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Royale Hochzeit Wenn der Goldjunge heiratet

Blauer Lidschatten, ein herzliches Lachen und natürlich ein Hut als Markenzeichen – Evelyn Marie Seidel fährt zur royalen Hochzeit nach Windsor.

13.05.2018 11:22
Lady-Di-Fanclub fiebert royaler Hochzeit entgegen
Evelyn Marie Seidel, Gründerin des Lady-Di-Club. Foto: dpa

Aus der Wanduhr erklingt um Punkt neun Uhr die Big-Ben-Melodie, ein Dutzend schicker Hüte liegt auf dem Kleiderschrank und auf dem Beistelltisch stapeln sich Ausschnitte aus Zeitschriften mit Schlagzeilen und Fotos vom britischen Prinzen Harry und seiner Verlobten Meghan Markle. Evelyn Marie Seidels kleine Wohnung könnte ebenso gut in Großbritannien stehen. Die 68-jährige begeisterte Anhängerin des britischen Königshauses lebt aber im niedersächsischen Hameln. Dort hat sie vor zwanzig Jahren den „Lady Di Club“ gegründet, um das Andenken von Prinzessin Diana zu wahren. Natürlich wird auch bei Hochzeiten mitgejubelt.

Zwischen Teetassen mit Goldrand liegt im Clubraum schon goldene und silberne Wellpappe zum Basteln bereit. Zusammen mit anderen Clubmitgliedern bereitet sie ihren Gruß für Harry und Meghan vor. Aus der Pappe sollen Herzen werden, darauf kommt je ein Foto von der Braut und dem königlichen Bräutigam. „Harry kommt auf die goldene Seite, ist ja mein Goldjunge“, sagt Seidel und lacht herzlich.

Harry ist verrückter

Am Donnerstag, zwei Tage vor der Hochzeit, wird die lebensfrohe Seniorin von Dortmund nach London fliegen. Die Hochzeit von Williams Bruder ist für sie als langjährigen Fan etwas Besonderes. „Ich mag beide, aber ins Herz geschlossen habe ich eher Harry, weil er verrückter ist“, erklärt Seidel. Aber der 33-Jährige habe auch eine andere Rolle als William. Harry steht nach der Geburt des dritten Kindes von Kate und William nun an sechster Stelle der Thronfolge.

William ist sie sogar schon persönlich begegnet. „I love your hat!“ (dt. Ich liebe ihren Hut!), habe er ihr beim Besuch in Hamburg im Juli 2017 gesagt. Dabei schüttelte Dianas älterer Sohn ihr die Hand - ein unvergesslicher Moment für sie. „Es ist schade, dass Diana das alles nicht mehr miterlebt. Sie hat so tolle Söhne“, schwärmt Seidel. Gespannt ist Seidel auch, ob Meghan am Tag der Hochzeit etwas von Lady Di tragen wird. „Ich könnte mir vorstellen, dass sie ihre Tiara tragen darf“, überlegt Seidel laut. Schon in Meghans Verlobungsring sind Edelsteine eingearbeitet, die einst Diana gehörten. Auch auf das Brautkleid sei sie – wie wahrscheinlich alle – sehr gespannt.

Währenddessen tüftelt Evelyn Marie Seidel noch an ihrem eigenen Outfit für Windsor am 19. Mai. Wahrscheinlich werde es dieses dunkelblaue Kleid, sagt die Seniorin und zeigt auf das schicke Kleidungsstück. „Ich liebe einfach Blau“, gesteht Seidel, die neben ihrem Hobby auch noch als pädagogische Mitarbeiterin in einer Schule tätig ist. Nur die Hutfrage ist noch nicht geklärt. Zur Auswahl stehen ein schwarzes und ein dunkelblaues Exemplar – jeweils mit üppiger Krempe und künstlichen Blumen als Dekoration.

Wenn das frisch getraute Paar am Samstag nach der Trauung in der St.-Georgs-Kapelle die etwa drei Kilometer lange Kutschfahrt durch die kleine Stadt westlich von London macht, hofft Seidel einen Blick zu erhaschen. Dem Brautpaar will sie in Windsor zuwinken.

Begeisterung begann im Kindergarten

Unmöglich findet sie, dass die Briten immer versuchten, etwas Schlechtes zu finden. „Diese Unkerei ist auch bei Kate schon schlimm gewesen, und jetzt ist es mit Meghan genauso“, meint Seidel. Dass mit der 36 Jahre alten Schauspielerin wieder eine Bürgerliche in die Monarchie einheiratet, findet sie gut. „Die Frauen – Kate und Meghan - sind beide eigenständig“, betont die lebenserfahrene Dame.

Sie wünsche Meghan und Harry, dass sie bald Eltern werden, sagt Seidel, die selbst Mutter von zwei Kindern und bereits Oma ist. Harry habe schon immer gesagt, dass er gerne welche wolle. Auch Seidels Begeisterung für die britische Monarchie begann schon in Kindertagen. Damals reiste sie regelmäßig in die Nähe von London zur Familie ihrer Tante, die nach dem Krieg einen Engländer geheiratet hatte.

Statt Gänsehaut fällt ihr im Interview auf die Schnelle nur der englische Begriff „goose bumps“ ein. Seidel kann sich also gut mit ihren britischen Freuden und Bekannten unterhalten. Vor der Hochzeit übernachtet sie im Hotel einer Freundin in Windsor. Das stehe schon lange fest, erzählt sie. Die Preise für Unterkünfte explodierten schließlich kurz vor großen Veranstaltungen des Königshauses immer.

Das hübsche Städtchen Windsor wird zudem mit Sperren gesichert. „Kurz vorher kommt man mit dem Zug aus London dort gar nicht mehr hin“, beschreibt Seidel. Freunde von ihr wollten sich schon in der Nacht zu Samstag die besten Plätze sichern. „Ich denke, ich werde um acht Uhr morgens hingehen und einen Platz suchen.“ Am Tag vorher wolle sie ihre aus Bielefeld anreisende Freundin im Diana Café im Londoner Stadtteil Notting Hill treffen. Für Harrys Mutter Diana legt Seidel bei jedem Besuch auch eine Karte und Blumen am Kensington Palast ab. (dpa)

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