Justiz sollte sich nicht nur mit der Suche nach dem Täter auseinandersetzen. Ein Kommentar.

19.10.2012 15:26
Von Marin Majica
Nach Amanda Todds Selbstmord stellen trauernde Mitschülerinnen Kerzen auf. Aber wo waren sie, als das Mädchen noch lebte? Foto: dapd

Die 15-jährige Amanda Todd nimmt sich das Leben, nachdem sie jahrelang im Internet verraten und bloßgestellt wurde. Doch die Justiz sollte sich nicht nur mit der Suche nach dem Täter auseinandersetzen. Ein Kommentar.

Der Tod von Amanda Todd ist so ungerecht, er wurde verschuldet durch so viel Sadismus und Verkommenheit und menschliche Verrohung, dass eine heftige Reaktion auf das Schicksal des 15 Jahre alten Mädchens naheliegt. Die Kanadierin hat sich in der vergangenen Woche das Leben genommen - weil sie im Internet verraten, bloßgestellt und verhöhnt wurde. Wer würde nicht zustimmen, dass derjenige, der hierfür die Verantwortung trägt, eine unnachgiebige Bestrafung verdient.

Das Internetkollektiv Anonymous hat reflexhaft reagiert und den Namen eines Mannes veröffentlicht. Er soll Amanda mit einem vor drei Jahren aufgenommenen Foto erpresst haben, auf dem sie bedenkenlos ihren Oberkörper entblößt. Das Bild postete er dann im Netz und löste damit die Abwärtsspirale in Amandas zuletzt unerträgliche soziale und psychische Isolation aus.  Nun sollte der Mann seinerseits bloßgestellt werden.

Grenze zur Selbstjustiz überschritten

Damit haben die Netzaktivisten die Grenze zur Selbstjustiz überschritten, sie bekämpfen Unrecht mit Unrecht. Außerdem haben sie offensichtlich den falschen Mann erwischt. Nun kursieren Angaben zu einem zweiten Mann. Auch die haben sich schnell als nicht stichhaltig herausgestellt.

Die Polizei ermittelt in dem Fall. Wer das erschütternde Video gesehen hat, das Amanda wenige Wochen vor ihrem Tod auf Youtube gestellt hat, kann kaum anders als sich einen schnellen Fahndungserfolg wünschen - und eine angemessene Strafe für den Erpresser, der perfide und gnadenlos vorging.

Doch nicht nur mit ihm sollte sich die Justiz intensiv auseinandersetzen. Auch all jene Jugendlichen, die Amanda nach ihrer Entblößung beschimpft haben, die dazu aufgerufen haben, sie zu ignorieren oder zu verprügeln, die ihr nach dem ersten Selbstmordversuch auf die Facebook-Seite geschrieben haben, sie möge beim nächsten Mal doch bitte eine andere Sorte Bleichmittel trinken und es richtig machen - all diese „Freunde“ von Amanda Todd sind ebenfalls schuldig. Jeder einzelne sollte sich hierzu erklären müssen.

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