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Liam Neeson "Nichts für Schlappschwänze"

Mit fast 60 Jahren ist Schauspieler Liam Neeson gefragt wie nie. Im Interview spricht er über echte Männer, das Älterwerden und zähes Wolfsfleisch.

18.04.2012 17:40
Der nordirische Schauspieler Liam Neeson. Foto: dapd

Mit fast 60 Jahren ist Schauspieler Liam Neeson gefragt wie nie. Im Interview spricht er über echte Männer, das Älterwerden und zähes Wolfsfleisch.

Liam Neeson ist wie guter Wein: Je älter er wird, desto besser ist er. In den vergangenen Jahren war der fast 60-Jährige so gefragt wie nie zuvor. Es hat lange gedauert, bis die Hollywood-Regisseure sein Talent erkannt haben. Jetzt ist er ein gefragter Mann. Zurzeit ist der Ire gleich in zwei Filmen zu sehen: „Battleship“ und „The Grey – Unter Wölfen“.

Ihre neuen Filme könnten unterschiedlicher nicht sein: „Battleship“ ist ein Multimillionen-Dollar Fantasy-Spektakel und „The Grey – Unter Wölfen“ ein karger Survival-Action-Thriller mit Independent-Budget.

Ich habe eben einen eklektischen Geschmack. Ich spiele gern in unterschiedlichen Filmen mit – das gibt mir die Möglichkeit, verschiedene Schauspiel-Muskeln zu trainieren. Bei „Battleship“ war das leicht. Da hatte ich nur eine knappe Woche zu tun und musste meist nur sehr grimmig dreinschauen und ein Homer-Zitat aufsagen. „The Grey – Unter Wölfen“ war da schon ein anderes Kaliber.

Da haben Sie wochenlang im eiskalten Kanada bei minus 45 Grad gedreht.

Ab und zu muss ich eben meine ,comfort zone‘ verlassen. Ich wollte mir – mit Ende 50 – einfach beweisen, dass ich es physisch noch bringe. Und es war wirklich verdammt kalt. Manchmal hatte ich das Gefühl, mein Gehirn wäre vereist; ich war außerstande meinen Text aufzusagen, weil meine Kieferknochen wie festgefroren waren. Zum Glück hat sich unter uns Schauspielern sehr schnell eine Kameradschaft entwickelt, die fast lebenswichtig war. Wenn einer nicht mehr konnte, haben ihn die anderen mitgezogen. Es war wirklich extrem – und herrlich.

Klingt fast so, als waren diese Dreharbeiten der Lackmus-Test für echte Männer.

Das war nichts für Schlappschwänze. Da ging es um den primären Überlebenswillen, auch ohne echte Wolf-Attacken. Das war – gerade für Hollywood-Schauspieler – sehr charakterbildend. Es gab keine Starallüren oder Diva-Gehabe. Wir waren Männer, die ihren Job machten – und nicht Kino-Held spielten.

Hat sich das Bild der Action-Helden in den letzten Jahren sehr gewandelt?

Eigentlich schon. Die Tage der Arnold-Schwarzenegger-Action-Helden sind zum Glück gezählt. Der moderne Held von heute ist eher gebrochen und zeigt mehr Gefühl. Das hat auch mit dem veränderten Männer-Bild zu tun.

Wie sieht denn Ihr Männer-Bild konkret aus?

Ein Mann sollte sich selbst treubleiben und Verantwortung übernehmen. Gerade auch dann, wenn es schwierig wird. Ich kann von mir behaupten, dass ich immer meinen Mann gestanden habe, was für mich vor allem beruflich nicht immer nur vorteilhaft war – im Gegenteil. Aber ich kann nun mal nicht über meinen Schatten springen. Bei mir weiß jeder gleich, woran er ist. Und letztlich trennt man so ziemlich schnell die Spreu vom Weizen.

Wie haben sich Ihre Prioritäten im Lauf Ihres Lebens verändert?

Heute bin ich in erster Linie Vater für meine beiden Söhne. Das ist ein echter Fulltime-Job. Ich will ihnen nach bestem Wissen und Gewissen dabei helfen, einen guten Start ins Leben zu bekommen. Damit sie einmal stolz und zuversichtlich auf eigenen Beinen stehen können. Nach dem Tod meiner Frau (die Schauspielerin Natasha Richardson kam 2009 bei einem Skiunfall ums Leben, Anm. d. Red.) habe ich die alleinige Verantwortung für sie. Früher habe ich mich intensiver um meine Karriere gekümmert, aber die Menschen in meinem Leben waren mir schon immer am Wichtigsten.

Ein echter Luxus in Hollywood – oder etwa nicht?

Das mag schon sein, aber den leiste ich mir ganz bewusst. Wissen Sie, ich komme aus einer kleinen Stadt in Nordirland. Da waren die Aussichten alles andere als rosig. Religionsbedingte Krawalle und Schießereien waren fast an der Tagesordnung. Um die berufliche Zukunft war es eher schlecht bestellt. Was zählte, waren die Eltern, Freunde und Verwandte. Auf die konnte man sich verlassen. Die – und nur die – haben einem geholfen, wenn man in Not war. Das hat mich geprägt.

Sie wollten mit 15 Profi-Boxer werden. Warum haben Sie diesen Karriereplan aufgegeben?

Ich war gar nicht mal so schlecht als Boxer. Aber dann hat mir ein Gegner im Ring die Nase gebrochen. Da war die Sache für mich gelaufen. Anfang 20 habe ich mich einer Theatergruppe in Belfast und später in Dublin angeschlossen. Als ich gesehen habe, dass ich schauspielern kann, bin ich einfach dabeigeblieben.

Sie wurden sehr erfolgreich. Wie übersteht man 30 Jahre Filmbusiness weitestgehend unkorrumpiert?

Mit viel Glück – und einer gewissen Arbeits-Ethik. Ich war nie versessen darauf, Karriere zu machen. Oder reich zu werden. Ich wollte von der Schauspielerei leben. Mehr nicht. Ich glaube, das hat mir geholfen. Gier ist immer kontraproduktiv. Das sehen wir ja gerade auch auf sehr abstoßende Art und Weise in der Politik und im Finanzwesen.

Sie wirken sehr konzentriert und kontrolliert. Was war denn die größte Dummheit, die Sie in letzter Zeit gemacht haben?

Es war vielleicht nicht ganz so klug, dass ich öffentlich gesagt habe, dass ich während der Dreharbeiten zu „The Grey – Unter Wölfen“ mal eine Art Eintopf aus Wolfsfleisch gegessen habe. Das hat ein paar Tierschützer fürchterlich aufgeregt. Dabei hat das Fleisch nicht mal gut geschmeckt, sondern war ziemlich zäh. Und das sage ich als Ire, der sich mit Eintöpfen wahrlich auskennt. Wir werfen gewöhnlich ein paar Zwiebeln, Karotten und Fleischbrocken ins kochende Wasser – und fertig ist das Abendessen.

Das Interview führte Ulrich Lössl.

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