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Software „Wir sind quasi die Anti-Nerd-Uni“

Thomas Bachem hat Deutschlands erste Privat-Hochschule für Software-Entwickler gegründet. Ein Gespräch über Chancengleichheit, modernes Studieren und Erfolg.

Thomas Bachem
Thomas Bachem sagt über die von ihm gegründete Hochschule: „Es ist die Schule, an der ich selbst gern studiert hätte.“ Foto: dpa

Thomas Bachem lässt auf sich warten. Er sitzt mit ein paar jungen Leuten am Tisch. Durch die Glastür bittet er mit Gesten um Geduld. Dann kommt er. Jeans, Sakko, schwarze Chucks. Er entschuldigt sich. Ein Termin sei irgendwie aus seinem Smartphone-Kalender verschwunden, aber eben nicht seine reale Verabredung. Terminstau im Tagesplan. „Digital kann auch doof sein“, sagt Bachem, der als Digital Native gelten muss. Als Teenager hat er sich selbst das Programmieren beigebracht, später einige Start-ups gegründet, groß gemacht und ertragreich verkauft. Mit 31 Jahren gründete Bachem dann in Berlin Deutschlands erste Privathochschule für Softwareentwickler.

Herr Bachem, eine Hochschule! Wäre es nicht auch eine Nummer kleiner gegangen?
Klar, kleiner geht immer.

Ist aber nicht Ihr Ding, oder?
Manchmal schon. Aber die Idee, diese Hochschule zu gründen, habe ich seit über zehn Jahren. Es ist die Schule, an der ich selbst gern studiert hätte. Es musste endlich sein.

Was hatten Sie denn damals als angehender Student gesucht?
Eine gute Uni für Softwareentwickler. Mit zwölf habe ich angefangen, zu programmieren. Da stand für mich eigentlich fest, dass ich in dem Bereich auch studieren möchte. Aber das Studienangebot war mir viel zu theoretisch und mathematiklastig. Ich sah mich schon als einsamen Nerd, der dem Klischee nach in einem dunklen Zimmer sitzt, keine Freunde hat und den ganzen Tag nur Pizza isst. Am Ende habe ich BWL studiert.

Schade.
Naja, es war ja nicht umsonst. Und es hat sogar Spaß gemacht, weil ich dort die Praxisnähe fand, die ich gesucht hatte.

Es war ebenfalls eine Privat-Hochschule. War das Bedingung?
Nein, überhaupt nicht. Ich wollte nur anders studieren, modern. Und der staatliche Bildungsbereich ist nun mal nicht besonders innovativ. Leider.

Privatinitiative hat dem Informatikstudium aber offenbar auch nicht geholfen. Warum hat vor Ihnen niemand eine Code University gegründet?
Das habe ich mich die ganz Zeit auch gefragt. Vermutlich liegt es daran, dass Hochschulgründungen im Technologiebereich aus wirtschaftlicher Sicht relativ unattraktiv sind. Wer heute Initiative ergreifen will, gründet keine Uni, sondern eher einStart-up und will reich werden.

Sie haben auf diesem Weg selbst Millionen gemacht. Sind Ihnen nun die Ideen ausgegangen – oder haben Sie das Geschäftsmodell für Unis entdeckt?
An Ideen fehlt es nicht. Wenn ich Firmen aufgebaut und dann vergleichsweise schnell wieder verkauft habe, dann war das immer auch ein sehr schneller Wandel. Jetzt baue ich etwas auf, das Bestand hat und wahrscheinlich nie verkauft wird.

Mit Geschäftsmodell?
Wir wollen uns nicht an unseren Studierenden bereichern. Aber es ist uns schon sehr wichtig, dass wir uns innerhalb der nächsten Jahre selbst finanzieren können, also aus eigener Kraft weiter wachsen oder zumindest bestehen können. Wir wollen nicht alle paar Jahre die Klinken putzen und um Geld betteln müssen. Ich will eine unabhängige Hochschule. Dafür brauchen wir Studiengebühren.

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