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Josh Brolin „Hollywood kann grausam sein“

Josh Brolin spielt im neuen Film "Gangster Squad" an der Seite von Sean Penn, Emma Stone und Ryan Gosling. Im Interview spricht er über seine späte Karriere, seinen berühmten Vater und Barbra Streisand - seine Stiefmutter.

21.01.2013 16:07
Ist aus dem Schatten seines Vaters getreten: Josh Brolin. Foto: dpa

Josh Brolin spielt im neuen Film "Gangster Squad" an der Seite von Sean Penn, Emma Stone und Ryan Gosling. Im Interview spricht er über seine späte Karriere, seinen berühmten Vater und Barbra Streisand - seine Stiefmutter.

Zum Interview im Ritz Carlton in Cancún erscheint Josh Brolin betont lässig im blauen Sommeranzug mit weißem Hemd – die oberen drei Knopflöcher sind nicht geschlossen. Im Gespräch lacht er viel und gestikuliert gern. Manchmal steht er sogar auf, um seinen Worten – wie auf einer Theaterbühne – den nötigen Resonanzraum zu geben. Dabei wirkt er aber nie affektiert, genauso wenig wie jener geradlinigen Polizist John O’Mara, den er in seinem neuesten Film „Gangster Squad“ spielt.

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb man Sie in Hollywood erst mit 40 Jahren so richtig zu schätzen lernte?

Ehrlich gesagt nicht. Denn eigentlich bin ich schon seit meinen Teenager-Tagen regelmäßig im amerikanischen Fernsehen und Film zugange. Bis man mich als Charakterdarsteller wahrgenommen hat, war es aber nicht nur ein langer, sondern auch sehr steiniger Weg.

Wie meinen Sie das genau?

Anfangs stand ich jahrelang im Schatten meines Vaters, dem Hollywood-Schauspieler James Brolin. Und als ich mich dann so langsam freigespielt hatte, hielten mich viele im Filmbusiness für ein schauspielerisches Leichtgewicht. Ich werde nie vergessen, wie ein berühmter Schauspielkollege mich erst vor ein paar Monaten ganz ernsthaft fragte: „Wie fühlt es sich denn an, im Alter endlich A-Qualitäts-Rollen zu spielen und nicht wie früher C- oder D-Rollen?“ Das hat mich ziemlich getroffen, denn ich dachte eigentlich, dass ich auch früher gute Qualität abgeliefert hatte.

Aber dann haben sich plötzlich Top-Hollywood-Regisseure um Sie gerissen: Ridley Scott wollte mit Ihnen arbeiten, auch Oliver Stone und die Coen-Brüder …

… was ich vielleicht dann doch Quentin Tarantino und Robert Rodriguez zu verdanken habe, die mich vor sechs Jahren in „Planet Terror“ besetzt haben.

Quentin Tarantino hat ja vielen Schauspielern geholfen: von John Travolta in „Pulp Fiction“ bis Christoph Waltz in „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“…

... und mir hat er geholfen, die Rolle in „No Country for Old Men“ zu kriegen. Dafür hatte ich mich nämlich bei den Coens mit einem Video beworben, das von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino geschrieben, gefilmt, geschnitten und vertont worden war. Danach ging es mit meiner Karriere auch gleich ein gutes Stück voran.

Was ist das Schönste an Ihrem Karriereschub? Die höheren Gagen? Die Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller?

All das – und vieles mehr. Ich bekomme in letzter Zeit auch viel bessere Rollen angeboten. Aber das Schönste ist, dass ich jetzt mit Regisseuren und Schauspielern zusammenarbeiten kann, die ich schon lange bewundere.

Sie sind seit Jahrzehnten im Geschäft. Was fasziniert Sie beim Filmemachen am meisten?

Wenn jemand eine gute Geschichte gut erzählt. Davon lasse ich mich nach wie vor begeistern. Ich bin süchtig nach guten Geschichten. Und ehrlich gesagt: Es ist mir völlig egal, ob mir jemand eine packende Story am Lagerfeuer oder in einem 100 Millionen Dollar teuren Film erzählt.

Was hat Ihnen denn auf Ihrem steinigen Weg denn geholfen und was hat Sie vielleicht auch behindert?

Geholfen hat mir mein Durchhaltevermögen, meine Geduld und dass ich es all die Jahre geschafft habe, den Glauben an mich selbst nicht zu verlieren.

Und was war nicht förderlich?

Dass ich keinen Hehl daraus gemacht habe, wie sehr ich den Hollywood-Lifestyle verachte.

Was verstehen Sie unter Hollywood-Lifestyle?

Was mich abstößt, ist wenn sogenannte Stars ihren Ruhm und Reichtum geradezu obszön zur Schau stellen. Außerdem ist mir auch das oberflächliche Getue ein Gräuel. Hast du einen Kinohit, dann bist du sehr schnell Everybody’s Darling. Aber wehe, dein Stern beginnt zu sinken – dann kennen dich dieselben Leute plötzlich nicht mehr. Genau das ist mir bei meinem Flop „Jonah Hex“ passiert. Danach stand mein Telefon ein halbes Jahr still. Ich dachte, das wäre das Ende.

Wer hilft Ihnen denn über solche Krisen hinweg?

Meine Familie, mein wunderbare Frau Diane Lane. Als Schauspielerin kennt sie die Unwägbarkeiten des Filmgeschäfts aus eigener Erfahrung. Natürlich habe ich die – als Sohn eines Schauspielerehepaars – schon in meiner Kindheit mitbekommen. Ich habe im Laufe der Zeit viele große Stars kommen und gehen sehen. Deshalb habe ich auch eine Höllenangst, dass auch ich einmal weg vom Fenster sein könnte. Und zwar für immer.

Was sagte Ihr Vater zu den Ängsten seines Sohnes?

Nichts. Er hat mir vor vielen Jahren geraten: „Werde bloß kein Schauspieler!“ Natürlich habe ich nicht auf ihn gehört. Seitdem hält er sich aus meinem Leben heraus.

Ihr Vater hat vor 15 Jahren Superstar Barbra Streisand geheiratet. Wie kommen Sie damit klar?

Gut. Barbra war sehr gut für meinen Vater. Bevor sie zusammen waren, war er ein einsamer, verbitterter Mann. Sie hat ihm wieder Lebensfreude gegeben.

Singt Mrs. Streisand eigentlich bei Familienfeiern – nur so zum Spaß?

Nein, sie singt nie nur so zum Spaß. Mein Vater hat mir erzählt, dass er sich mal ins Bad geschlichen hat, um sie unter der Dusche singen zu hören. Fehlanzeige.

Sagen Sie eigentlich Stief-Mom zu ihr?

Dafür bin ich wohl ein bisschen zu alt.

Das Interview führte Ulrich Lössl.

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