Lade Inhalte...

Mafia-Schiff Die "Cunsky" bleibt verschollen

Bei dem vor der kalabrischen Küste entdeckten Wrack handelt es sich nicht um das "Giftschiff der Mafia" mit Atomabfall. Aber wenn die "Cunsky" nicht dort liegt - wo dann? Von Dominik Straub

28.10.2009 16:10
Dominik Straub
Ein Tauchroboter hat dieses Bild von einem Schiffswrack an der kalabrischen Küste gemacht. Foto: dpa

Rom. Beim unlängst vor der kalabrischen Küste entdeckten Wrack handelt es sich nicht um das vermutete "Giftschiff der Mafia" mit Atomabfall. Ein Grund zur Beruhigung ist das nicht. Wenn die "Cunsky" nicht dort liegt - wo ist sie dann?

Das nun untersuchte Schiffswrack war am 12. September etwa 40 Kilometer vor der Kleinstadt Cetraro von einem Tauchroboter geortet worden. Rasch stand die Vermutung im Raum, dass es sich um den Frachter "Cunsky" handeln könnte, den der Mafioso Francesco Fonti, der unterdessen mit der Polizei zusammenarbeitet, vor 17 Jahren dort versenkt haben will. Laut dem Zeugen haben sich an Bord der "Cunsky" rund 120 Fässer mit radioaktivem Müll befunden.

Doch Sonarbilder, die das Forschungsschiff "Mare Oceano" nun in Cetraro machte, zeigen ein Schiff, dessen Kommandobrücke sich in der Mitte des Rumpfes befindet. Die Brücke der "Cunsky" ist im Heck. Auch stellte die "Mare Oceano" keine erhöhte Radioaktivität in der Nähe des Wracks fest.

Die Bewohner Cetraros und umliegender Küstenorte hören es mit gemischten Gefühlen. Die "Cunsky" könnte unentdeckt einige Kilometer entfernt auf dem Meeresgrund liegen - oder das entdeckte Wrack ist ein weiteres versenktes Mafia-Schiff mit illegalem Sondermüll. Zudem wurde die Radioaktivität in 300 Metern Tiefe gemessen - das Wrack liegt 483 Meter unterm Meeresspiegel.

Frühere Ermittlungen verliefen immer im Sand

Der Umweltminister Kalabriens, Silvio Greco, forderte die Regierung in Rom zusammen mit Umweltverbänden und Gewerkschaften auf, das Wrack sorgfältig weiter zu untersuchen, insbesondere auf Fässer, und es gegebenenfalls zu bergen: "Auch wenn es nicht die ,Cunsky ist, müssen wir wissen, was das Schiff an Bord hat", sagt Greco. Umweltministerin Stefania Prestigiacomo sicherte zu, dass die Untersuchungen weitergeführt würden; auch die Ministerin erklärte, es gebe noch keinen Grund zur Entwarnung.

Die Entdeckung des Wracks vor der kalabrischen Küste hatte international Schlagzeilen gemacht - auch weil der Kronzeuge ausgesagt hatte, dass die Mafia im Mittelmeer, aber auch vor der afrikanischen Küste, noch 40 weitere Schiffe mit Giftmüll versenkt habe. Dass die Regierung Berlusconi sich fast eineinhalb Monate Zeit ließ, bis sie die "Mare Oceano" nach Cetraro schickte, weckte in Kalabrien und bei Umweltverbänden die Befürchtung, dass die Untersuchungen einmal mehr verschleppt werden könnten. Frühere Ermittlungen verliefen bisher immer im Sand.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen