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Madsen-Prozess Tod an Bord der „Nautilus“: Madsen bestreitet Mord im U-Boot

Erfinder Peter Madsen galt als verrückt, aber genial - bis an Bord seines U-Bootes die Journalistin Kim Wall starb. Nun steht der Däne vor Gericht. Über ein mögliches Motiv wird noch gerätselt.

08.03.2018 12:06
Prozessbeginn
Zahlreiche Journalisten warten zum Prozessbeginn auf den Einlass in das Gerichtsgebäude. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Zum Auftakt seines Mordprozesses in Kopenhagen hat der dänische U-Boot-Tüftler Peter Madsen den Vorwurf des Mordes an der schwedischen Journalistin Kim Wall zurückgewiesen. Der Angeklagte bleibe bei seiner Darstellung, wonach die 30-Jährige durch einen Unfall an Bord seines U-Boots gestorben sei, erklärte Madsens Anwältin am Donnerstag im Namen ihres Mandanten vor Gericht.

Dem 47-Jährigen wird vorgeworfen, Wall an Bord seines selbst gebauten U-Boots gefesselt, misshandelt und ermordet zu haben, bevor er ihre Leiche zerstückelte und in Plastiksäcken im Meer versenkte. Wall hatte Madsen am 10. August vergangenen Jahres auf dessen U-Boot besucht, um ein Interview mit ihm zu führen. Einen Tag später sank das U-Boot in der Köge-Bucht vor Kopenhagen, Madsen wurde gerettet. Er gab zunächst an, die Journalistin am Vorabend wohlbehalten an Land abgesetzt zu haben.

Teile von Walls Leiche wurden später im Meer entdeckt, sie wiesen Schnitt- und Stichverletzungen auf. Madsen machte in Verhören widersprüchliche Äußerungen zum Schicksal der Journalistin. Unter anderem gab er an, sie sei gestorben, als ihr die Luke des U-Boots auf den Kopf gefallen sei. Ihr später gefundener Schädel wies jedoch keine entsprechenden Verletzungen auf.

Zum Prozessauftakt erschien Madsen in schwarzem T-Shirt und Jeans im vollbesetzten Gerichtssaal in Kopenhagen. Er äußerte sich selbst nicht, seine Anwältin erklärte aber, Madsen bleibe bei seiner Darstellung, dass Wall durch einen Unfall gestorben sei. In Verhören hatte er lediglich gestanden, Walls Leiche zerteilt und die Überreste über Bord geworfen zu haben.

Im Gerichtssaal anwesend waren auch die Eltern von Kim Wall. Auf einem Bildschirm wurden die letzten SMS gezeigt, die die 30-Jährige von Bord des U-Boots an ihren Freund geschickt hatte, bevor es auf Tauchfahrt ging. „Ich lebe übrigens noch“, schrieb sie am 10. August um 20.15 Uhr augenzwinkernd. „Wir gehen jetzt runter. Ich liebe Dich!!!!!!“ Eine Minute später schickte sie eine letzte Nachricht: „Er hat Kaffee und Kekse mitgebracht.“

Die Anklage wirft Madsen neben Mord schweren sexuellen Missbrauch sowie Leichenschändung vor. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft folterte und tötete der 47-Jährige die junge Frau, um seine sexuellen Fantasien auszuleben. Er habe den Mord geplant und eigens Messer, spitze Schraubenzieher, Plastikschnüre und Rohre an Bord gebracht, um seinen Plan in die Tat umsetzen zu können.

Eine Autopsie der zerstückelten Leiche brachte keine Klarheit über die Todesursache. Die Ermittler gehen davon aus, dass Madsen Wall erwürgte oder ihr die Kehle durchschnitt. Zeugen, darunter mehrere Ex-Freundinnen, beschreiben den Erfinder als Anhänger brutaler Sado-Maso-Praktiken. Eine in seiner Werkstatt gefundene Computerfestplatte enthielt Fetisch-Videos, die zeigen, wie Frauen gefoltert, geköpft oder lebendig verbrannt werden. Madsen bestreitet, dass die Festplatte ihm gehört.

Der Prozess ist bis zum 25. April angesetzt. Insgesamt 37 Zeugen sind geladen, darunter Gerichtsmediziner und andere Experten.

Kim Wall arbeitete als freie Journalistin und war stets auf der Suche nach ungewöhnlichen Geschichten. Nach ihrem Tod gründeten ihre Familie und ihre Freunde eine Stiftung in ihrem Namen. Sie soll Journalistinnen bei Auslandseinsätzen unterstützen und für deren Sicherheit sorgen. Ein erstes Stipendium soll am 23. März ausgezahlt werden, Kim Walls Geburtstag. (afp)

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