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Golden Globes Jodie Foster kommt aus sich heraus

Die Golden Globes sind normalerweise nur das Warmlaufen der Filmstars und -sternchen für die Oscars. Doch mit ihrer Rede über ihre Homosexualität hat Schauspielerin Jodie Foster der Nacht ihren eigenen Stempel aufgedrückt.

Gut sechs Minuten dauerte Fosters mitreißende Rede bei den Golden Globes. Foto: REUTERS

Für die übrigen Gewinner interessierte sich hinterher niemand mehr so richtig. Ben Affleck, Daniel Day-Lewis, Anne Hathaway? Geschenkt. Der Star der Golden Globes ist eine 50-Jährige Schauspielerin, die bereits alle Preise gewonnen hat - und die mit ihrer ergreifenden Dankesrede die langweilige Verleihung des Preises für ihr Lebenswerk zum spannendsten Auftritt des Abends machte: Jodie Foster.

Jahrelang war offen über die Homosexualität des Stars spekuliert worden, doch öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannt hatte sich die zweifache Oscar-Gewinnerin nicht - bis zu diesem Sonntagabend. Dabei hatte sie ihre Rede ganz normal begonnen, mit Danksagungen an Freunde und Kollegen. Doch dann kündigte sie eine Erklärung an, wegen der sie etwas nervös sei, "laut und stolz" werde sie es verkünden: "Ich bin Single", sagte Foster - und hatte kurz die Lacher auf ihrer Seite. Doch das Gelächter erstarb schnell, war doch Fosters Gesicht anzusehen, dass sie etwas deutlich Ernsteres loswerden wollte.

„Das hier ist keine Coming-out-Rede, denn mein Coming-out hatte ich schon vor etwa 1000 Jahren, damals im Steinzeitalter“, leitete Foster die entscheidenden Worte ein. Sie habe sich bereits als junges Mädchen gegenüber Freunden und Familie geoutet, nach und nach gegenüber jedem , der sie kennenlernte. Sie habe jedoch gelernt, ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit lange geheim zu halten. „Wenn ihr für ein Leben hättet kämpfen müssen, das sich real und ehrlich und trotz aller Hindernisse normal anfühlt, dann würdet ihr die Privatsphäre vielleicht ebenfalls als das Wichtigste bewerten.“ Foster dankte ihrer Ex-Lebensgefährtin Cydney Bernard für deren Unterstützung und sagte, an ihre beiden Söhne im Publikum gewandt: "Ich bin stolz auf unsere moderne Familie."

Enormes Medienecho

Das Medienecho auf Fosters Auftritt war enorm. Die "Washington Post" spricht von einem "bewegenden und gleichzeitig verwirrenden" Auftritt. Die "L.A. Times" wertet Fosters Rede als "überwältigendsten Moment des Abends", auch wenn nicht klar geworden sei, ob es sich um ein Coming-Out oder um den Rückzug aus dem Filmgeschäft gehandelt habe. Andere Medien wie der Fernsehsender CNN und die "New York Times" erwähnen zwar Fosters großen Auftritt, sparen jedoch die Sätze über ihre Homosexualität aus. Dafür sind die Kommentare beim Kurznachrichtendienst Twitter um so eindeutiger: "Wunderbar! Jodie Foster ist ehrlich.", lautet nur eine von Hunderten anerkennenden Reaktionen auf die Rede.

Mehr oder weniger offene Worte wie die Fosters gewinnen vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung über Homosexualität in den USA eine besondere Bedeutung. Nicht zuletzt der Präsidentschaftswahlkampf im vergangenen Jahr hat offenbart, dass das Land in dieser Frage gespalten ist. In vielen Evangelikalen Gemeinden wird offen gegen Homosexuelle gehetzt, der republikanische Herausforderer Mitt Romneys, Nick Santorum, begeisterte mit seinen Brandreden gegen die Homo-Ehe die konservativen Wähler und Romney selbst war nach einem Aufschrei der Rechten gezwungen, seinen Sicherheitsberater Richard Grenell zum Rückzug zu bewegen, weil dieser sich offen zu seiner Homosexualität bekannte. In vielen US-Bundesstaaten wurden Gesetze, wonach homosexuelle Handlungen mit hohen Freiheitsstrafen sanktioniert wurden, erst 2003 vom Obersten Gerichtshof außer Kraft gesetzt.

Deshalb spricht eine Twitter-Userin womöglich vielen Schwulen und Lesben in den USA aus dem Herzen, wenn sie sich freut, Jodie Foster endlich "offiziell im Team" zu haben.

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