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Magdeburger Dom: Es ist Königin Editha

Nach umfangreichen Untersuchungen sind sich die Wissenschaftler einig: Im Magdeburger Dom sind wirklich die sterblichen Überreste von Königin Editha (910-946), der Gemahlin von Otto dem Großen, gefunden worden.

16.06.2010 16:55
Eine Darstellung von Königin Editha auf ihrem Grabdeckel im Dom Sankt Katharina und Sankt Mauritius in Magdeburg.

Magdeburg. Nach umfangreichen Untersuchungen sind sich die Wissenschaftler einig: Im Magdeburger Dom sind wirklich die sterblichen Überreste von Königin Editha (910-946), der Gemahlin von Otto dem Großen, gefunden worden.

«Es ist nachgewiesen, dass es sich tatsächlich um Königin Editha handelt», sagte Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller in Magdeburg. Untersucht wurden erhaltene Zähne, Knochen und Textilien. Hinweise deuteten auf einen Aufenthalt der Frau in Südengland hin, Editha war dort geboren worden. Ihre sterblichen Überreste waren Ende 2008 bei Ausgrabungen Dom gefunden worden. Die Inschrift nannte Editha als Bestattete und datierte die letzte Umbettung auf das Jahr 1510.

Bei der Öffnung des Bleisarkophags im Labor stießen die Forscher laut Meller auf ein Gemisch aus Stoffen und Knochen. An der Analyse seien zahlreiche Wissenschaftler aus Deutschland und England beteiligt gewesen. Ergebnis sei ein «komplexer wissenschaftlicher, relativ beispielloser Indizienbeweis». Geschlecht, Ernährung und geografische Herkunft der Toten wurden an der Universität Mainz ermittelt. Teamleiter Kurt Alt sagte, es seien nur 42 Knochen von sonst über 200 gefunden worden, der Schädel fehle fast komplett. Nur der Oberkiefer mit allen Zähnen sei erhalten. Die Forscher vermuten, dass Teile des Skeletts als Reliquien abhandenkamen.

Es handele sich um eine Frau, die im Alter zwischen 30 und 40 Jahren gestorben sei; Editha war mit 36 Jahren gestorben, sagte Alt. Sie sei etwa 1,57 Meter groß gewesen. Sie habe qualitätvolle Nahrung, möglicherweise mit viel Fisch, zu sich genommen. Das und weiteres lasse sich aus verschiedenen Analysen der Zähne und Knochen ablesen. Mit unterschiedlichen Methoden kamen die Mainzer Forscher und ihre Kollegen der Universität Bristol zu der Erkenntnis, dass die Frau im südenglischen Wessex in der Gegend von Winchester aufgewachsen ist.

Die Engländer konnten den Angaben des Landesamtes für Archäologie zufolge noch genauer ermitteln: Editha scheint häufig den Aufenthaltsort gewechselt zu haben. Erst ab einem Alter von rund neun Jahren bleiben die sogenannten Strontium-Isotop-Werte konstant. Mit deren Untersuchung im Zahnschmelz konnten die Forscher die Aufenthaltsorte Edithas ermitteln. Besonders viel Kalk, wie er in Südengland vorkomme, sei im Zahn gefunden worden.

Die Königin soll ihre letzte Ruhe demnächst im Magdeburger Dom wiederfinden. Die Wiederbeilegung soll möglichst mit Gästen aus England noch in diesem Jahr stattfinden, sagte Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD).

Die Ausgrabungen im Magdeburger Dom werden nach den Worten von Grabungsleiter Rainer Kuhn Mitte November beendet sein. Sie laufen seit fast vier Jahren. Die Auswertungen würden aber noch viele Jahre dauern. Insgesamt hatten die Archäologen 250 Skelette gefunden, von denen seien 50 anthropologisch untersucht. (dpa)

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