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„Marsch für das Leben“ Lebensschutz im rechten Namen Christi

In Berlin startet wieder ein „Marsch für das Leben“. Aus Politik und Kirche kommt Gegenwind – nicht nur wegen der Beteiligung der AfD.

Schweigemarsch von Abtreibungsgegnern durch Berlin
Abtreibungsgegner und so genannte Lebensschützer ziehen bei einem "Marsch für das Leben" durch Berlin. Foto: epd

Der Flyer zeigt ein niedlich dreinschauendes Baby, die Kulleraugen direkt in die Kamera gerichtet. Herzallerliebst, wäre da nur nicht der schwarze Barcode auf der Stirn des Babys. Darunter steht in schwarzen Druckbuchstaben „qualitätsgeprüft“. Der Betrachter versteht sofort die Stoßrichtung, zumal mit den beistehenden Slogans „Ja zu jedem Kind“ und „Selektion und Abtreibung beenden“: Pränataldiagnostik bestanden, Qualität positiv, Geburt gewollt. So hat der Bundesverband Lebensrecht erneut zum „Marsch für das Leben“ an diesem Samstag in Berlin geladen.

Den Direktor der Klinik für Geburtsmedizin an der Berliner Charité, Wolfgang Henrich, erzürnt diese pauschale Verunglimpfung seiner Zunft. „Diese Wortwahl setzt die Pränataldiagnostik in ein falsches und schlechtes Licht. Bei vorgeburtlichen Untersuchungen geht es um eine seriöse, vorsorgende Diagnostik.“ Tagtäglich sei es Aufgabe der Geburtsmediziner, lebensbedrohliche Nabelschnurkomplikationen, angeborene Herzfehler oder eine Versorgungsstörung der Ungeborenen frühzeitig zu erkennen. Derlei Komplikationen bedeuteten in vielen Fällen den Tod des Ungeborenen, wenn keine pränatale Voruntersuchungen durchgeführt würden. Erst damit könnten überhaupt entsprechende Geburtshilfemaßnahmen getroffen werden. „Sie sind auch entscheidend für die richtige Wahl des Geburtsortes“, sagt Henrich.

Außerdem sei die Rede von einer Qualitätsprüfung „ein Schlag ins Gesicht“ für Frauen, die ohnehin schon in einer Konfliktsituation seien, wenn bei der pränatalen Untersuchung eine schwere Erkrankung wie etwa das Down-Syndrom oder gar ein Fetus mit einer nicht lebensfähigen Fehlbildung festgestellt würde. Solche Konfliktsituationen hätten allzu oft eine „schwerwiegende Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes“ der Frau zur Folge, wie Henrich Paragraph 218 Absatz 2 im Strafgesetzbuch zitiert. Dann sei Abtreibung legitimerweise straffrei.

„Aber selbst in einer solchen Situation wird kein Arzt die Frau dazu animieren, abzutreiben, sondern er wird Bedenkzeit einräumen und unterstützen, wenn sie gewillt ist, das Kind auszutragen“, sagt Henrich. Und wenn sich die Schwangere für ein Kind mit erwartbarer Schwerbehinderung entscheidet, zahlen alle Krankenkassen die anfallenden Leistungen. Für den Geburtsmediziner ist deshalb klar: „Wir leben in einem phantastischen Land, in dem weder die Politik noch die Krankenkasse vorgeben, wir dürften nur gesunde Kinder zur Welt bringen.“

Der Bundesverband Lebensrecht sieht das offenkundig anders. Wie alljährlich im September zieht der Marsch in diesem Jahr bereits zum 13. Mal schweigend durch die Hauptstadt. Die 13 selbsternannten „Lebensrecht“-Organisationen des Verbandes wollen ein Zeichen setzen, für „Liebe und Verantwortung statt Abtreibung“ und gegen eine „Entwicklung hin zur fremdbestimmten Euthanasie“, wie es auf der Homepage heißt. Sie wollen zum „Verbot aller Pränataldiagnostik und PID zurückzukehren, die nicht dem Leben und der Gesundheit des ungeborenen Kindes und seiner Mutter dient“.

Martin Lohmann hatte den „Marsch für das Leben“ acht Mal ehrenamtlich angeführt, bis er den Vorsitz vom Bundesverband Lebensrecht im vergangenen Jahr abgab. Als Vorsitzender habe er seine selbstgesteckten Ziele erreicht, sagt er dieser Zeitung: „Aus einem Trauermarsch eine lebensfrohe und bunte Großdemonstration zu entwickeln – ebenso das Ziel, dass Bischöfe und viele junge Menschen bei diesem Marsch mitgehen.“ Für den studierten Theologen und Historiker, der sich nach wie vor selbstständig und unabhängig dem Lebensschutz verschrieben hat, ist klar: „Es ist urchristlich, für das Leben und gegen das Töten zu sein.“

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