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Litauen Flüchtiger Mörder wird gefeiert

Drasius Kedys aus Litauen soll einen Richter getötet haben, der offenbar seine Tochter missbrauchte. Tausende feiern den mutmaßlichen Akt von Selbstjustiz. Von Hannes Gamillscheg

Der 37-jährige Drasius Kedys ist auf der Flucht. Foto: Facebook

Seine Fangruppen auf Facebook haben inzwischen mehr als 20.000 Mitglieder, vor den Justizbehörden demonstrierten seine Anhänger für den "Kinderbeschützer", und zuletzt hat ein Boulevardblatt im benachbarten Polen "Asyl für den Helden" gefordert. Der Held ist wahrscheinlich ein Mörder. Der 37-jährige Drasius Kedys aus dem litauischen Kaunas hat nach Erkenntnissen der Polizei in seiner Heimatstadt zwei Menschen erschossen. Seither ist er flüchtig. Doch immer stärker werden seither die Sympathiekundgebungen für den mutmaßlichen Täter und die Kritik an der Justiz für ihr Versagen.

Der Fall Kedys hatte in Litauen schon vor den Morden Aufsehen erregt. Monatelang hatte der Geschäftsmann die Behörden aufzurütteln versucht und sich im Internet an die Öffentlichkeit gewandt. Seine damals vierjährige Tochter sei von einem Pädophilen-Ring missbraucht worden, behauptete er und nannte drei mutmaßliche Täter beim Namen. Ein Richter in Kaunas war unter ihnen, außerdem ein bekannter Lokalpolitiker. Seine Ex-Freundin, die Mutter des Mädchens, habe dafür Geld genommen. Doch die Ermittlungen verliefen im Sande, die Beschuldigten bestritten alles, und die Polizei tat den Fall als besonders schmutzigen Konflikt um das Sorgerecht für das inzwischen fünfjährige Kind ab.

Bis dann der beschuldigte Richter ermordet wurde, "hingerichtet" auf offener Straße, wie Zeugen berichteten: Ein Minibus blockierte die Straße, und als der Jurist aus dem Auto stieg, trafen ihn ein Schuss in den Kopf und drei in den Unterleib. Er war sofort tot. Wenig später wurde die Leiche der Schwester von Kedys’ ehemaliger Freundin gefunden, auch sie erschossen. Neben ihr lag eine auf Kedys registrierte Pistole. Von ihm fehlt seither jede Spur.

Staatspräsidentin "unzufrieden" mit den Ermittlungen

Da erst ging den Justizbehörden der Ernst der Dinge auf. Man müsse prüfen, wo Fehler begangen wurden, sagt jetzt Generalstaatsanwalt Algimantas Valantas. "Die angebliche sexuelle Ausnützung des Kindes wurde nicht ordentlich untersucht, und kein Verantwortlicher wird sich der Verantwortung entziehen können." Selbst Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite meldete sich zu Wort: Sie sei mit den Ermittlungen im Fall Kedys unzufrieden, beklagte sie.

Die Volksstimmung schäumt über. "Jeder Vater würde so handeln", sagte die 29-jährige Inga Kniukstatite dem Nachrichtendienst Balticreports. "Ich bin auf seiner Seite, wenn ich ihn sehen würde, würde ich ihm helfen", betont Vitalija Navickaite. "Wäre es mein Kind, würde ich die Verbrecher auch umbringen", heißt es auf den Facebook-Seiten, die Titel tragen wie "Es kommt die Zeit, da man das Gesetz in eigene Hände nehmen muss" oder "Er zahlte mit seinem Blut für die Tränen des Kindes". Das polnische Massenblatt Fakt fordert, dem Mörder in Polen eine Zuflucht zu geben: "Er ist ein Held, der das verdient."

Die Polizei in Kaunas fahndet nach dem Flüchtigen und weist darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen den Morden und dem Pädophilie-Skandal nicht erwiesen sei. Kedys sei in Schmuggelgeschäfte verwickelt gewesen und habe Konflikte mit rivalisierenden kriminellen Banden gehabt. "Vielleicht hat Kaunas’ Mafia Kedys ausgetrickst, um einen Richter umzubringen und ihn selbst loszuwerden", mutmaßt Polizeidirektor Algirdas Matonis.

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