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Libuše Šafránková im Interview Für immer Aschenbrödel

Jedes Jahr an Weihnachten ist sie in "Drei Nüsse für Aschenbrödel" zu sehen. Die Hauptdarstellerin Libuše Šafránková verrät, welches Opfer sie für den Film einst brachte und wie Märchen die Politik unterlaufen.

23.12.2009 16:12
Safránková in "Drei Nüsse für Aschenbrödel" (Heiligabend um 14.35 Uhr im WDR und am 25. Dezember um 11 Uhr in der ARD.) Foto: Dreinüssefüraschenbrödel

Frau Šafránková, Sie bezaubern seit über 30 Jahren an Weihnachten als Aschenbrödel auch die Deutschen. Woran erinnern Sie sich am liebsten, wenn Sie an den Film denken?

Ich erinnere mich an wirklich schöne Natur und an das Drehen der letzten Szene, in der ich und der Prinz nebeneinander reiten sollten. Der Wind hob meinen Schleier und ich stellte auf einmal staunend fest, dass ich alleine ritt. Ich drehte mich um und sah Pavel, der den Prinzen spielte, im tiefen Schnee stecken. Er und sein Pferd konnten sich nicht mehr bewegen. Die letzte Einstellung konnten wir aber nur einmal drehen, weil die Pferde die unberührte Schneelandschaft umgepflügt haben. Und so kam es, dass Aschenbrödel in der letzten Einstellung alleine über die Ebene reitet.

Kommt es auch heute noch vor, dass Leute anfangen zu tuscheln "Da ist das Aschenbrödel"?

Das passiert schon, damit muss man wohl auch rechnen. Aber die Leute sind dabei sehr taktvoll.

Ihre späteren Erfolge, etwa als Darstellerin in dem Oscar-prämierten Film "Kolya", haben die Deutschen kaum wahrgenommen. Hat es Sie nie gestört, immer das Aschenbrödel zu sein?

Damit hatte ich nie ein Problem. Die tschechischen Zuschauer haben mich davor lange mit Barunka aus der Verfilmung des Literaturklassikers "Babika" in Verbindung gebracht. Ich war recht froh, als diese Rolle dann durch das Aschenbrödel, die Wassernixe Jana und viele weitere Rollen abgelöst wurde.

Ihre Landsleute haben den Film "Drei Nüsse für Aschenbrödel" kürzlich zum "Märchen des Jahrhunderts" gewählt. Wie sind Sie damals, Anfang der 70er, zu dieser Rolle gekommen?

Nachdem das Theater "Za branou" aus politischen Gründen geschlossen worden war, hatte ich ein Engagement am Prager Theater "inoherní klub" angenommen. Dort steckte ich gerade mitten in den Proben für die schöne Rolle der Sonja in Tschechows "Onkel Wanja". Als ich von Regisseur Václav Vorlíek das Angebot bekommen habe, an der deutsch-tschechischen Koproduktion des Märchens "Aschenbrödel" mitzuarbeiten, habe ich den damaligen Theaterregisseur Jan Kaer um Rat gefragt - eben weil ich diese Paraderolle nicht aufgeben wollte. Es war die Hochzeit des Totalitarismus, und Jan sagte zu mir: Du bist eine der letzten, die überhaupt noch vor die Kamera darf. Fahr hin und drehe, solange du noch kannst.

In Deutschland ist kaum bekannt, dass Sie erfolgreich Theater gespielt haben. Mögen Sie es lieber tragisch oder komisch?

Was das Genre betrifft, macht mir beides Spaß, aber es hängt immer sehr viel von der Qualität des Stückes ab. Ich mag es, wenn eine Rolle beides enthält - sowohl komische Tragik als auch tragische Komik. Ein gutes Beispiel ist die Alice in Dürrenmatts "Play Strindberg", oder auch die Estelle Rigault in Sartres "Geschlossene Gesellschaft".

2008 sind Sie von den Zuschauern zur besten tschechischen Schauspielerin gewählt worden. Ehrt Sie das?

Ich weiß es sehr zu schätzen, dass die Menschen so entschieden haben, dennoch glaube ich, dass diese Auszeichnung nur an diesem Abend, in diesem Moment Bedeutung hat und dass sie nicht für die Zukunft gilt. Im Schauspiel zählt immer das, was ist, und nicht das, was war.

Die Tschechen gelten als Meister des Märchenfilms. Worin liegt für Sie der Zauber dieses Genres?

Wir hatten tatsächlich diesen Ruf, aber das hatte auch einen Grund.

Welchen denn?

Wir durften früher ja nicht viel anderes drehen. Vor der samtenen Revolution waren Märchen das einzige Mittel zur religiösen Meinungsäußerung. Durch sie kann man sowohl zu Kindern als auch zu Erwachsenen sprechen. Aschenbrödel hat - wie andere klassische tschechische Märchen auch - einen sehr spirituellen Inhalt, der uns dem Schöpfer näher bringt. Das sind kleine biblische Geschichten.

Frau Safránková, Weihnachten steht vor der Tür. Schwimmt bei Ihnen wie bei vielen Tschechen auch ein Karpfen in der Badewanne - oder wie feiern Sie das Fest?

Als ich ein Kind war, schwamm bei uns ein Karpfen in der Wanne, aber ich selbst kaufe keine lebenden Fische. Zu Hause halten wir uns zu Weihnachten an christliche Traditionen. Wir singen, gehen in die Kirche und kommen als Großfamilie am Tisch zusammen, und bei so einer Gelegenheit bleibt der Fernseher aus. Schon oft haben wir uns vorgenommen, Weihnachten als Fest der Ruhe zu begehen, aber trotzdem kommen wir nicht um die Geschenke herum.

Was ist Ihr größter Weihnachtswunsch?

Ach, davon gibt es eine Menge. Zu Weihnachten steht bei uns zu Hause auf dem Tisch immer eine große Schüssel mit Äpfeln und Nüssen. Jeder, der am Tisch sitzt, knackt eine Walnuss. Wenn der Kern gut ist, dann sollte der Mensch, der die Nuss geknackt hat, das ganze folgende Jahr über gesund sein. Und deshalb wünsche ich mir momentan nichts anderes als einen guten Walnusskern für alle meine Familienmitglieder.

Interview: Barbara Breuer

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