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Ken Follett „Jeder von uns möchte sich in einer anderen Welt verlieren“

Bestseller-Autor Ken Follett über den Spaß am Zeitreisen, seine Arbeit als Lokalreporter und das Erfolgsrezept seiner Romane.

Ken Follett
Der Autor Ken Follett. Foto: Olivier Favre

Wie unterscheiden sich die Recherchen für einen historischen von denen für einen Gegenwartsroman?
In einem ganz entscheidenden Punkt: Sie können niemanden mehr fragen. Bei den Recherchen für meine Jahrhundert-Trilogie habe ich mit zahlreichen Zeitzeugen gesprochen, die mir von ihren Erlebnissen im Krieg erzählt haben. Einige meiner fiktiven Charaktere basieren auf realen Personen. Das fällt bei einem Roman, der im 16. Jahrhundert spielt, natürlich weg.

Wie können Sie sicher sein, dass Ihre Darstellung stimmt?
Wenn ich den ersten Romanentwurf fertig habe, lasse ich ihn von einem Historiker oder gegebenenfalls von einem Kriminalbeamten gegenchecken. Selbstverständlich bezahle ich die Leute für ihre Arbeit, denn sie müssen den Text extrem gründlich lesen, damit ihnen möglichst kein Fehler entgeht.

Sie haben einige Jahre als Reporter gearbeitet: Hilft Ihnen diese Erfahrung beim Schreiben Ihrer Romane?
In gewisser Hinsicht ja. Ich war fünf Jahre lang gezwungen, jeden Tag etwas zu Papier zu bringen. Das trainiert enorm, und davon profitiere ich bis heute. Andererseits unterscheidet sich ein Zeitungsartikel fundamental von einem Roman. Ich musste also erst einmal verlernen, wie ein Journalist zu schreiben. Meine ersten Bücher waren dementsprechend kurz. Es hat eine Weile gedauert, ehe ich den Mut zu epischer Breite hatte.

Was befriedigt Sie mehr: Die Recherche oder das Schreiben?
Meine eigentliche Leidenschaft ist das Schreiben, das Zusammenfügen der vielen Details zu einer großen Geschichte. Ich schreibe zunächst eine Art Story-Board, eine bis zu 70 Seiten starke Kurzfassung des Romans, und arbeite mich dann Kapitel für Kapitel Richtung Ende. Sonst würde ich bei einem so umfangreichen Werk wie „Das Fundament der Ewigkeit“ den Überblick verlieren.

Viele Ihrer Bücher spielen in der Vergangenheit. Interessiert Sie die Vergangenheit mehr als die Gegenwart oder die Zukunft?
Ich vermute, dass das ist in der Tat so ist. Ich finde es faszinierend, Menschen zu studieren, die im Wesentlichen genau so sind wie wir selber, deren Lebensbedingungen aber komplett andere sind. Ich glaube, dass das auch meinen Lesern gefällt: einzutauchen in eine Zeit, in der man völlig anders lebte als wir das heute tun.

Und warum reisen Sie nicht mal in die Zukunft?
Das könnte schwierig werden mangels ausreichender Informationen. Aber vielleicht schreibe ich eines Tages ja wirklich einen Science Fiction-Roman.

Was ist für Sie die größte Herausforderung der Gegenwart?
In gewisser Weise ist es die gleiche Herausforderung wie seit Menschengedenken: in Frieden zusammenzuleben. Damals wie heute bemühen wir uns, freundschaftliche Beziehungen zu unseren Nachbarn zu pflegen und miteinander auszukommen.

Was uns beileibe nicht immer gelingt.
Seien Sie nicht so pessimistisch. Ich denke, wir haben bereits große Fortschritte gemacht. Katholiken und Protestanten bringen sich nicht mehr gegenseitig um. Sklaverei existiert zwar noch, ist aber in den meisten Ländern verboten. Das ist ein enormer Fortschritt. Natürlich ist unsere Welt nicht perfekt. Wir leben nicht im Paradies, aber wir sind auf einem guten Weg.

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