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Marihuana „Cannabis Light“ boomt in Italien

Zwei Aktivisten aus Parma und eine Gesetzeslücke machen’s möglich: In Italien boomt der Verkauf von Marihuana. Legal ist das aber nur, wenn es sich um das schwächere „Cannabis Light“ handelt.

Hanf
Von Kopf bis Fuß auf Kiffen eingestellt: Mancher Marihuana-Fan trägt seine Leidenschaft allzu deutlich nach außen. Foto: rtr

Die beiden Männer blicken etwas nervös um sich, als der Verkäufer im „Cannabis Store“ in der römischen Via dei Giubbonari verschiedene Döschen vor ihnen auf die Ladentheke stellt. Ein grünes Hanfblatt prangt darauf, sie tragen so klangvolle Namen wie Orange King, Amnesia, Blueberry Princess oder Skunk.

Der Inhalt sind getrocknete Blüten der Cannabis- oder Hanfpflanze. Als Marihuana bekannt, werden sie in Joints oder „Tüten“ geraucht und man wird im Kifferjargon „high“ oder „stoned“ davon. Aber in der belebten Geschäftsstraße Via dei Giubbonari, keine hundert Meter von der Touristenmeile Campo de' Fiori entfernt, geht keine verbotene Droge über den Ladentisch. Bei den Blüten handelt es sich um „Cannabis Light“, das in Italien – anders als in Deutschland – frei verkauft werden darf. Auch wenn die Gesetzeslage südlich der Alpen dennoch recht vernebelt ist.

„Cannabis Light“ erlebt in Italien seit Monaten einen Boom. Ein ganz neuer und lukrativer Geschäftszweig ist entstanden. Täglich eröffnen neue Läden, die legale Cannabisprodukte anbieten. Allein in der Hauptstadt Rom sind es schon rund 60, in ganz Italien mehrere Hundert. Sie nennen sich „Joint Grow“, „Easy Joint“, „Hemporia“ oder „Canapando“ von canapa, also Hanf. Im Sortiment haben sie nicht nur die Blüten, sondern auch Kekse, Schokolade, Öle, Tee, Kaffee, Bier – alles mit Cannabis versetzt.

Das heißt aber nicht, dass Rom nun der europäischen Kiffermetropole Amsterdam Konkurrenz macht. Cannabis Light unterscheidet sich vom auch in Italien verbotenen Marihuana durch einen entscheidenden Faktor: den Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC). Diese Substanz ist als einzige unter den in der Hanfpflanze enthaltenen psychoaktiv und berauschend. Sie löst Redseligkeit und Euphorie aus, verändert die Wahrnehmung, regt den Appetit an.

Cannabis, das die Dealer auf der Straße verkaufen oder das legal für medizinische Zwecke genutzt wird, kann 20 Prozent und mehr THC enthalten. Für Cannabis-Light-Produkte gilt die Grenze von 0,2 Prozent – eine verschwindend geringe Menge, wirkungslos. Dafür haben sie einen erhöhten Anteil an Cannabidiol (CBD), das entspannend und entkrampfend ist, gegen Schlaflosigkeit, Angst- und Panikzustände hilft.

Ausgelöst haben den italienischen Boom zwei Pro-Marihuana-Aktivisten aus Parma. Sie entdeckten eine Gesetzeslücke. Weil Hanf als Nutzpflanze überall in Europa ein Comeback erlebt, hatte Italien Ende 2016 den industriellen Anbau geregelt. Die Pflanze darf kultiviert werden, wenn ihr THC-Gehalt bei höchstens 0,6 Prozent liegt, die Fasern und Samen können zur Herstellung von Textilien, Kosmetik oder Lebensmitteln genutzt werden.

Über die Blüten der THC-armen Pflanzen aber steht rein gar nichts im Gesetz, fanden Luca Marola und Leonardo Brunzini heraus. „Also sagten wir uns, wen kümmert’s, beginnen wir damit zu handeln“, erzählt Marola. Sie gründeten im Mai 2017 ihre Firma „Easy Joint“ und kauften den Landwirten die Blüten ab, die bis dahin weggeworfen wurden. Ein voller Erfolg: Innerhalb von nur vier Tagen verkauften sie über das Internet 50 Kilogramm davon. Inzwischen haben die Easy-Joint-Pioniere einen Umsatz von zwei Millionen Euro und unzählige Nachahmer, die im Franchisingsystem Ladenketten eröffnen.

Für Luca Marola und seinen Partner geht es aber nicht nur um Business. „Es ist eine Art ziviler Ungehorsam“, sagt Marola, „wir wollten die Institutionen provozieren.“ Erreichen wollen sie, dass Cannabis entkriminalisiert wird. „Cannabis ist nicht das Monster, als das sie es darstellen“, sagt er. Beim Pro-Kopf-Konsum der Droge liegt Italien EU-weit an zweiter Stelle hinter Dänemark. Ein Drittel der Italiener hat schon einmal gekifft. Das erklärt auch den Erfolg der Light-Version.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Italien

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