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Eichinger-Biografie Eine berührende Liebeserklärung

Katja Eichinger hat die Biografie ihres 2011 verstorbenen Mannes geschrieben. Darin würdigt sie Bernd Eichinger als großartigen Filmemacher und sensiblen Menschen, der Angst vorm Versagen hatte.

12.09.2012 21:47
Petra Hallmayer
In dem Buch „BE“ lässt sie ihren verstorbenen Mann Bernd „weiteratmen“: Katja Eichinger. Foto: dapd

Derzeit kann sich Katja Eichinger vor Interviewanfragen kaum retten. An Presserummel hatte sie sich während ihrer Ehe eigentlich gewöhnt, doch nun ist alles anders. Jetzt steht die Frau, die an der Seite von Bernd Eichinger auf Filmsociety-Events so strahlend lächelte, allein im Fokus der Aufmerksamkeit. Nicht einmal fünf Jahre war sie mit Eichinger verheiratet, als er 2011 an einem Herzinfarkt starb.

Andere igeln sich nach so einem unfassbaren Schock ein. Katja Eichinger begann nur zwei Monate nach dem Tod mit der Arbeit an seiner Biografie, um ihn „weiteratmen“ zu lassen. Als sie kurz nach der Beerdigung die Berliner Filmfestspiele besuchte, titelte die Münchner Profi-Klatschbase Michael Graeter hämisch „Roter Teppich statt schwarzer Schleier“ und fragte scheinheilig empört „Ist Pietät etwa out?“ – um gleich danach über Madonnas „neue Bett-Beute“ zu lästern.

Fesselnde Anekdoten

Mit der bei Hoffmann und Campe erschienenen Biografie, das wird die 41-Jährige nicht müde zu betonen, habe sie ihrem Mann postum einen Wunsch erfüllt, der immer wollte, dass sie sein Leben aufzeichnet. Herausgekommen ist eine berührende Liebeserklärung. Ein stilistisch schludriges („Ein Atomkraftwerk von einem Drehbuch.“), aber an fesselnden Anekdoten reiches Buch. Keine Hagiographie, einfach das Porträt des Produzenten, Regisseurs und Autors, wie er sich selbst sah, als mutiger Visionär, löwenstarker Kämpfer und ewiger Rebell, verkannt und missachtet von den Feuilletonisten.

Zugleich zeigt sie den großherzigen, sensiblen Menschen hinter den Bad-Boy-Posen, der sich in Hollywood todunglücklich fühlte, der vertraut war mit Schwermut und Versagensangst. Und nicht zuletzt schildert „BE“, wie das Buch heißt, eine außergewöhnliche Beziehung.

Eine ideale Gefährtin

Katja Hofmann war die Erste und Einzige, die der exzessive Lebemann und Liebhaber schöner Frauen wie Hannelore Elsner, Katja Flint und Barbara Rudnik heiratete. Sie war, erklärte Tom Tykwer bei der Trauerfeier in München, seine ideale Gefährtin, „sein größter Glücksgriff“.

Sie trafen sich während der Dreharbeiten zu „Das Parfum“, die Variety-Journalistin, die in London Filmtheorie studiert hatte und unbedingt eine Titelgeschichte platzieren wollte, und der konkurrenzlos alle überragende Tycoon des deutschen Kinos. Sie verliebte sich sofort in seine Stimme und vor allem wohl auch in den großen Geschichtenerzähler Bernd Eichinger, der mit David Lynch befreundet war und die Prostituierten vom Sunset Boulevard einlud, sich in seiner Hotelsuite auszuruhen. Er fand in ihr eine gebannte Zuhörerin und eine kluge und leidenschaftliche Gesprächspartnerin.

Zwei Workaholics

Sie waren zwei Workaholics mit einer gemeinsamen Obsession: dem Kino. Zwei Tage vor der Hochzeit, während Catering-Heinzelmännchen durch ihr Haus in Los Angeles wieselten, tippte und redigierte sie für ihn einen Artikel zu Steven Spielbergs Geburtstag. Nach der Heirat stürzte er sich in die Konzeptionierung von „Der Baader Meinhof Komplex“, über dessen Dreharbeiten sie ein Buch verfasste.

Durch sie gewöhnte er sich das Rauchen ab, gegen seine Arbeitswut anzukämpfen lag ihr aber fern. Sie war glücklich, dabei sein zu können, während er Filmgeschichte schrieb. Mit ihm erlebte sie magische Momente „im Kinohimmel“ wie in jener Nacht, in der sie an einem Tisch mit Francis Ford Coppola und George Lucas saß, während Martin Scorsese heftig gestikulierend vor ihr stand.

Katja Eichinger war selbstbewusst genug, seinen Machoallüren nicht den Krieg zu erklären. Sie amüsierte sich über seine zwielichtigen Abenteuer und darüber, dass er es unverzeihlich fand, wenn eine Frau vergaß, sich perfekt zu stylen, oder als er entsetzt darüber war, als Hannelore Elsner ungeschminkt zum Rendezvous erschien.

Sie war jung genug, ihn zu fragen, wer Wolf Wondratschek sei und seine Sicht der Vergangenheit nicht anzuzweifeln. Gar so nonkonformistisch ist er in der Ära der speckigen Jeans und Schlabbershirts nicht gegen den Strom geschwommen mit seinem Faible für gute Anzüge und Stilbewusstsein und seinem Zorn über die deutsche Kommerzkulturverachtung. Mit ihm zogen Rudel von Männern lärmend durch die Schwabinger Nächte, die seine Ansichten teilten.

Er spornte sie an

Wie jede Frau, die liebt, wollte Katja Eichinger alles über ihren Mann wissen, aber sie war sich immer auch bewusst, dass er nicht irgendjemand war. Sie sammelte seine Sätze und Notizzettel. Er spornte sie an, sich seine Geschichten für die Nachwelt zu merken und keiner von beiden fand es merkwürdig, wenn sie Gespräche mit ihm aufzeichnete.

Eine Erinnerung allerdings gibt sie nicht der Öffentlichkeit preis. Wie sie die Nacht, in der er starb, überstanden hat, das spart sie in ihrem Buch aus. Darüber zu schreiben, wäre wohl doch noch zu schmerzlich gewesen.

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