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Marga Beckstein "Dirndl-Gate" auf dem Oktoberfest

Bayerns First Lady kommt nicht in Tracht auf die Wiesn und wird ausgebuht. Als Beckstein-Maß wird das Glas mit zu viel Schaum bezeichnet.

22.09.2008 00:09
Oktoberfest 2008 eroeffnet
Tracht ist Pflicht auf dem Oktoberfest - das sollte eine First Lady wissen. Foto: ddp

Die Becksteins hatten es auf ihrer ersten Wiesn als Ministerpräsidentenpaar nicht leicht. Günther Beckstein (CSU) hatte sich kurz vor der Landtagswahl mit der Aussage in Bedrängnis gebracht, man könne, wenn man viele Stunden im Bierzelt sitze, auch nach zwei Maß noch Autofahren - wenigstens dann, wenn das Bier schlecht eingeschenkt sei.

Schon jetzt ist die "Beckstein-Maß" für eine mit zu viel Schaum und zu wenig Bier eingeschenkte Maß zum geflügelten Wort geworden. Marga Beckstein wiederum hatte sich geweigert, im Dirndl zu kommen. Schon Wochen vor dem Anstich war die "Dirndl-Verweigerung" Thema in den Münchner Medien. Nicht einmal der saftige Anstieg des diesjährigen Bierpreises - die Maß kostet zwischen 7,80 Euro und 8,30 Euro - hatte für solche Diskussionen gesorgt. Sogar vom "Dirndl-Gate", das die CSU viele Stimmen kosten werde, war die Rede.

Als Marga Beckstein dann am Samstag zum traditionellen Anstich tatsächlich statt im Dirndl in einer pastellfarbenen Trachtenjacke mit blumigen Ornamenten und einem dunklen Rock ins Schottenhamel-Zelt kam, gab es denn auch einige Buhrufe.

Auf ihre Dirndl-Weigerung angesprochen, gab sich die Ministerpräsidenten-Gattin einsilbig. Sie habe das Kostüm gewählt, "weil es mir gefallen hat", sagte sie. Und auf die Frage, warum sie denn kein Dirndl möge: "Einfach so."

Grünen-Chefin Claudia Roth - selbst im knallroten Dirndl erschienen - konnte das Sticheln eine Woche vor der Landtagswahl nicht lassen. Marga Beckstein müsse "aber schon wissen, dass das ein Angriff auf die CSU-Leitkultur ist."

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der in Lederhose zum Anzapfen kam, bescheinigte Marga Beckstein dagegen eine "sehr passende Kleidung". "Im Nachhinein frage ich mich, warum die Münchner CSU-Frauen so einen Aufstand gemacht haben." Ude hatte zuvor betont, es gebe keine Kleiderordnung auf dem Oktoberfest. "Jeder kann kommen, wie er mag und zeigen, dass er dazu gehört", sagte er. "Man darf aber auch zeigen, dass man nicht dazugehört."

Münchens Oberbürgermeister brauchte dieses Jahr nur zwei Schläge, um das erste Bierfass der Wiesn anzuzapfen. Sein bisheriger Rekord. Um Punkt zwölf eröffnete er mit dem traditionellen Ruf "Ozapft is" das 175. Oktoberfest.

Die meisten Festzelte waren bereits am Samstagvormittag wegen Überfüllung geschlossen worden. Schon am frühen Morgen waren Hunderttausende Besucher -- die meisten in Dirndl oder Lederhosen - trotz kühler Temperaturen um die elf Grad auf die Theresienwiese geströmt, um einen der 100 000 Plätze in den 14 großen Festzelten zu ergattern. Insgesamt kamen 900 000 Besucher an diesem ersten Wiesn-Wochenende. Nicht einmal drei Stunden nach der Eröffnung mussten sich Sanitäter um die erste Bierleiche kümmern. Ein 17-jähriger Münchner war zusammen gebrochen, nachdem er zwei Maß Bier und einen Schnaps getrunken hatte. Laut Rotem Kreuz waren die meisten der 48 "Bierleichen" dieses Wochenendes unter 25 Jahre .

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