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Mädchenmord in Emden Verdächtiger hat kein Alibi

Der verhaftete Berufsschüler hat sich offenbar in Widersprüche verwickelt - und er hat keine Alibi für die Tatzeit. Den Mord an der elfjährigen Lena hat er jedoch bisher nicht gestanden. Ein DNA-Abgleich könnte klären, ob der 17-Jährige das Mädchen getötet hat.

29.03.2012 13:11
Von Eva Dorothée Schmid
Der Verdächtige wird aus dem Amtsgericht geführt. Foto: dapd

Der verhaftete Berufsschüler hat sich offenbar in Widersprüche verwickelt - und er hat keine Alibi für die Tatzeit. Den Mord an der elfjährigen Lena hat er jedoch bisher nicht gestanden. Ein DNA-Abgleich könnte klären, ob der 17-Jährige das Mädchen getötet hat.

Der 17-Jährige, der die elfjährige Lena am Samstag in einem Parkhaus in Emden ermordet haben soll, hat sich bei seinen Vernehmungen in Widersprüche verwickelt. Der Berufsschüler habe zwar Fragen zu einem Alibi beantwortet, sagte der Leiter der Mordkommission, Werner Brandt, am Donnerstag. Diese Angaben erwiesen sich aber als falsch. „Er hat kein Alibi zur Tatzeit“, so Brandt.

Eine Zeugin hatte die Polizei auf die Spur des 17-Jährigen gebracht. Ihre Beschreibung habe sich mit der Täterbeschreibung gedeckt. Keine Rolle spielten offenbar die von der Polizei im Internet veröffentlichten Videos vom Tatort. Laut Brandt hat sich die Zeugin schon vorher gemeldet.

Der Verdächtige, der in Untersuchungshaft sitzt, hat die Tat bisher nicht gestanden. Es gebe „Indizien“, die gegen ihn sprächen, aber keine klaren Beweise, sagte Brandt. Deshalb geht die Polizei weiterhin allen Hinweisen nach und ermittelt auch in andere Richtungen. Am Tatort sind wohl DNA-fähige Spuren gefunden worden, so Brandt. Sie müssen aber noch mit dem Genmaterial des Verdächtigen abgeglichen werden.

Am Mittwochabend erließ das Emder Amtsgericht Haftbefehl wegen Mordverdachts gegen den Jugendlichen. „Er steht im Verdacht, die Elfjährige in Verdeckungsabsicht getötet zu haben“, sagte Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat der Mann das Mädchen möglicherweise getötet, um ein vorangegangenes Sexualdelikt zu vertuschen.

Nachbarn twitterten Verhaftung

Südbeck verwies auf die Unschuldsvermutung und kritisierte Internetnutzer, die den Verdächtigen als Täter vorverurteilten. Als der 17-Jährige am Dienstagabend in der Wohnung seines Vaters in Emden gefasst worden war, hatten Nachbarn das getwittert – obwohl zu diesem Zeitpunkt keiner wusste, ob er verdächtigt wird oder nur ein Zeuge ist. Die Nachricht verbreitete sich schnell im Netz. Am Abend versammelten sich über 50 Emder vor der örtlichen Polizeiwache, am Tag darauf wurde auch das Haus, in dem der 17-Jährige wohnte, belagert.

Unter dem Druck der Öffentlichkeit musste die Polizei zugeben, dass sie einen Verdächtigen hat. In sozialen Netzwerken forderten daraufhin Nutzer sogar die Todesstrafe für den Mann – obwohl er noch nicht einmal angeklagt wurde und vielleicht sogar unschuldig ist. Martin Lammers, Vizechef der Polizeiinspektion Leer/Emden, erklärte, dass im Netz auch Unschuldige der Tat bezichtigt wurden, was die Arbeit der Mordkommission erschwert habe.

Udo Vetter, Anwalt für Strafrecht und Rechts-Blogger, findet den „virtuellen Mob“ problematisch. Die Angelegenheit zeige, wie schnell jemand unter Verdacht stehe und wie schnell die Falschen getroffen werden könnten, sagte er im RBB. Die Verhältnismäßigkeit bei Fahndungen via Internet müsse unbedingt gewahrt bleiben. Denn wenn der Verdächtige sich als unschuldig erweise, werde ihm die Geschichte vermutlich sein Leben lang anhängen, so Vetter.

Lena soll nach Wunsch ihrer Familie im engsten Familienkreis beerdigt werden. Eine öffentliche Trauerfeier soll es nicht geben.

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