Lade Inhalte...

Pawel Durow Der russische Mark Zuckerberg

Der Mann, der dem amerikanischen Whistleblower Edward Snowden einen Job angeboten hat, steht in Russland selbst unter Druck.

Vermutlich haben sich ihre Wege längst gekreuzt, irgendwo im Nirgendwo des World Wide Web. Pawel Durow, 28, Gründer und Hauptanteilseigner von VKontakte (VK), dem russischen Pendant zu Facebook, und Edward Snowden, Whistleblower und bis Juni dieses Jahres externer Mitarbeiter des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA.

Eine Begegnung der beiden dürfte interessant werden, wenn die Paarung denn gelingt. Eine Einladung Durows hat Snowden bereits in den ersten Tagen seines Moskauer Asyls erhalten, verbunden mit einem Jobangebot. „Ich würde mich glücklich schätzen, wenn er sich dafür entscheidet, Teil eines herausragenden Teams von Programmierern bei VK zu werden“, schrieb Durow auf seiner Profilseite bei VK.

Der russische Mark Zuckerberg – Pawel Durow lässt sich nur ungern so nennen. Als ihn der New Yorker Bürochef des Economist, Matthew Bishop, 2012 fragte, ob ihn Zuckerberg bei der Gründung seines Unternehmens inspiriert habe, antwortete ihm ein sehr selbstbewusster, leicht indignierter junger Mann: „Ich habe etwas früher begonnen …“

Zahlreiche Parallelen

Tatsächlich weisen ihre Biografien eine Reihe Parallelen auf. Beide sind Jahrgang 1984, beide studierten an den renommierten Universitäten ihres Landes, in Harvard der eine, an der Staatlichen Universität St. Petersburg der andere. Und beide gründeten während ihres Studiums soziale Netzwerke, aus denen milliardenschwere Unternehmen hervorgingen. Zwei Milchgesichter, die für den Rest ihres Lebens ausgesorgt haben. Denkt man.

Für Zuckerberg mag das zutreffen. Pawel Durow dagegen werden die Karten gerade neu gelegt. Mit inzwischen 100 Millionen aktiven Nutzern ist sein Netzwerk VK dem Kreml zu einflussreich geworden. Als sich im Dezember 2011 Tausende in Moskau und anderen Großstädten Russland zu Protestmärschen versammelten, geriet VKontakte (deutsch: in Kontakt) ins Visier der Staatsmacht. Die junge, städtische Elite, die hier demonstrierte, hatte sich über VK zu Kundgebungen verabredet. Der russische Geheimdienst forderte Durow auf, sieben Gruppen bei VK zu schließen – ohne Erfolg.

Dann folgten Versuche einer feindlichen Übernahme. Zunächst hieß es, Durow habe einen Autounfall verursacht und Fahrerflucht begangen. Es folgte eine Hausdurchsuchung in der St. Petersburger Zentrale von VK. Durow zog es vor, das Land zu verlassen. Als er weg war, verkauften zwei seiner Kompagnons ihre Anteile an VK an einen Investmentfonds, der dem Kreml nahestehen soll. Als ein weiterer Investor den Rest kaufen wollte, antwortete Durow mit einem Foto, das seinen Mittelfinger in Großaufnahme zeigt. Der Kaufversuch misslang – vorerst. Inzwischen soll Durow wieder in Russland sein.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen