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Miese Bedingungen Chucks an den Kopf geworfen

In den Firmen, die den meistverkauften Schuh der Welt herstellen, werden Arbeiter misshandelt.

20.07.2011 16:44
Eva Dorothée Schmid
Schuhe, die für großen Ärger sorgen. Foto: TS/BLZ

Jeder trägt ihn, überall. Mick Jagger schritt mit ihm vor den Traualtar, als er 1971 zu seiner ersten Gattin „Ja“ sagte. James Dean hatte ihn an den Füßen, ebenso einige Jahrzehnte später Kurt Cobain. Sogar Lady Di steckte ihre royalen Zehen Ende der 1980er-Jahre in ein rosa Exemplar des „Chuck Taylor All Star“. Und in diesem Jahrtausend steht, läuft und fliegt Zauberlehrling Harry Potter in Chucks herum, wie das erfolgreichste Modell der Firma Converse kurz genannt wird.

Der 1917 als Basketballschuh auf den Markt gekommene Leinenschuh mit Gummikappe wurde über eine Milliarde Mal verkauft – und ist damit wohl der meistverkaufte Schuh der Welt. In seiner Heimat, den USA, ist er so sehr verankert, dass man dort von Menschen spricht, die „ASS“ haben. Das „All Star Syndrome“ bezeichnet das notorische Tragen von Chucks in allen Lebenslagen.

In Indonesien dagegen kann man den Schuh schon mal an den Kopf geworfen bekommen – wenn man in jenen Fabriken arbeitet, in denen die beliebten Sneaker zu Billigstlöhnen hergestellt werden. Das haben Recherchen der Nachrichtenagentur AP ergeben. Dutzende Arbeiter klagten außerdem darüber, dass sie von den Aufsehern ins Gesicht geschlagen wurden, dass sie stundenlang in der gleisenden Sonne stehen mussten, wenn sie die Vorgaben nicht einhielten, und dass sie als Hunde oder Schweine bezeichnet wurden, für Muslime sind das schlimmste Beleidigungen.

36 Cent pro Stunde

„Wir sind machtlos“, sagte eine Frau, die dort arbeitet und aus Angst vor Repressalien anonym bleiben möchte. „Unsere einzige Wahl ist: Bleiben und leiden oder etwas sagen und gefeuert werden.“ Die 10?000 überwiegend weiblichen Arbeiter der zur Pou Chen Group gehörenden Schuhfabrik in Sukabumi verdienen etwa 36 Cent pro Stunde.

Der US-Sportartikelanbieter Nike, der das 2001 pleitegegangene Unternehmen Converse 2003 übernommen hatte, räumte die Vorfälle ein, erklärte aber, wenig dagegen tun zu können. Angeblich verhindern alte Verträge die Kontrolle der Zulieferbetriebe und damit die Durchsetzung des Verhaltenskodex, den sich Nike selbst in seinen Statuten gegeben hat. Das Unternehmen hatte vor zehn Jahren angekündigt, jede Kooperation mit Betrieben einzustellen, die ihre Mitarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen schuften lassen. Doch das mag für Nike-Produkte gelten, nicht aber für die der Tochter Converse. In Sukabumi werden erst seit 2007 Schuhe für Converse produziert, was die Erklärung von Nike wenig glaubwürdig macht.

Maik Pflaum, Mitarbeiter der Kampagne für saubere Kleidung, hält Nikes Stellungnahme für „unglaublich schwach“. Verträge würden immer nur für kurze Zeit abgeschlossen. Er könne sich nicht vorstellen, dass sich der Weltkonzern nicht gegen Zulieferer durchsetzen könne. Das Problem sei, dass Nike wie auch andere Sportartikelhersteller ihre Einkaufspraxis nicht verändert hätten. Aufträge würden zu immer niedrigeren Preisen und so kurzen Lieferfristen vergeben, dass es unmöglich sei für die Fabrikanten Arbeiterrechte einzuhalten.

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