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Mallorca Magaluf ist nichts für Zartbesaitete

Schlager-Hits, Sangria-Eimer, rot gebrannte Bierbäuche: dafür steht das mallorquinische Magaluf. Aber nicht mehr lange. Zumindest, wenn es nach einem Hoteldirektor im Ort geht.

Magaluf
Sieht tagsüber eigentlich ganz beschaulich aus: Aber wehe, wenn die Briten aus dem Alkoholrausch erwachen. Foto: Martin Dahms

Da kann man nichts machen: Man glaubt Magaluf schon zu kennen, bevor man es zum ersten Mal besucht. Der Badeort, keine 20 Kilometer südwestlich von Palma gelegen, taucht einfach zu oft in den Medien auf, und es sind immer süffige Nachrichten.

Meistens haben sie mit Alkohol oder Sex zu tun. Da geht es um junge, besoffene Briten, die von Balkonen fallen, wie gerade am 3. August, als ein 20-Jähriger im sechsten Stock eines Hotels offenbar über die Brüstung kacken wollte und das Gleichgewicht verlor. Er überlebte schwer verletzt. Vier andere sind dieses Jahr in Magaluf schon bei Balkonstürzen ums Leben gekommen.

Und dann noch diese Geschichte von vor vier Jahren, die Magaluf einfach nicht los werden will: als eine 18-jährige Irin in einer Kneipe 24 Männern einen blies, für einen 4-Euro-Cocktail. Jemand filmte es mit seinem Telefon.

Magaluf ist nichts für Zartbesaitete. „Ich bin hier mal vor zwanzig Jahren vorbeigekommen“, erzählt Rubén Llach. „Kaum war ich da, bin ich wieder umgekehrt. Das war nichts für mich. Ein Ort, um ihn zu meiden.“ Heute arbeitet der 41-Jährige genau hier. Und schwärmt vom „New Magaluf“.

Rubén Llach benutzt ziemlich viele englische Wörter. Schon an der Sprache soll man erkennnen, dass jetzt alles ganz neu und anders ist. Llach ist Hoteldirektor, eines der Häuser, die er leitet, heißt Calvia Beach The Plaza. Magaluf taucht in dem Namen gar nicht mehr auf, stattdessen Calvia, das ist die Gemeinde, zu der Magaluf gehört. Man geht jetzt nicht mehr an den Strand von Magaluf, sondern an den Calvia Beach. Klingt toll. Und ist auch toll. Jedenfalls schöner als geahnt.

Das Calvia Beach The Plaza ist Anfang Juli eröffnet worden und jetzt der Hingucker von Magaluf. Zwischen zwei fünfstöckigen Neubauten hängt eine Plattform mit zwei transparenten Schwimmbädern, mit gläsernem Boden und gläserner Außenwand. So etwas gibt’s in Europa sonst noch nicht. Die Pools sind nichts für Leute mit Höhenangst, für alle anderen aber ein einmaliges Vergnügen. Wer das Gesicht ins Wasser legt, am besten mit Taucherbrille, glaubt über der Welt zu schweben, während tief unter ihm die Passanten vorbeiziehen.

„Dieses Hotel ist das Sahnehäubchen auf einem Projekt, an dem wir seit sechs Jahren arbeiten“, sagt Hoteldirektor Llach. Das Haus gehört zur internationalen Hotelkette Meliá mit Sitz in Palma de Mallorca. Magaluf war einer der ersten Orte, an denen Meliá vor Jahrzehnten ein Hotel eröffnete und später noch eine ganze Reihe mehr. Man machte gute Geschäfte mit britischen Familien, die nicht allzu hohe Ansprüche stellten. Aber irgendwann fanden die Mallorquiner Meliá-Besitzer, dass es so nicht weitergehen könne. Magaluf verkam, was ihnen einerseits im Herzen wehtat, während andererseits mit der traditionellen Kundschaft auch nicht mehr das große Geld zu verdienen war.

Meliá ließ in Maglauf neun Hotels renovieren oder ganz neu bauen, so wie das Plaza, ein Viersternehaus. Die neuen Hotels brachten eine neue Kundschaft: „Die ersten, die hier eincheckten, waren drei Schweizerinnen“, erzählt Llach. „Schweizerinnen!“ Engländer kommen immer noch, aber oben in den Pools hört man viele Sprachen der Welt.

Das alte, vornehmlich britische Magaluf ist damit noch nicht verschwunden. Nur ein paar Hundert Meter vom Calvia Beach The Plaza entfernt lädt schließlich die Straße Punta Ballena mit Neonlichtern und lauter Musik weiter zum billigen Vergnügen ein. „Wear no clothes on the street – penalty 400 Euro“, warnt ein Schild, 400 Euro Strafe fürs nackt herumlaufen scheint hier nötig zu sein. Aber gleich nebenan liegt ein makelloser Sandstrand, an der Promenade haben zwischen alten Biergärten elegante Restaurants und entspannte Bars geöffnet.

Die Gentrifizierung Magalufs hat begonnen. „Das neue Magaluf ist noch ein Säugling“, sagt Llach. „Aber das alte wird sich erneuern müssen – oder verschwinden.“ Wenn wahr wird, was der Hoteldirektor voraussieht, bleibt den jungen Engländern, wenn sie weiter die Sau rauslassen wollen, bald nur noch der Umzug zum Ballermann.

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