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Migrantentreck in Zentralamerika Hoffen auf ein besseres Leben

Sie haben nichts zu verlieren, denn die meisten haben schon alles verloren. Also ziehen die Migranten aus Zentralamerika unbeirrt weiter Richtung USA – allen Drohungen Donald Trumps zum Trotz.

Migranten
Migranten durchqueren zu Fuß einen Fluss in Mexiko, um Richtung USA zu gelangen. Foto: afp

Laufen. Immer weiter. So weit die Füße tragen, oder so lange die Schuhe halten. Jaime Arguera trägt schon das zweite Paar Crocs, seit er vor drei Wochen daheim in Usulután in El Salvador mit Frau und Kindern aufgebrochen ist. „Das erste war gleich nach der Grenze zu Mexiko durch“. Arguera, 30, rotes T-Shirt, Baseball-Cap, schiebt den Buggy mit seinem Sohn Isaia (2) vor sich her. Seine Frau Marlene hält die vierjährige Tochter Naomi an der Hand. In der anderen trägt sie einen Wasserkanister. Die Familie hat die Nacht hier in Juchitán in einer Pension verbracht, damit die Kinder mal richtig schlafen können. Jetzt suchen sie in dem großen Migrantencamp am Rande der Stadt im mexikanischen Bundestaat Oaxaca ihre Freunde, mit denen sie diesen langen Marsch in ein besseres Leben gemeinsam machen.

7200 Menschen, unter ihnen vor allem Honduraner, Salvadorianer und Guatemalteken, ziehen dieser Tage durch Mexiko in Richtung USA. Wenn sie so über die Landstraßen von Chiapas und Oaxaca marschieren, zieht sich der Treck manchmal bis zu 20 Kilometer in die Länge. So sind die Migranten nicht zu übersehen, so fühlen sie sich stark, so fühlen sie sich unverwundbar. Die meisten haben Mitte Oktober alles stehen und liegen lassen, als sie in den Fernsehnachrichten von der Karawane hörten, die sich formierte. „Das war eine Entscheidung von jetzt auf gleich“, erzählt Jaime Arguera.

Er war früher in der Armee von El Salvador, dann arbeitete er in einer Eisenwarenhandlung, seine Frau kümmerte sich um die Kinder. Aber der Verdienst war zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. „Wir verdienen an einem Tag das, was man in den USA in einer Stunde verdient“. Dann kamen die Maras, die Jugendbanden, die in Honduras, El Salvador und Guatemala die Menschen terrorisieren. Sie forderten von Jaime, dass er für sie arbeitet und ihnen Kriegstaktiken beibringt. „Als ich ablehnte, sagten sie mir, sie würden meine Familie töten.“ Da war die Entscheidung zu gehen gefallen. Und am 12. Oktober, als sie von der Karawane hörten, war auch die Gelegenheit da.

Seither stehen Jaime und seine Familie wie die Tausenden anderen fast jeden Morgen um 3 Uhr auf, wenn die Nächte noch mild und pechschwarz sind. Dann falten sie ihren Karton zusammen, rollen ihren Schaumstoff auf, stecken die Planen weg, die als Schutz vor Regen dienen oder ein bisschen Privatsphäre bieten. 7200 Menschen strecken die Glieder, schultern den Rucksack, schnallen die Kinder im Kinderwagen fest. 1000 Kinder unter 16 Jahren sollen in dem Treck sein, 29 schwangere Frauen. Ein Baby wurde gerade in Juchitán geboren. Amputierte gehen mit, auch ein Rollstuhlfahrer ist dabei. Das ist keine Migrantenkarawane, das ist ein Exodus.

Täglich marschieren sie mal 40 Kilometer, mal 60, fast immer zu Fuß. Und wenn erst die Sonne aufgeht, dann meist in sengender Hitze. Die Jüngeren hängen sich dann wie Fledermäuse an Lastwagen, mal hält ein Auto und nimmt die Schwächsten ein paar Kilometer mit. Jeder Meter zählt, denn der Weg ist weit. 1500, vielleicht 2000 Kilometer liegen noch vor ihnen bis ins gelobte Land, je nach Route. Und je näher sie den USA kommen, desto wütender wird Präsident Donald Trump. Jetzt will er sogar auf diejenigen schießen lassen, die es bis zur Grenze schaffen. Nicht einfach so, aber sollte einer den ersten Stein werfen, würden seine Leute das Feuer eröffnen.

Trump nennt die Migranten „bad people“, schlechte Menschen, sie seien Verbrecher und Drogenhändler. Auch hätten sich Terroristen des „Islamischen Staats“ in den Treck geschmuggelt. Beweise legt er dafür keine vor. Aber in den USA ist Wahlkampf, da nimmt man es mit der Wahrheit nicht so genau. Hauptsache, es macht Angst und sichert so Stimmen.

Die Menschen in der Karawane hören von den Drohungen und Beschimpfungen und geben sie auf den langen Wanderungen von hinten nach vorne und von vorne nach hinten weiter. Es ist wie eine stille Post. Aber Trumps Worte spornen die Migranten nur noch mehr an.

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