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Florian David Fitz "Ich hatte auch Zweifel"

Schauspieler und Regisseur Florian David Fitz spricht im Interview über weibliche Fans, den Glauben und seinen Film „Jesus liebt mich“.

22.12.2012 13:07
Bei der Vorstellung seines Films "Jesus liebt mich": Florian David Fitz. Foto: dpa

Schauspieler und Regisseur Florian David Fitz spricht im Interview über weibliche Fans, den Glauben und seinen Film „Jesus liebt mich“.

Florian David Fitz sieht nicht nur gut aus, er hat auch Talent. Das hat er bereits als Schauspieler und Drehbuchautor in „Vincent will Meer“ unter Beweis gestellt. Nun bringt er mit der romantischen Komödie „Jesus liebt mich“, in der er auch die männliche Hauptrolle spielt, seine erste Regiearbeit in die Kinos.

Nach Til Schweiger und Matthias Schweighöfer haben nun auch Sie Regie geführt. Fühlten Sie sich als Schauspieler unterfordert?

Nein. Es gibt bestimmte Typen, zu denen ich Til und Matthias zähle, die wollen mehr. Das hat aber nichts damit zu tun, ob man Schauspieler ist oder nicht. Wenn man vor einer Kamera steht, bekommt man natürlich mit, was ein Regisseur macht und wie er arbeitet. Ich fand es reizvoll, mich als Regisseur auszuprobieren, ich wollte nicht nur spielen. Der Weg vom Schauspieler zum Regisseur ist nicht besonders weit. Es gibt mehrere Kollegen, die das machen.

Vielen Schauspielern käme es nie in den Sinn, einen Film zu inszenieren.

Stimmt. Die bleiben gedanklich in ihren Rollen. Aber es gibt Schauspieler, die fragen, was wollen wir mit dieser Szene erzählen? Was brauchen wir für den Film? Wie kann ich helfen, dieses Ziel zu erreichen. Diese Fragen habe ich früher auch sehr oft gestellt. Es gibt mehrere Schauspieler in Deutschland, die Regie führen. Das ist kein Trend. Diese Leute gibt es überall, auch in den USA, beispielsweise Clint Eastwood und George Clooney.

Mit George Clooney verbindet Sie noch mehr: Auch er war nicht mehr ganz jung, als er mit der Arztserie „Emergency Room“ bekannt wurde, Sie hatten Ihren Durchbruch mit „Doctor’s Diary“. Ist er ein Bruder im Geiste?

Es ist ein lustiger Vergleich, aber Brüder im Geiste sind wir nicht. Nein, das möchte ich mir nicht anmaßen.

In Ihrem Regie-Debüt „Jesus liebt mich“ setzen Sie sich mit dem christlichen Glauben auseinander. Wie religiös sind Sie aufgewachsen?

Ich komme aus Bayern, meine Eltern haben mich katholisch erzogen. Es war ihnen wichtig, dass wir jeden Sonntag in die Kirche gehen. Mit dreizehn Jahren habe ich mich geweigert und meinem Vater gesagt: ‚Was soll es bringen? Ich langweile mich da. Du treibst mich vom Glauben weg, wenn du mich zwingst, in die Kirche zu gehen.‘ Schweren Herzens hat es mein Vater schließlich akzeptiert. Und wie man nun sehen kann, beschäftige ich mich trotzdem mit Religion – nur auf eine andere Weise.

Sie sind mittlerweile aus der Kirche ausgetreten. Glauben Sie trotzdem an Gott?

Das ist eine schwierige Frage. Ich möchte jetzt nicht diese blöde Antwort geben, die sich viele zu eigen machen: Ich glaube, dass da etwas ist. Es ist beneidenswert, wenn Leute ohne Wenn und Aber glauben können. Ich kann das so nicht, vielleicht kommt es noch irgendwann. Die Geschichten in der Bibel kann ich jedenfalls nicht bedingungslos akzeptieren. Ich habe mich damit abgefunden, dass es viele Dinge gibt, die wir nicht verstehen können.

Sie waren zwar immer gut im Geschäft, die berufliche Anerkennung kam aber erst Jahre später. Wie oft haben Sie an sich und Ihrer Berufung gezweifelt?

Ich hatte auch Zweifel. Aber ich habe mir den Beruf nicht ausgesucht, um möglichst bekannt zu werden. Ich wollte von meiner Arbeit vor allem leben können. Und das konnte ich relativ schnell. Doch irgendwann kamen Begehrlichkeiten auf. Deshalb war ich sehr froh, als wir den Grimme-Preis für „Meine verrückte türkische Hochzeit“ bekamen. Seitdem muss ich nicht mehr beweisen, dass ich schauspielern kann. Trotzdem hätte ich eine Rolle wie „Vincent“ damals nicht bekommen, die habe ich mir selbst schreiben müssen. Auch jetzt ist es nicht so, dass tolle Rollen wie Muscheln im Sand liegen. Gute Drehbücher sind rar.

Ihre Eltern hatten ein Hotel, in dem Sie schon als Kind mithelfen mussten. Was haben Sie dort für Ihr späteres Leben gelernt?

Meinen Eltern war wichtig, dass ich sehe, wo das Geld herkommt und dass es sich nicht von alleine verdient. Sie sagen noch heute, ich hätte mehr im Weg gestanden als geholfen. Aber das war ihnen egal, ich sollte mitmachen. Dazu hatte ich nicht immer Lust. Heute finde ich gut, dass sie darauf bestanden haben. Meine Mutter hat mir beigebracht, höflich mit Menschen umzugehen und die wichtigen Dinge zuerst zu erledigen. Im Hotel heißt das, erst die Gäste bedienen und dann die Tische abräumen. Durch meine Erfahrung im Hotel habe ich später in New York ziemlich leicht einen Job im Service gefunden.

Das war nach Ihrer Zeit auf der Schauspielschule in Boston, als Sie beim Auktionshaus Christie’s reichen älteren Damen Champagner serviert haben. Was stand auf den Zetteln, die Ihnen zugesteckt wurden?

Telefonnummern. Ich wurde auch gefragt, ob ich Lust hätte, Model zu werden. Zuerst fühlte ich mich geschmeichelt, doch dann klärten mich Kollegen über die Art der Fotos auf. Ich habe dankend abgelehnt.

Wie erklären Sie sich Ihre Anziehungskraft auf weibliche Fans?

Ich glaube, es hat viel mit meiner Rolle als Marc Meier in „Doctor’s Diary“ zu tun. Davor kannte ich dieses Phänomen nicht. Film ist ein komisches Medium: Man sieht Schauspieler in sehr intimen Situationen, in denen man sonst nur Menschen erlebt, die man sehr gut kennt. Es gibt Fans, die das nicht abstrahieren können.

Was ist das größte Vorurteil, das Frauen über Sie haben?

Dass ich ein cooler Hecht bin. Aber ich mag dieses Missverständnis.

Das Interview führte Bettina Aust.

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