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Frankfurt Jan Ullrich hat psychiatrische Klinik verlassen

3. UpdateJan Ullrich soll eine Escort-Dame in Frankfurt angegriffen haben. Er wird noch im Hotel festgenommen. Später wird er eingewiesen, soll aber die psychiatrische Klinik wieder verlassen haben.

Jan Ullrich
Es läuft einfach nicht mehr: Seit vielen Jahren sorgt Ullrich für Negativschlagzeilen. Foto: rtr

Es sollte wohl nur eine Zwischenlandung auf dem Weg zu einer Entzugsklinik werden. Stattdessen ist der ehemalige Rad-Profi Jan Ullrich am frühen Freitagmorgen in Frankfurt am Main hart aufgeschlagen. Die Polizei nahm den 44-Jährigen in dem Nobelhotel Villa Kennedy fest. Ihn erwartet ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigt, soll Ullrich eine Prostituierte angegriffen haben.  Am Abend wurde er in die Psychiatrie zwangseingewiesen. Wie die BILD inzwischen berichtet, soll der ehemalige Radstar die psychiatrische Klinik wieder verlassen haben. 

Jan Ullrich war zunächst nicht vernehmungsfähig

Der einstige Tour-de-France-Sieger war am Donnerstag von seinem Domizil auf Mallorca nach Frankfurt geflogen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll er auf dem Weg in eine Betty-Ford-Klinik gewesen sein, um dort eine Alkohol- und Drogentherapie zu beginnen. Weil er die Nacht in dem teuren Fünf-Sterne-Hotel im Stadtteil Sachsenhausen wohl nicht allein verbringen wollte, bestellte er sich eine Escort-Dame auf das Zimmer. Dieses Treffen verlief offenbar nicht so, wie Ullrich sich das vorgestellt hatte.

Gegen fünf Uhr morgens soll es zu einem Streit gekommen sein, bei dem Ullrich die Frau würgte, bis ihr schwarz vor Augen wurde. Die Frau rief das Hotelpersonal zu Hilfe, dieses informierte die Polizei, die Ullrich kurz darauf festnahm. Auch bei seiner Festnahme soll er sich nicht gerade kooperativ verhalten und unter dem nicht unerheblichen Einfluss von Alkohol und Drogen  gestanden haben. Am gestrigen Mittag war der Festgenommene jedenfalls noch nicht vernehmungsfähig.

Dass Ullrich längere Zeit in Gewahrsam bleibt, war zunächst unwahrscheinlich. Derzeit besteht kein dringender Tatverdacht wegen versuchten Totschlags, für einen Haftbefehl sieht die Staatsanwaltschaft nach bisherigem Kenntnisstand keine Veranlassung. „Das verletzte Opfer wurde medizinisch versorgt“, meldet der Polizeibericht recht nüchtern, „die genauen Umstände zum Tatablauf sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen“. Beim Verlassen des Polizeipräsidiums kam es nach Angaben einer Polizeisprecherin dann aber zu einem Zwischenfall, woraufhin Ullrich vorläufig in eine psychiatrische Fachklinik eingewiesen wurde.

Ullrich attackiert Gast von Til Schweiger

Bereits in der vergangenen Woche hatte Ullrich eine Nacht in einer Zelle verbringen müssen. Die mallorquinische Polizei hatte ihn festgenommen, nachdem er – ebenfalls in derangiertem Zustand – gewaltsam auf das Grundstück seines Nachbarn, dem Schauspieler und Regisseur Til Schweiger, eingedrungen war und einen von dessen Partygästen mit einem Besenstiel attackiert hatte. Das Gericht auf der spanischen Insel ließ ihn am nächsten Tag wieder laufen – unter der Bedingung, dass er sich Schweiger in Zukunft nicht mehr nähern dürfe.

Durch diesen Vorfall wurde publik, dass der ehemalige Leistungssportler zur Zeit mit enormen privaten Problemen zu kämpfen hat. Seine Frau hatte ihn kurz zuvor verlassen und die gemeinsamen Söhne mitgenommen. Im Gespräch mit diversen Medien hatte Ullrich daraufhin private Probleme eingeräumt, ebenso, dass er in jüngster Zeit immer wieder mal etwas trinke – eine Sucht aber hatte er stets von sich gewiesen. Dennoch sei er nun bereit und willens, sich nicht zuletzt wegen seiner Kinder in eine Therapie zu begeben.

Jan Ullrichs Neustart wurde Fehlstart

Ullrich hatte 1997 die Tour de France gewonnen, er war Olympiasieger im Straßenrennen (2000) sowie zweifacher Weltmeister im Straßenrennen. 2007 hatte er seine aktive Karriere beendet. Nachdem Ullrich des Dopings überführt worden war, hatte der Internationale Sportgerichtshof alle Erfolge des Radlers seit Mai 2005 für nichtig erklärt.

2002 hatte Ullrich in Freiburg mit 1,4 Promille im Blut mit seinem Porsche mehrere geparkte Fahrräder demoliert und anschließend Unfallflucht begangen, wofür er mit 70 Tagessätzen bestraft worden war. 2014 hatte er – wieder mit 1,4 Promille, unter dem Einfluss von Valium und viel zu schnell – in der Schweiz einen Unfall mit zwei Verletzten verursacht. Im September vergangenen Jahres war er dafür von einem Schweizer Bezirksgericht zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten und einer Geldstrafe von 10.000 Franken – derzeit rund 8780 Euro – verurteilt worden.

Kurz vor seinem Abflug nach Deutschland hatte Ullrich der „Bild“-Zeitung ein telefonisches Interview gegeben. „Ich habe ein gutes Bauchgefühl, fühle mich wohl“, hatte er der „Bild“ gesagt, „das wird mein Neustart.“ Es wurde ein Fehlstart.

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