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Papst gegen Titanic Der lange Arm des Vatikan

Der Papst fordert eine Unterlassungserklärung vom Satiremagazin „Titanic“, das ihn auf dem aktuellen Titelbild mit einem großen gelben Fleck auf der Soutane zeigt.

10.07.2012 15:37
Ralf Mielke
Papst Benedikt XVI. fordert das Satiremagazin „Titanic“ zu einer Unterlassungserklärung auf. Foto: dapd

Der Papst fordert eine Unterlassungserklärung vom Satiremagazin „Titanic“, das ihn auf dem aktuellen Titelbild mit einem großen gelben Fleck auf der Soutane zeigt.

Der lange Arm des Vatikan, er reicht bekanntlich bis in den hintersten Winkel der Welt und also auch bis Frankfurt am Main. Dort hat das Satiremagazin Titanic seinen Sitz – und nicht gerade selten Ideen, die den Hütern des rechten Glaubens in Rom gewaltig gegen den Strich gehen. So wie jene in der aktuellen Ausgabe, in der sich das Magazin des Skandals um das sogenannte Vatileaks annimmt. Bekanntlich waren erst vor kurzem geheime Informationen aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit durchgesickert. Wobei „durchgesickert“ ein Begriff ist, der womöglich auch den Titanic-Redakteuren in diesem Zusammenhang durch den Kopf gerauscht ist.

Denn auf der Titelseite des aktuellen Heftes jubelt die Zeitschrift „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden“ und zeigt Papst Benedikt XVI. mit ausgebreiteten Armen einem – hineinmontierten – gelben Fleck auf seiner Soutane. Auf der Rückseite frohlockt das Magazin weiter: „Noch eine undichte Stelle gefunden“. Welche  Illustration den Titanicern dazu einfiel, das ist nun nicht mehr allzu schwer  nachzuempfinden.

Der Papst sah darin seine Persönlichkeitsrechte verletzt – der lange Arm des Vatikan streckte seine Hand nach der Titanic aus. Im Auftrag von Benedikt XVI. verlangte ein Bonner Rechtsanwalt eine Unterlassungsverpflichtung von dem magazin und  beantragte eine einstweilige Verfügung. Dem Antrag gab am Dienstagnachmittag das Landgericht Hamburg statt. Die Titanic darf ihre aktuelle Ausgabe mit der besagten Vorder- und Rückseite nicht mehr verbreiten. Allerdings müssten die bereits ausgelieferten Exemplare nicht zurückgeholt werden, entschied das Gericht. "Titanic" zog am Dienstagabend den umstrittenen Titel zurück.

Es hat sich erst eine Person beschwert

Ein glatter Sieg also für den Papst? Eher nicht. Denn wie meistens in solchen Fällen erhält die Titanic nun mehr Aufmerksamkeit für das verbotene Heft, als sich die Macher je hätten träumen lassen. Und sie nutzen das geschickt für weitere Publicity, indem sie sich als verfolgte Unschuld gerieren. Chefredakteur Leo Fischer sagte, der Titel zeige doch bloß einen Papst, der nach Aufklärung der Spitzelaffäre „Vatileaks“ feiert und im Überschwang „ein Glas Limonade“ über seine Soutane verschüttet habe. Er setze darauf, das Missverständnis in einem Gespräch mit dem Papst ausräumen zu können. Dazu wird es selbstverständlich nicht kommen.

In der einstweiligen Verfügung werde ein Ordnungsgeld von 250 000 Euro angedroht, sagte Fischer. Das Magazin hoffe immer noch auf eine Einigung mit Benedikt XVI. Sollte sie nicht zustande kommen, werde das Heft möglicherweise ohne Titel verkauft. Im Internet wurden die Seiten bereits geschwärzt.

Warum der Papst ausgerechnet gegen dieses Titelbild vorgeht, dessen Humorniveau nur schwer unterschritten werden dürfte, ist angesichts vorheriger, viel intelligenterer Angriffe des Magazins rätselhaft. Für die katholische Kirche barg zum Beispiel ein Cover zum Missbrauchsskandal viel  größere Brisanz. Vor zwei Jahren hatte die Titanic einen Geistlichen gezeigt, der vor Jesus am Kreuz kniet, der im Gesicht dunkelrot angelaufen ist. Damals gingen beim Deutschen Presserat 200 Beschwerden ein. In dem aktuellen Fall hat sich bisher erst eine Person beschwert.

Und  außerdem Thomas Goppel, Sprecher der Christsozialen Katholiken (CSK) in der CSU. Er würde dem Titanic-Chef am liebsten die Lizenz zum Schreiben entziehen, echauffierte er sich. Abgesehen davon, dass das glücklicherweise nicht mehr geht in Deutschland – Meinungsfreiheit! –, ist diese Aussage Ritterschlag für jeden Satiriker. (mit dpa)

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