Lade Inhalte...

David Garrett „Ich lass’ das lieber“

Stargeiger David Garrett über Plaudereien in sozialen Netzwerken, die Preisgabe privater Details und warum seine Konzerte unpolitisch sind.

David Garrett
Mit Pomp und Pyrotechnik: David Garrett und Band im November 2016 in Berlin. Foto: Imago

Und wenn Sie gemerkt hätten: Ach, ist das schön daheim, warum mache ich das eigentlich? Wozu Tourneen spielen? Hätten Sie überlegt, in der Zukunft was anderes zu machen? 
Nein, ich habe konzentriert und fokussiert darauf hingearbeitet, wieder Musik machen zu können. Das ist doch ein gutes Indiz dafür, dass mein Leben so verkehrt nicht sein kann, oder?

Es geht auch nicht um die Frage des richtigen oder falschen Lebens, sondern eher um die Bedingungen, unter denen man kreativ ist. Der Koch Franz Keller etwa hat vor einigen Jahren seine Michelin-Sterne zurückgegeben, weil er keine Lust mehr hatte auf den Druck. Und jetzt züchtet er im Hunsrück Schweine und andere Tiere, die im Restaurant seines Sohnes auf den Tisch kommen.
Absolut nachvollziehbar, vor allem auch, weil man sich, wenn man auf einem bestimmten Niveau arbeitet, auch selbst sehr unter Druck setzt. Das muss ja nicht einmal der Druck sein, den andere auf einen ausüben. Oder die Sterne. Das sind schon wir selbst. Und dann ist man vielleicht erlöst, wenn man das abgegeben hat. Sicher, ich war und bin sehr ehrgeizig. Ich habe aber nicht das Gefühl, mich selbst zu sehr unter Druck zu setzen. Andererseits hat es mir total gut getan, dass auch mein Team in dieser Situation gesagt hat: Nimm das Tempo raus, mach‘ einfach gar nichts, und zwar so lange du musst und willst. Und melde dich, wenn es wieder läuft. 

Haben Sie sich manchmal gefragt: Was wäre, wenn es nicht mehr läuft? 
Oh ja, natürlich! Dadurch, dass ich auch ganz frei war, keine Engagements hatte und nicht reisen musste, konnte ich mir ganz in Ruhe überlegen, wo es musikalisch noch hingehen könnte …

Ich meinte eher abseits der Musik…
(Überlegt) Ich hab in diesen Wochen vor allem genossen, so viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Das war phänomenal, das hatte ich schon seit Jahren nicht mehr. Es war schön, zu erleben, wie gerade in diesen Ruhephasen das Gehirn anfängt zu arbeiten, wie sich die Kreativität regt. Und so Fragen kommen wie: Was willst du machen, was interessiert dich, was wäre spannend? Also, auf die Musik bezogen. Und da ist Einiges bei rausgekommen, worauf ich mich sehr freue, das umzusetzen und im Studio daran zu arbeiten.

Klingt eher nicht nach Nichtstun…
Oh, das mach’ ich auch. Ich sitze oft abends draußen, halte Ausschau nach Sternschnuppen, lasse meine Gedanken treiben. Das hat ja auch etwas wahnsinnig Erdendes, da hoch zu schauen und auf sich wirken zu lassen, wie unglaublich weit weg das alles ist. Und was uns hier auf der Erde alles umgibt, das auch manchmal so weit weg scheint. An so einem Abend wurde mir auch klar: Das Leben ist nicht vorbei, nur weil es gerade mal knirscht. Und selbst wenn ich nie wieder auf der Bühne hätte stehen können, würde es irgendwie weitergehen. So ein Blick da hoch rückt alles in die richtige Perspektive, auch eine Bandscheibe.

Wenn Sie sagen, Sie haben die Zeit mit Familie und Freunden sehr genossen: Ist Einsamkeit doch der Preis des Ruhms?
Nee, überhaupt nicht. Ich hatte immer jemanden um mich herum, meine Mama ist ja Balletttänzerin und hat mir sehr geholfen bei der Physio, ohne sie hätte ich das wohl auch nicht so schnell wieder in den Griff bekommen. Und was die von Ihnen erwähnte Einsamkeit angeht: Das werde ich in den nächsten Wochen ja sehen, wie das so ist und ob mir das fehlt. 

Vor einigen Jahren haben Sie sich in eine Escort-Dame verliebt, die Sie gebucht hatten, weil Sie sich einsam fühlten, wie Sie später sagten. Der Wirbel nach der Trennung hat Ihnen eine riesige mediale Aufmerksamkeit jenseits Ihrer Geigenkünste beschert, es war sogar vom Sex-Skandal die Rede… 
…Naja, das war ja nun wirklich kein Sex-Skandal!

Aber Ihre Ex-Freundin hatte Ihnen nach der Trennung vorgeworfen, Sie seien beim Sex sehr grob gewesen. Das Verfahren wurde damals zwar recht bald wieder eingestellt, aber als die Vorwürfe aufkamen, mussten Sie sich immer wieder erklären und rechtfertigen. Konnten Sie aus dieser Zeit in der Rückschau wertvolle Erfahrungen ziehen? 
Das war natürlich keine leichte Zeit. Ich habe vor allem gelernt, nicht immer so offen über mein Privatleben zu sprechen. Das ist Punkt eins. Und Punkt zwei wäre, vielleicht auch ein Stück weit … (überlegt lange) vorsichtiger zu sein, mit wem ich mich umgebe. Da kann eine Extraportion Skepsis sicher ganz hilfreich sein. Auf der anderen Seite bin ich immer noch ein sehr positiver Mensch, das hat mich jetzt nicht so erschüttert, dass ich mich total verändert habe. Ich gehe immer noch offen auf die Menschen zu und erwarte das von denen auch. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen