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Otto Waalkes Ein Holladihiti auf Susi Sorglos

Am Sonntag wird Otto Waalkes 70 Jahre alt, der Mann, der seine eigenen Witze zu überholen versteht. Vier Würdigungen.

Otto Walkes
Otto Waalkes im Alter von 24 Jahren während einer Aufzeichnung seiner "Otto-Show". Foto: dpa

Holladihiti

Es muss 1995 gewesen sein, als ich mit Otto in einem Hotelzimmer verabredet war. Er ging mal wieder auf Tournee und wollte Werbung für sich machen. Seine große Zeit war vorbei, der Name „Otto“ allein zog nicht mehr. Ich hatte mich also gut vorbereitet und die alten Sketche auf CD gehört, damals gab es noch kein Youtube. Meine Fragen folgten einer gewissen Dramaturgie, dachte ich. Ich wollte keinen Fehler machen, es war immerhin Otto! Dann kam er in den Raum und war tatsächlich Otto. Nicht Otto Waalkes, sondern OTTO. 

Holladihiti. Mein Konzept löste sich in diesem Moment in einem Schwall von Satzfetzen und Wortkaskaden auf. Es ist mir nicht gelungen, nur eine Antwort auf meine zirka zwanzig Fragen zu bekommen. Das Interview ist nie erschienen. (Frank Junghänel)

Mann der Stunde

An zwei Komiker kann ich mich aus meiner westdeutschen Fernsehkindheit erinnern. Der eine war Didi Hallervorden. Der andere war natürlich Otto. Doch während mein Gesicht bei ersterem schon im Kindesalter ängstlich erstarrte, war „der Außerfriesische“ immer eine große Sache für mich. Sein keckerndes Lachen war ansteckend und sein kalauernder Humor war, auch wenn ich manche Anspielung nicht verstand, auch auf einer Welle mit dem Humor, der Heranwachsenden zu eigen ist. Ich hegte die wärmsten Gefühle für Otto, es ging eine anarchistische Grundfröhlichkeit und Respektlosigkeit von ihm aus, die ich als Kind einfach umwerfend fand. Das war in Zeiten, in denen Peter Frankenfeld als komisch und die tutige Disco-Witzelmaschine Ilja Richter als lustig galten. Otto indes war erfrischend und wirklich lustig. Nichts an ihm schien noch in den Fünfzigern verhaftet, obwohl viel von ihm an Heinz Erhardt erinnerte und wohl auch von dem großen Komiker beeinflusst war.

Und wie dieser ebnete auch Otto den Weg für andere, ohne ihn wäre etwa ein Helge Schneider kaum denkbar. Ottos Humor war irgendwie surreal, gleichzeitig volkstümlich, ohne bieder zu sein. „Ich möchte ein Lied für katholische Mädchen vortragen. Es handelt von der Pille, die dreieinhalb Tonne wiegt. Die können sie vor ihre Schlafzimmertür schieben“, kündigte Otto in den 70ern einen Song in seiner Fernsehshow an. Heute mag das wenig aufregend klingen, vor Jahrzehnte war das frech und frivol und Otto für viele Jahre der Mann der Stunde, wenn es im deutschen Fernsehen um Humor ging. Und darum ging es in meiner Erinnerung nicht sehr oft. (Marcus Weingärtner)

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