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Zaz „Zusammen sind wir stark“

Die französische Sängerin Zaz, die eigentlich Isabelle Geffroy heißt, spricht im Interview über die Energie ihrer Songs und die Fähigkeit, an Schwierigkeiten zu wachsen.

03.05.2013 16:12
Sie liebt es, frei zu sein: Isabelle Geffroy alias Zaz. Foto: imago stock&people

Die französische Sängerin Zaz, die eigentlich Isabelle Geffroy heißt, spricht im Interview über die Energie ihrer Songs und die Fähigkeit, an Schwierigkeiten zu wachsen.

Arme Zaz! Stundenlang muss die quirlige französische Sängerin, die eigentlich Isabelle Geffroy heißt, im tristen Konferenzraum ihrer Münchner Plattenfirma hocken und mit Journalisten reden. Dabei hasst sie es, eingesperrt zu sein. Die 33-Jährige ist, wie sie selber sagt, unheimlich freiheitsliebend. Früher hat sie in Paris Straßenkonzerte gegeben, ihr Debütalbum „Zaz“ – ein Mix aus Chanson, Jazz, Pop und Zigeunermusik – machte sie 2010 europaweit bekannt, heute erscheint mit „Recto Verso“ ihre zweite CD.

Frau Geffroy, können Sie sich erklären, warum Ihre Musik so populär ist?

Nicht wirklich. Ich sehne mich ja danach, in einer besseren Welt zu leben. Diesen Wunsch spiegeln einige Lieder recht deutlich wider. Vielleicht können sich meine Fans damit identifizieren.

Aber im Ausland verstehen die meisten Menschen doch gar nicht, worüber Sie in Ihren Songs sprechen.

Ich denke, sie spüren instinktiv die Energie meiner Stücke, meine Gefühle, meine Leidenschaft. Nach meinen Auftritten in Bulgarien, Kroatien und Polen habe ich mich mit ein paar Lehrern unterhalten. Sie erzählten mir, dass dank meiner Chansons plötzlich viele Leute Französisch lernen wollen. Toll, oder?

Hatte Ihr Erfolg nur positive Nebeneffekte?

Nicht immer. Ich hatte ziemlichen Terminstress. Dauernd bin ich irgendwo aufgetreten, ich habe ein Interview nach dem nächsten gegeben. Bis ich völlig ausgebrannt war.

Was haben Sie dann getan?

Mir eine Pause gegönnt. Erst machte ich in Arizona einen Trip durch die Wüste, danach habe ich den Mont Blanc bestiegen.

Reisen Sie gern?

Und ob. Urlaube sind eigentlich das einzige, was ich mir leiste. Ich habe mir kein riesengroßes Haus gekauft, meine Wohnung ist nicht mal besonders luxuriös eingerichtet.

Sind Sie sparsam?

Die Einnahmen aus meinem Merchandising spende ich komplett an die Pariser Organisation Colibris. Sie setzt sich für mehr Miteinander ein, für eine menschlichere Gesellschaft, die in Bereichen wie Wirtschaft, Umweltschutz oder Bildung neue Wege einschlägt.

Knüpft Ihre Single „On ira“ an die Werte dieser Vereinigung an?

Kann man so sagen. Es bringt nichts, ständig zu jammern: „Alles ist so schlecht.“ Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und die Dinge selber anpacken, sonst ändert sich rein gar nichts. Natürlich fühlt sich der Einzelne manchmal total machtlos, aber zusammen sind wir stark.

Trotzdem versprüht Ihre CD „Recto Verso“ nicht nur Optimismus. Einige Lieder erzählen dunkle Geschichten.

Für mich hat das Leben halt die unterschiedlichsten Facetten. Mal leuchtet es in den schönsten Farben, mal erscheint alles grau in grau. Ich fände es falsch, den düsteren Teil völlig auszublenden. Das funktioniert eh nicht. Wir sollten auch die Punkte annehmen, an denen wir zerbrechlich sind.

Treibt Sie denn eine persönliche Misere nie zur Verzweiflung?

Ich stehe sie einfach durch – das klappt immer besser. Wer die Chance ergreift, sich auf seine Verletzungen und schwierigen Phasen tatsächlich einzulassen, der wird letztlich daran wachsen.

War Ihnen das schon immer bewusst?

Keineswegs. Früher war ich hypersensibel, ich hatte zu wenig Selbstwertgefühl, ehrlich gesagt mochte ich mich nicht besonders. Deswegen bin ich rasch explodiert, wenn mich jemand reizte. Gott sei Dank habe ich inzwischen einiges an Gelassenheit gewonnen. Ich meditiere, das hilft mir.

Genießen Sie es eigentlich, wenn bei einer Show alle Blicke auf Sie gerichtet sind?

Na klar. Als Sängerin stehe ich gern im Rampenlicht. Privat ist das allerdings anders. Da suche ich überhaupt keine Aufmerksamkeit, sondern verwandele mich wieder in eine normale Durchschnittsfrau.

… die ab und zu noch Straßenkonzerte gibt?

Dafür bin ich mittlerweile zu bekannt. Aber ich kann jedem nur empfehlen, in Fußgängerzonen zu spielen. Dabei lernt man viel. Über Unterhaltung, übers Publikum, über Menschen an sich.

Zum Beispiel?

Um die Aufmerksamkeit der Leute zu gewinnen, musst du alles geben. Daraus hat sich für mich ein echtes Lebensmotto entwickelt. Ich glaube, wer sich richtig in eine Sache reinkniet, kommt meistens ans Ziel. Schade, dass nicht jeder diese Auffassung teilt. Einige geben vorschnell auf. Obwohl sie mit etwas mehr Einsatz ihre Träume hätten verwirklichen können.

Das Interview führte Dagmar Leischow.

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