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Lufthansa-Tochter Germanwings Germanwings-Piloten verhindern Unfall

Am 19. Dezember 2010 entgeht der Germanwings-Flug 735 von Wien nach Köln/Bonn nur knapp einer Katastrophe. Bei der Lufthansa-Tochter ereignet sich ein gefährlicher Zwischenfall mit Gasen im Cockpit. Den Piloten schwinden die Sinne, sie geraten an ihre Grenzen.

29.09.2012 17:39
Lutz Feierabend und Christian Parth
An Bord eines Airbus A 319 kam es zu dem Zwischenfall. Foto: dpa

Am 19. Dezember 2010 entgeht der Germanwings-Flug 735 von Wien nach Köln/Bonn nur knapp einer Katastrophe. Bei der Lufthansa-Tochter ereignet sich ein gefährlicher Zwischenfall mit Gasen im Cockpit. Den Piloten schwinden die Sinne, sie geraten an ihre Grenzen.

Der Germanwings-Flug 735 von Wien nach Köln/Bonn stand am 19. Dezember 2010 unter keinem guten Stern. Dichte Schneefälle wurden für das Rheinland erwartet, der Flughafen Köln/Bonn sogar zwischenzeitlich geschlossen. Die 149 Passagiere und Crewmitglieder mussten sich am Flughafen der österreichischen Hauptstadt auf ein Geduldsspiel einstellen.

Erst mit mehrstündiger Verspätung konnten die Gäste an Bord des Airbus A319-132 gehen. Laut Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), der am Freitag bekannt wurde, lief dann aber alles nach Plan: „Aufgrund einer zügigen Enteisung bei laufenden Triebwerken auf der dafür vorgesehen Haltefläche und eines nachfolgenden kurzen Rollweges konnte das Flugzeug den Flughafen um 20:12 Uhr verlassen.“ Während des Rollens und beim Start war die Klimaanlage ausgeschaltet, um ein mögliches Eindringen von Enteisungsflüssigkeit in den Luftkreislauf des Flugzeuginnenraums zu vermeiden.“ Alles Routine.

Das Drama spielte sich kurz vor der Landung im Cockpit ab. Was genau die beiden Piloten der untersuchenden Behörde schilderten, liest sich in einem Bericht so: „In einer Höhe von 3?000 Fuß (rund 900 Metern) nahmen beide Piloten zum ersten Mal einen seltsamen, stark ausgeprägten, unangenehmen Geruch wahr. Eine Rückfrage beim Chefsteward ergab, dass in der gesamten Flugzeugkabine nichts Außergewöhnliches zu riechen war.“

Kurze Zeit später sagte der Copilot, dass ihm „kotzübel“ sei. „Als sich seine Arme und Beine taub anzufühlen begannen und er den Eindruck hatte, nicht mehr klar denken zu können, griff er zur Sauerstoffmaske, die er beim zweiten Versuch erfolgreich überstülpte. Danach verspürte der Kapitän urplötzlich ein starkes Kribbeln in Händen und Füßen. Gleichzeitig bemerkte er, wie ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Sinne schwanden. Sein Gesichtsfeld schränkte sich nahezu schlagartig ein (Tunnelblick) und er verspürte ein starkes Schwindelgefühl. Auch er griff nach seiner Sauerstoffmaske“, schreiben die Experten der Bundesstelle.

Surrealistisch und wie im Traum

Danach ging es dem Kapitän laut BFU-Bericht etwas besser, dem Co-Piloten aber weiterhin schlecht. Anflug und Landung wurden zum Kraftakt: „Der Co-Pilot hatte zu diesem Zeitpunkt Schwierigkeiten, den Ablauf in einem Gesamtbild zu erfassen. Auch der Kapitän war am Ende seiner Leistungsfähigkeit angekommen.“ So habe er seinem Co-Piloten gesagt, dass er sich „weder physisch noch psychisch in der Lage fühle, ein Durchstartmanöver zu fliegen. Beide Flugzeugführer beschrieben ihre Verfassung kurz vor der Landung als surrealistisch und wie in einem Traum“.

Der A 319 landete schließlich sicher. Wie gefährlich es wirklich für Passagiere und Besatzung war, darüber wird heftig gestritten. Germanwings-Sprecher Heinz-Joachim Schöttes sprach davon, dass sich der Kapitän „nur kurzfristig beeinträchtigt“ gewesen sei und nach Einsatz der Atemschutzmaske „sofort wieder fit gefühlt“ habe. Allerdings heißt es im BFU-Bericht, dass beide Piloten mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurden. Noch im Krankenwagen wurden sie mit Sauerstoff behandelt.

Germanwings weist darauf hin, dass das Flugzeug nach dem Zwischenfall auch durch den Hersteller Airbus gründlich untersucht wurde. Vorwürfen, die Airline habe etwas vertuscht, tritt das Unternehmen entgegen. „Wir haben den Vorfall selbst als gravierend eingestuft und sofort der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung und dem Luftfahrtbundesamt gemeldet.“ Im Bericht der Behörde wird „Enteiserflüssigkeit“ als mögliche Ursache für die Geruchsbildung genannt. Bei der Pilotenvereinigung Cockpit wies Pressesprecher Jörg Handwerg auf die Dimension des Zwischenfalls hin. Köln/Bonn sei nur knapp an einer Katastrophe vorgeschrammt. „Es war haarscharf“, sagte er.

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