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Sebastian Krumbiegel „Kämpfen bringt gar nichts“

Der Sänger Sebastian Krumbiegel über Konflikte zwischen Radlern und Autofahrern. Er hat jüngst den Preis für die „Fahrradfreundlichste Persönlichkeit“ bekommen.

Sebastian Krumbiegel
Sebastian Krumbiegel, Sänger der Band „Die Prinzen“. Foto: Markus Wustmann

Sebastian Krumbiegel, Sänger der Band „Die Prinzen“, hat jüngst den Preis für die „Fahrradfreundlichste Persönlichkeit“ bekommen, der Bestandteil des Nationalen Radverkehrsplans der Bundesregierung ist. Der leidenschaftliche Radfahrer engagiere sich ehrenamtlich im Qualitätsrat eines Fahrradherstellers, heißt es in der Begründung der Jury.

Herr Krumbiegel, Sie haben den Preis für die „fahrradfreundlichste Persönlichkeit“ erhalten. Fahren Sie selbst Fahrrad?
Natürlich! Gerade bin ich allerdings auf Lesetour, stelle mein neues Buch vor und fahre quer durchs Land. Das geht mit dem Fahrrad nicht, da bin ich mit dem Auto unterwegs. Aber zuhause in Leipzig fahre ich gern Fahrrad.

Was mögen Sie daran?
Ich finde, es ist in der Stadt das beste Verkehrsmittel. Man ist oft schneller als mit dem Auto und hat auch nie Stress, einen Parkplatz zu finden. Als ich elf Jahre alt war, im Jahr 1976, war ich mit dem Thomanerchor in Japan. Wir waren mit zwei Bussen unterwegs und wurden in den großen Städten Tokio, Osaka, oder Kioto immer von Fahrradfahrern überholt – das war ein groteskes Bild. So einen unglaublichen Verkehr gab es bei uns noch gar nicht. Im Osten sowieso nicht, und ich glaube auch nicht in Westdeutschland. Das hatte ich sicher auch im Kopf als ich mit den Prinzen das Lied „Mein Fahrrad“ geschrieben habe. Da heißt es: Nur Genießer fahren Fahrrad und sind immer schneller da. Heute trifft das genauso zu. Du bist in der Stadt immer schneller, beweglicher und flexibler als mit dem Auto.

Sie sind auch schon früher gern Fahrrad gefahren?
Auf jeden Fall. Gerade in meiner Zeit im Thomanerchor gehörte das zum guten Ton. Da ging es weniger darum, ein Wahnsinns-Bike zu haben, sondern eher darum, das Fahrrad zu bekleben oder einen coolen Rückspiegel
zu haben. Wir sind viel Fahrrad gefahren damals. Leipzig ist eine wirklich fahrradfreundliche Stadt.

Sie fahren auch Auto und kennen die Konflikte zwischen Radlern und Autofahrern. Wie kann man damit umgehen?
Ein Perspektivenwechsel ist immer ganz praktisch, gerade wenn man beide Seiten kennt. Einerseits bin ich manchmal total genervt von Radfahrern, wenn ich Auto fahre. Und dann bin ich aber auch als Radfahrer genervt von Autofahrern, die dir nach dem Motto ‚Der Stärkere gewinnt‘ brutal die Vorfahrt nehmen. Dann ist es gut, sich Gedanken zu machen: Was wäre, wenn ich jetzt auf dem Fahrrad oder jetzt im Auto sitzen würde? Da kann sich jeder an die eigene Nase fassen. Kämpfen auf der Straße bringt gar nichts, das ist nur Stress und zwar für alle Seiten. Jemanden mal freundlich anlächeln, jemanden vorbei winken oder reinlassen, ist für alle Seiten gut. Und es ist vor allen Dingen auch am Ende für den gut, der es selbst macht.

Ihr Lied „Mein Fahrrad“ könnte man heute schon als politisches Statement sehen. Hatten Sie diese Absicht?
Alles, was wir machen, ist in irgendeiner Weise politisch. Sich nicht einzumischen eben auch. In dem Lied kommt ja die Zeile vor: ‚Mein Fahrrad ist nicht braun, weil ich braun nicht leiden kann‘. Das war natürlich damals auch ein Statement gegen Nazis. Ich glaube, wenn man anfängt, politische Protestsongs zu schreiben, kann das schnell nach hinten losgehen. Ich versuche immer, mir eine Art Leichtigkeit zu bewahren. Am Ende sind wir Entertainer und dafür da, die Leute zu unterhalten. Mein Buch, das gerade erschienen ist, heißt ,Courage zeigen‘.. Da habe ich versucht zu reflektieren, dass in dem Wort Unterhaltung auch das Wort Haltung steckt. Für mich gehört das immer zusammen. Dass man, ohne zu moralisieren, trotzdem eine Haltung transportiert.

Haben Sie als Fahrradfahrer denn Wünsche an die Politik, wie es besser werden kann?
Natürlich kann ich mir wünschen, dass mehr Geld in den fahrradfreundlichen Ausbau von Städten gesteckt wird, wenn man beispielsweise vergleicht, dass ein Kilometer Autobahn Millionen kostet und ein Kilometer Fahrradstraße einen Bruchteil davon. Andererseits bin ich nicht der Typ, der immer nach der großen Politik schreit. Wir selbst können eine ganze Menge verändern. Wie wir darüber reden, wie wir miteinander umgehen. Wenn wir freundlich zueinander sind, haben wir schon einmal einen guten Anfang gemacht.

Interview: Friederike Meier

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