Lade Inhalte...

Mimi Müller-Westernhagen Zu schön, um Punk zu sein

Sie ist ein erfolgreiches Model, schrille Frontfrau der Rockband "Battlekats" und die Tochter von Marius Müller-Westernhagen. Auf Papas Vitamin B will sie aber möglichst verzichten. Von Ute Diefenbach

26.11.2008 12:11
UTE DIEFENBACH
WIRECENTER
Mimi Müller-Westernhagen ist ein "wilder Tiger". Sagt sie. Foto: PR

Nein, die Lady ist kein Punk. Darüber können auch ihr schrilles Outfit und die lärmenden Gitarren ihrer Musiker nicht hinwegtäuschen. Wenn die Frontfrau der "Battlekats" ihren Arm in hohem Tempo kreisen lässt, wirkt es wie eine Fitness-Einheit. Wenn sie animalisch ins Mikrofon beißt, rückt der allzu perfekt geschminkte Mund ins Rampenlicht. Bestimmt riecht sie lecker, auch noch nach dem Auftritt, wenn sie ihren Vampirmantel in die Dreckwäsche wirft. Nein, Punk ist das nicht - kein totes Reh weit und breit, wie es einst die Sex Pistols besangen. Bambi lebt. Genau wie Mimi, und die hat Spaß, das kann man auf der Bühne sehen.

Sie kiekst und röhrt, sie hüpft und rennt, verzieht ihr schönes Gesicht und schüttelt ihr wasserstoffblondes Haupt für ein mittelgroßes Häufchen Gäste im Madame Jojo's oder im Hope'n'Anchor - kleine Clubs im Norden Londons, angesiedelt zwischen Sexshops und schummrigen Pubs.

Abseits der Bühne, wenn sie den pinkfarbenen Badeanzug und die Netzstrümpfe gegen straßentaugliche Klamotten getauscht hat, sagt sie Sätze wie: "Das Team von Otto war total nett und entspannt." Denn schließlich ist Mimi Müller-Westernhagen auch noch Model und weiß, wie man sich benimmt. Im Katalog des deutschen Modeversands präsentiert sie "rockige Mode". Für eine große Werbekampagne von S.Oliver stand sie an den Stränden Südafrikas vor der Kamera.

Eine schöne junge Frau mit den richtigen Maßen fürs Mode-Business und mit einem Doppelnamen, der in ihrer Heimat England weniger klangvoll denn unaussprechlich ist. In London nennt sie sich Mimi Muller, am liebsten aber einfach Mimi. In Deutschland ahnt man sofort: Mimi ist die Tochter des einstigen Rotz-Rockers Marius Müller-Westernhagen. "Jung, wild, blond - Töchterchen startet durch", schrieb die Bild-Zeitung freudig erregt, als Mimis Ruf als "sexy Punk-Lady" vor einem Jahr bis nach Deutschland drang. Seither taucht sie immer mal wieder als Gast-Künstlerin bei deutschen Promi-Galas auf.

Sie will es alleine schaffen, am liebsten in ihrer Heimat, sagt Mimi. Nicht auf Papas Ticket reisen. Wobei Papas Ticket in Deutschland abgelaufen scheint. Die letzten Platten ihres alten Herrn waren mäßig erfolgreich. Fußballstadien füllt Westernhagen schon lange nicht mehr. Mit Papas Musik kann die 22-Jährige ohnehin nicht viel anfangen: Da "bewegen wir uns in zwei Welten", sagt sie. Auf Englisch sagt sie das alles, denn ihr Deutsch tauge nicht für die Öffentlichkeit, es sei zu schlecht. Die Songtexte des Vaters könne sie zwar verstehen, aber zum Musikmachen hätten sie andere Einflüsse inspiriert: "Ich bevorzuge die harte Tour."

Vielleicht versteht sie Papas Texte also doch nicht. Schließlich hat der seinerzeit mit dem Vorschlaghammer gedichtet, gnadenlose Zeilen von Eheleichen in Schleiflackschlafzimmern oder von der Hure mit den roten Haaren - "auch unten - sie hat meine Lunte gefunden".

In den Songs ihrer Band Battlekat geht es eher darum, blöden Tussen die Männer auszuspannen oder miese Liebhaber zu verhöhnen. Der Rest ist leidenschaftliches Geschrei oder sirenenhaft hohes Gekiekse. Weit gemäßigter als auf der Bühne kommen Battlekat in ihren zwei professionell gedrehten Videos daher. Und hier lässt sich dann erkennen: Mimi ist nicht nur schön, auch ihre Stimme ist gut. Obwohl die Einschätzung des Tagesspiegels, mit ihrem Organ könne sie Krawallschachtel Nina Hagen umblasen, etwas vermessen ist.

Musik sei immer ihre große Leidenschaft gewesen, sagt Mimi Müller-Westernhagen. Schon als Kind spielte sie Gitarre und Klavier. Zum Modeln kam sie eher zufällig, aber vor allem damit verdient sie im Moment ihr Geld. Und weil sie aussieht wie die jüngere Schwester von Agyness Deyn, dem zurzeit angesagtesten Model Englands, dürfte sie mit ihren Aufträgen locker ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Vielleicht sogar das Geld für Battlekats erstes Album verdienen. Denn das ist das nächste Ziel der Band, die "nicht mehr zu stoppen ist", wie die liebevoll verspielte Homepage www.battlekat.co.uk kundtut. Hier erfahren wir auch, dass Mimis Findelkatze Fifi die Texte schreibt. Ach so.

Der selbsternannte wilder Tiger mag Humusbällchen

Wenn sie schon auf Papas Vitamin B und vor allem auf sein Geld verzichten möchte, wie Mimi betont, so vertraut sie immerhin seiner Lebenserfahrung. "Dass ich das Abi gebaut habe, verdanke ich ihm, weil er immer sagt: ,Auch wenn du mal der größte Superstar wirst, vergiss deine Bildung nicht.'" Das rät also Johnny Walker Westernhagen. Es gebe viele Gemeinsamkeiten, sagt Mimi, etwa "den gesunden Lebenswandel. Er meditiert viel, ich mache Pilates". Und selbstverständlich telefonieren die beiden fast täglich. Auch das klingt gar nicht nach Sex & Drugs & Punk.

Es klingt vielmehr nach dem, was die Zeitgeist-Magazine als Neo-Punk ausrufen, ein modischer Aufguss, der den Punk von allem befreit, was ihn einst schmerzhaft machte. Die Punks der Siebziger fanden irgendwie alles scheiße, die Party-Punks à la Mimi finden irgendwie alles okay, treiben Sport und essen Humusbällchen vom Bio-Laden. Entsprechend lautet ihr Dress-Code: Fünf-Euro-Flohmarktfummel mit sündhaft teuren Accessoires kombinieren.

Musikalisch orientiert sich der Gute-Laune-Punk an 90er-Jahre-Bands wie Green Day oder The Offspring - laut und hart, aber herzlich. Und für Mimi bedeutet es, aus ihrem Herzen keine Mördergrube zu machen, wenn sie sagt: "Auf der Bühne werde ich zum wilden Tiger." Und dann die geneigten Ehrengäste einer Burda-Gala in Offenburg anbrüllt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen