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Mecklenburg-Vorpommern Restaurant auf Rügen sperrt Kinder aus und erntet Kritik

1. Update„Oma‘s Küche“ bleibt für Kinder unter 14 Jahren ab 17 Uhr geschlossen. Das Restaurant auf Rügen will seine anderen Gäste schützen, die von den Kindern belästigt werden würden.

17.08.2018 06:42
Omas Küche von innen
Kinderspielzeug ist erlaubt, Kinder aber nicht: Das Restaurant Omas Küche auf Rügen. Foto: dpa

Seit dieser Woche ist das Restaurant „Oma‘s Küche“ in Binz auf Rügen kinderfrei, jedenfalls ab 17.00 Uhr. „Mit dem Gedanken gehen wir schon sehr lange schwanger“, sagt Wirt Rudolf Markl. „Es ist irgendwo eine Grenze erreicht, wo wir sagen, es geht einfach nicht mehr.“ Es gehe um Kinder, die Gäste am Nebentisch belästigen würden, die an Tischdecken zerrten und Rotweingläser umschmissen – und Eltern, die nicht eingreifen. „Die quittieren das mit einem Lächeln, essen weiter, und es interessiert sie alles nicht.“ Es gehe explizit nicht gegen den Nachwuchs, sondern gegen ignorante Eltern, „die ihren Namen tanzen können, aber ihre Kinder nicht mehr im Griff haben“, stellt der Gastronom klar.

Die Reaktionen seien fast ausnahmslos gut, berichtet er, jedenfalls, wenn man Facebook ausklammere. Aus der Anonymität des sozialen Netzwerkes heraus würde es zahlreiche kritische Meldungen geben, auch solche unter der Gürtellinie. „Aber das ist ja nicht neu.“ Probleme für sein Geschäft erwartet Markl nicht. Aber auch nicht mehr Gäste, da das Restaurant ohnehin immer voll sei. Die Einschränkung sei eine Entscheidung für die Gäste, die in Ruhe einen netten Abend verbringen wollten. Er wolle seinen Gästen eine „Oase der Ruhe“ bieten.

Das Segment für ausdrücklich kinderlosen Urlaub gebe es im Tourismus schon länger, sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands. „Zum Beispiel in der Karibik. Jeder Hotelier kann festlegen, ob sein Haus für Kinder geeignet ist oder nicht.“ So wie es Familienhotels gebe, gebe es eben auch Häuser, die sich auf kinderlosen Urlaub spezialisiert hätten. „Natürlich obliegt es jedem selbst, seine Zielgruppe auszuwählen.“ Ob solche Angebote heute stärker nachgefragt werden als früher, kann Schäfer aber nicht sagen. Konkrete Zahlen lägen ihm nicht vor.

Vorsichtiger Widerspruch kommt vom Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbands Mecklenburg-Vorpommern (Dehoga), Lars Schwarz. Grundsätzlich stehe es zwar jedem Gastronom oder Hotelbetreiber frei, seine eigene unternehmerischen Entscheidungen zu treffen, betont er. „Aber wir zielen in MV auf Kinderfreundlichkeit.“ Es gebe viele Häuser, in denen die Kleinen nicht nur toleriert, sondern erwünscht seien. Aber natürlich könnten manche Kinder noch etwas gute Erziehung genießen, räumt auch Schwarz ein.

Für Markl ist die Rolle des polarisierenden Gastwirts nicht ganz neu. Als er sein Restaurant im Jahr 2007 eröffnete, sei es das erste Nichtraucherlokal der Insel gewesen. Das Rauchverbot bestand damals noch nicht. „Aber auch das wurde akzeptiert und gut angenommen“, sagt er. Und auch jetzt steht er zu der Entscheidung zur abendlichen Kinderfreiheit. Besonders hat er sich nach eigener Aussage über eine WhatsApp-Nachricht eines Freundes gefreut, der ebenfalls Gastwirt auf der Insel sei: „Der hat gesagt, seit 22 Jahren geht er mit diesem Gedanken schwanger und wollte das auch machen, hat aber einfach den Mut nicht gefunden. Ich finde das ganz toll.“

Kritik am Ausschluss von Kindern

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat den Ausschluss von Kindern als rechtlich bedenklich kritisiert. Ein pauschaler Ausschluss ohne zwingenden sachlichen Grund könne gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen, erklärte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Freitag in Berlin.

„Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt vor Benachteiligungen aufgrund des Lebensalters, also auch des Kindesalters“, betonte Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, am Freitag in Berlin. Eine Regelung, bei der Restaurants Kindern nachmittags pauschal den Zutritt verwehren, könne gegen das AGG verstoßen.

Unterschiedliche Behandlungen seien nur dann zulässig, wenn es einen nachvollziehbaren, sachlichen Grund gebe, sagte Franke. „Argumente, wie ein höherer Lärmpegel, durch den sich Gäste gestört fühlen könnten, reichen nicht unbedingt aus, um pauschal alle Kinder unter einem bestimmten Alter auszuschließen.“ In einem Rechtsstreit könnte ein Restaurantbetreiber bei einer entsprechenden Klage von Kunden die Verurteilung zu einer Entschädigungszahlung riskieren. Statt pauschaler Zutrittsverbote sei es angemessener, störende Kinder und ihre Eltern im Einzelfall aus dem Restaurant zu verweisen.

Medienberichten zufolge wirbt der Gastronom von „Oma's Küche“ in Binz mit dem „ersten kinderfreien Restaurant in Binz und auf ganz Rügen“.  (dpa/epd)

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