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Marihuana „Cannabis Light“ boomt in Italien

Zwei Aktivisten aus Parma und eine Gesetzeslücke machen’s möglich: In Italien boomt der Verkauf von Marihuana. Legal ist das aber nur, wenn es sich um das schwächere „Cannabis Light“ handelt.

Hanf
Von Kopf bis Fuß auf Kiffen eingestellt: Mancher Marihuana-Fan trägt seine Leidenschaft allzu deutlich nach außen. Foto: rtr

Die beiden jungen Kunden im römischen Cannabis Store, um die 20 und Studenten der Ingenieurswissenschaft, kennen den Unterschied genau. „Cannabis als Droge verändert den Blick auf die Welt“, sagt Alessandro lächelnd. Aber weil es illegal sei, müsse man es auf der Straße kaufen. „Da weiß man nie, was man bekommt.“ Im Laden zahlt er 25 Euro für 1,5 Gramm Light-Blüten, nicht gerade billig. „Das ist was ganz anderes“, sagt Alessandro, „die entspannen einfach nur.“ Cannabis Light könne er auch tagsüber rauchen, wenn er lernen müsse.

Nicht nur Italiener kommen in das Geschäft in der Via dei Giubbonari, sondern auch viele Touristen. „Es sind Kunden jeden Alters“, sagt der Verkäufer. „Die meisten haben gesundheitliche Probleme“, Migräne etwa oder Schlafstörungen. Aber viele wissen gar nicht, dass sie letztlich doch etwas Verbotenes tun. Die Gesetzeslage in Italien ist nämlich paradox, widersprüchlich, bizarr.

Razzien in Cannabis-Light-Läden

Zwar darf man die THC-armen Produkte verkaufen, ihr Konsum als Rauchware und Genussmittel ist aber nicht zugelassen. Die offizielle Bezeichnung lautet „technische Produkte“, die Hersteller verweisen mit einem Augenzwinkern darauf, sie seien für „Sammler“ gedacht. Gelegentlich gibt es sogar Razzien in Cannabis-Light-Läden. Im Juli wurde ein Inhaber in Macerata wegen Drogenhandels festgenommen.

Alessandro und sein Freund kennen das Risiko. Sie folgen den Ratschlägen einschlägiger Internetseiten und werden das Döschen versiegelt und ungeöffnet nach Hause tragen. Sollten sie unterwegs von der Polizei kontrolliert werden, können sie auf ihre Sammlerleidenschaft verweisen. Sie wissen auch, dass man sich nach einem Light Joint nicht ans Steuer setzen sollte. Zwar ist man nüchtern und fahrtüchtig, beim Drogentest schlägt jedoch auch das THC-arme Cannabis an.

Dessen Siegeszug geht in Italien trotzdem weiter. Experten schätzen, dass ein Umsatz von 100 Millionen Euro jährlich erreicht werden könnte. Mehr als tausend Landwirte bauen es bereits an. Eine „Italian Cannabis School“ bietet mehrtägige Kurse zur Vermarktung an. Und in Rom haben zwei junge Informatiker den ersten Lieferdienst gegründet. „Just Hemp“ bringt Cannabis Light innerhalb von 90 Minuten direkt an die Wohnungstür.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Italien

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