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„Melt“-Festival Das bisschen Blut …

Es gibt Sachen, über die spricht man nicht. Selbst wenn Milliarden von Menschen einmal im Monat damit zu tun haben. Über ein Tabuthema, das keines mehr sein sollte.

17.07.2018 11:50
Berlin
Rote Revolution: Das Berliner Kollektiv „Crafts and Cramps“ macht die Regel zum Thema. Foto: dpa

Ein Tampon voller Blut. Oder eine Binde. Die Angst, vor einem roten Fleck auf der Hose. Eklig? Ungewohnt? Normalerweise reden wir darüber nicht. Und das, obwohl Milliarden von Menschen einmal im Monat damit zu tun haben. Genau genommen Frauen. Sie bluten, sie haben ihre Periode.

Das handhaben sie in der Regel so, dass es keiner mitbekommt. Sie nehmen Schmerztabletten gegen Unterleibsschmerzen. Sie lassen auf dem Weg zur Toilette mit geübtem Griff den Tampon in der Hosentasche verschwinden – oder umschließen ihn fest mit der ganzen Hand. Selten bricht jemand aus diesem Muster aus. So etwa Kiran Ghandi, die in London vor einigen Jahren ohne Binde oder Tampon einen Marathon lief. Das Blut lief ihr die Beine herunter – in aller Öffentlichkeit. Doch eigentlich lassen Frauen die monatliche Quälerei still und heimlich über sich ergehen – als gebe es diese Menstruation gar nicht.

Das wollen zum Beispiel die Goalgirls ändern. Die Berliner Kreativagentur stellt in diesem Sommer auf Festivals, wie am vergangenen Wochenende auf dem „Melt“ in Sachsen-Anhalt, sogenannte Red Tents – also rote Zelte - auf. In den Menstruationszelten gibt es Workshops zum Zyklus, Festivalbesucherinnen mit Periode bekommen kostenlose Hygieneprodukte oder können Bloody Mary trinken.

„Es geht um Blut, um Ausfluss, um Sex auf eine gewisse Art und Weise. Das ist alles mit einem Stigma behaftet“, sagt Katharina „Kaddie“ Rothe von Goalgirls. Ihr und ihren Mitstreiterinnen geht es um Aufklärung und den Kampf gegen dieses Stigma – und darum die Blutung, als etwas Positives zu zelebrieren.

Rothe fordert, dass Periodenprodukte umsonst sind. Und sie ist sich sicher: „Wenn Männer menstruieren würden, dann gebe es auf jeder Toilette kostenlose Tampons.“ In Deutschland sind Tampons oder Binden bisher alles andere als kostenlos. Auf sie zahlen Frauen auch nicht den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent, der etwa für Grundnahrungsmittel oder Bücher gilt. Stattdessen werden 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig.

Frauen können in ihrem Leben mehr als 400 Mal ihre Periode bekommen. Das heißt, sie verbrauchen Tausende Tampons oder Binden – und zahlen dafür je nach Stärke und Länge der Periode sowie Marke des Produkts locker an die 2000 Euro im Leben. Die Aktivistin Penelope Kemekenidou hat deshalb vor einigen Jahren eine Petition zur Senkung der „Tamponsteuer“ in Deutschland ins Leben gerufen.

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