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Otto Waalkes Ein Holladihiti auf Susi Sorglos

Am Sonntag wird Otto Waalkes 70 Jahre alt, der Mann, der seine eigenen Witze zu überholen versteht. Vier Würdigungen.

Otto Walkes
Otto Waalkes im Alter von 24 Jahren während einer Aufzeichnung seiner "Otto-Show". Foto: dpa

Die Zwillingsschwestern

Das Eindrücklichste an den Otto-Shows waren für mich als Kind in den 70ern seine Frauenfiguren: Susi Sorglos mit dem verwunschenen Föhn, Frau Mümmelmann mit der bretthart gesprayten Ponyfrisur oder natürlich die Ehefrau, die mit der Gasmaske vor ihrem im Sessel sitzenden Mann steht und ihn fragt, ob ihm an ihr etwas auffällt. Als unerschrockener Crossdresser warf sich Otto in alle Figuren seiner gespielten Witze, und sein quäkend zotiger, hemmungslos regressiver Radikalverzicht auf jede Ähnlichkeit mit ernstzunehmenden Personen machte zwischen den Geschlechtern keinen Unterschied. Wie auch sein Styling außerhalb konkreter Rollen aus heutiger Sicht durchaus etwas Androgynes hatte.

Sein Geblödel war, soweit es Frauenparts einbezog, durchaus auf dem Humus der gezeichneten Hausfrauen- und Sekretärinnenwitze der 60er und 70er Jahre gewachsen, nur dass seine Frauen nicht schwarzgelockt und dickbusig waren, sondern optisch und im Geiste die Zwillingsschwestern ihrer männlichen Mitfiguren. Beiden wurde von der Welt der Dinge eingeheizt, dem sprechenden Föhn, dem flüsternden Kaffee, dem kratzenden Pulli – und die Anarchie bestand darin, dass sie sich ihnen scheinbar bedingungslos unterwarfen.

Otto dafür einen Feministen zu nennen, wäre sicher überzogen. Aber es gab da immerhin so etwas wie eine ästhetische Neutralität vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Rollenzuschreibungen. Was er Anfang des Jahres, in einem Interview auf die MeToo-Debatte, folgendermaßen auf den Punkt brachte: „Finger weg von Frauen, die einfach nur ihre Arbeit machen wollen. Wer eine Frau anfassen will, soll sie gefälligst heiraten.“ Was nur bedingt fortschrittlich ist, aber in jedem Fall fair. (Petra Kohse)

Ohne Nachnamen

Die früheste Erinnerung, die ich an Otto Waalkes habe, geht zurück in die Zeit, als er noch ohne Nachnamen auskam. Otto war zunächst ein akustisches Phänomen, eine Otto-LP wurde unter uns Schülern weitergereicht wie das neueste Album der Progressive-Rock-Band Yes. Progressive-Rock hieß damals noch nicht so, und Otto kam ganz ohne Gattungsbezeichnung daher. Er hatte bei seinen Auftritten zwar eine Gitarre dabei, aber die erste Irritation bestand schon darin, dass er nicht wirklich Musik machte. Der Erfolg bei uns Schülern war indes ein verlässliches Indiz. Die LP „Otto“, die 1972 unter dem Eigen-Label Rüssl-Räckords erschienen war, verkaufte sich binnen kurzer Zeit mehr als 500 000 Mal.

Es blieb uns bei der Entdeckung des Geheimtipps Otto nicht verborgen, dass er deutlich in der Tradition von Heinz Erhardt stand. Ein Gedicht wie die Parodie über den König Erl hätte auch in dessen Sammlung „Noch ’n Gedicht“ stehen können. „Wer reitet so spät durch Wind und Nacht?/Es ist der Vater. Es ist gleich acht./Den Knaben er im Arm wohl hält./Er reitet schnell, denn der ist erkält’.“ Am Ende lebt das Kind, das Pferd ist tot. Lustig? Na, ja. 

Ottos Geheimnis war sein Tempo, mit dem er die Wirkung des Witzes gewissermaßen überholte. Reime, die Pennäler witzig finden, aber kaum, dass sie gesagt sind, schon wieder aus dem Kurzzeitgedächtnis gestrichen werden können. Sprachspiele natürlich auch. Zum Beispiel die mit Hall ins Mikrofon gehauchte Stimme, die mehrmals drohend ruft: „I am the Viper“ und dann mit der Pointe reüssiert: „I have come to wipe your window.“ Die Horrorangst löst sich auf in die Profanität des Alltags. Und natürlich wimmelte es nur so vor sexuellen Anspielungen, die eher infantiler Natur waren und beispielsweise von der Entstehung des Tarzan-Rufes handelten, der daraus resultierte, dass Jane nach der Liane griff. Aua. 

Wie auch immer. Es scheint sehr für Otto Waalkes zu sprechen, dass man derlei Quatsch auch nach bald 50 Jahren noch erinnert. Das kulturelle Gedächtnis sammelt nicht nach Qualitätsmerkmalen. (Harry Nutt)

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