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Lügenmuseum April, April!

Am 1. April wird gescherzt und geschummelt, dass sich die Balken biegen. Bernhard Honnigfort hat sich im Lügenmuseum in Sachsen umgesehen.

Lügenmuseum
Nicht nur am 1. April einen Besuch wert: Ein klapperndes und ratterndes Universum aus kleinen Maschinen und Installationen. Foto: André Wirsig

„Das Lügenmuseum ist eine Wolke von Vergnügen“, sagt Herr Zabka. „Streitend und flunkernd aus dem Unbehagen vor und nach dem Mauerfall“ entstanden. Eine Welt, in der nichts stimmt, aber alles zum Lächeln ermuntert. Ein wunderbares altes leicht schummeriges Gasthaus, in dem man allerbestens graukalte Vorfrühlingstage verbringen kann, ein Museum des freundlich Absurden.

Und Trump? All die Spinner? Die Wütenden? Hat der Herr Lügenmuseumsdirektor eine Meinung dazu entwickelt? „Die Welt ist eine Schulung“, sagt Herr Zabka. Seine Erfahrung aus seinen 39 Jahren DDR-Leben: „Keine Wut haben.“ Herr Zabka ist Erfurter, wurde zu DDR-Zeiten ein Berliner Untergrundkünstler, der aus Protest seine Kunstwerke zersägte und neu zusammensetzte. Nach dem Mauerfall dann verließ er Berlin und wurde Museumsdirektor in eigener Sache.

Es geht um gute Geschichten

Nun spricht er wie ein Guru. Er sitzt in seinem Wohnarbeitszimmer, isst vergnügt ein Honigbrötchen, trinkt Kaffee, knotet seine Haare zu einem Dutt, eine dicke Katze saust unter dem Tisch durch. „Das Wichtigste in diesen wirren Zeiten: keine Wut haben, sondern Wut umformen.“
Umformen? Pegida in Dresden, erzählt er, „ist wie Dadaismus. Sinnfreies Geschrei.“ Er erzählt von dem Ärger, den es in Dresden gab, als drei Busse hochkant neben der Frauenkirche standen, ein Mahnmal, das an den Krieg in Syrien erinnern sollte, an Busse in Aleppo, die als Sichtschutz gegen Scharfschützen dienten. Letztes Jahr im Juni stand auch Herr Zabka mit seinem Kunstkram neben der Frauenkirche und formte anderer Leute Wut um. „Was muss unser Neumarkt noch alles aushalten?“, stöhnte die „Bild“-Zeitung. Zabka hatte Kunstwerke aufgebaut und wer wollte, durfte mit Bratpfannen darauf werfen, was dann auch ausgiebig passierte.

Wahrheit und Lüge? „Darum geht es nicht mehr“, sagt er. „Die Frage lautet: Wie erhalten wir unser heiteres Herz?“ Es gehe heutzutage um gute Geschichten, ums gute Geschichten erzählen. Der Lügner sei der fantastischste Geschichtenerzähler überhaupt. Siehe Oscar Wilde, siehe Donald Trump. „Und wir? Wie schaffen wir es, dass man uns nicht die Butter vom Brot nimmt?“, fragt Herr Zabka mit dem Honigbrötchen in der Hand.

Einmal abgebissen und gründlich gekaut, dann: Mit guten Ideen, mit guten Aktionen, beantwortet er seine Frage selbst, während er vergnügt den Rest der Brötchenhälfte betrachtet. Mit Kunst, mit Umformen von Zorn und Wut und tief versteckten Fragen in Aktion und Miteinander und mit Antworten. Beim Radebeuler Weinfest letztes Jahr habe er mit den Grünen eine Bude aufgestellt. „Reparaturwerkstatt statt Demokratie“, stand vorne dran. Und auf tausend Zetteln simple Fragen wie: „Was ist kaputt?“ Ganz einfach, nicht mehr, nicht weniger. Am Ende kamen die Grünen vor lauter Zuhören und Reden kaum zum Wein trinken.

Beim Rundgang durch sein Museum ist er an einem Schrank angekommen. Tür auf, zack, innen geht ein Licht an, Elvis Presley. Der King. Er lebt noch. In Serkowitz abgetaucht, war ja klar.
Aber Herr Zabka, das darf nicht verschwiegen werden, hat auch Ärger. Ärger, den er prima in Bratpfannenwürfe umformen könnte: Sachsens Kulturbürokratie ist nicht sein Freund. Im Dorf Gantikow in Brandenburg war sein Lügenmuseum ein staatlich anerkanntes Museum. In Radebeul in Sachsen ist es das nicht, was unangenehm ist, weil er nun Umsatzsteuer nachzahlen soll, etwa 2000 Euro. „Man hat mein Museum als Flohmarktsammlung eingestuft“, erzählt der Wut-Umformer leicht aufgebracht.

Eine sächsische Landesstelle für Museumswesen sei zu dem Ergebnis gekommen, dass nach den Kriterien des Internationalen Museumskonzils ICOM sein Museum eher ein „performatives Gesamtkunstwerk“ sei. Ja, und kaum war das festgestellt, sei ihm das Finanzamt auf die Pelle gerückt. In Brandenburg gehörte sein Haus zum landesweiten Museumsverband. Und im reichen Sachsen? „Hier ist es Plunder.“

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