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Ken Follett „Jeder von uns möchte sich in einer anderen Welt verlieren“

Bestseller-Autor Ken Follett über den Spaß am Zeitreisen, seine Arbeit als Lokalreporter und das Erfolgsrezept seiner Romane.

Ken Follett
Der Autor Ken Follett. Foto: Olivier Favre

Ken Follett hat die Beine lässig übereinander geschlagen. Das weiße Hemd steht am Hals offen, die Füße stecken in nadelspitzen Schuhen. Vor ihm liegt sein neuer Roman „Das Fundament der Ewigkeit“, der im 16. Jahrhundert spielt. Wir sitzen im Balmoral Hotel im schottischen Edinburgh, dem ersten Haus am Platz. Vor den Fenstern rauscht der Verkehr.

Willkommen zurück im 21. Jahrhundert. Wie fühlen Sie sich in der Moderne?
Danke der Nachfrage, ganz ausgezeichnet. Ich ziehe das 21. eindeutig jedem anderen Jahrhundert vor.

Warum?
Unser Leben ist vergleichsweise bequem. Die Häuser sind geheizt, überall ist es schön warm. Denken Sie nur an diese zugigen Burgen, wo es im Winter durch jede Ritze pfiff und es nur einen Kamin gab.

Was würden Sie – außer einer Zentralheizung – am meisten vermissen, wenn es Sie in die Vergangenheit verschlüge?
Definitiv Bequemlichkeit. Bequeme Sessel, bequeme Betten. Bequeme Fortbewegungsmittel. Ich habe schon einmal auf einem Pferd gesessen, und ich weiß, was das bedeutet. Dann all die anderen Errungenschaften unserer Zivilisation: Kleidung, die nicht kratzt, Fernsehen, Kino, Rock’n’ Roll.

Sie tanzen Rock’n’ Roll?
Nein, ich spiele seit 25 Jahren Bassgitarre in einer Blues-Band. Wir treffen uns jeden Montag in einem Studio. Manchmal treten wir auch öffentlich auf Partys oder bei Wohltätigkeitsveranstaltungen auf. Aber meist spielen wir nur zu unserem eigenen Vergnügen. Ja, auch das würde ich vermissen

Ihr aktueller Roman spielt im England und Frankreich des ausgehenden 16. Jahrhunderts, der Zeit der blutigen Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten. Zwischen den Fronten: Ned Willard, ein Spion der englischen Königin. Was hat Sie an dieser Epoche gereizt?
Ich hatte irgendwo gelesen, dass in der Zeit von Elisabeth I. der erste englische Geheimdienst gegründet wurde. Ich fand das sehr spannend und wollte mehr darüber wissen. Der Secret Service hatte mich schon immer interessiert. Als Jugendlicher habe ich sämtliche James-Bond-Romane verschlungen. Spione sind diejenigen, die wissen, was hinter den Kulissen vorgeht, und das finde ich faszinierend. Also fing ich an, mich mit der Geschichte des 16. Jahrhunderts zu beschäftigen und stellte schnell fest, dass sich daraus einen gute Story machen lässt.

Ein zentrales Thema ist der Kampf um die religiöse Freiheit in Europa: Katholiken gegen Protestanten und umgekehrt. 500 Jahre später wollen islamistische Fanatiker die christliche Welt islamisieren.
Auch deswegen wollte ich diesen Roman schreiben. Um die Parallelen zwischen den religiösen Konflikten des 16. und des 21. Jahrhunderts zu zeigen. Auch damals wurde mit allen Mitteln für den „richtigen“, den allein seligmachenden Glauben gekämpft. Religiöse Fanatiker verübten im Namen des Herrn Terroranschläge. Genau wie heute wieder. Und dennoch gab es einige wenige Menschen wie Elisabeth I., Katharina von Medici oder Königin Margarete von Navarra, die sich für religiöse Toleranz einsetzten. Wenn auch mit sehr geringem Erfolg.

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