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Currywurst für Amerika Der Wurst-Mann von L.A.

Christian Töpperwien verkauft deutsche Imbisskost an der amerikanischen Westküste und erfüllt sich damit einen Traum. Die Amerikaner freunden sich nur langsam mit Currywurst und Sauerkrautplatte an.

01.06.2012 19:25
Susanne Janssen
Christian Töpperwien möchte die Currywurst auch in L.A. populär machen. Foto: dpa

Christian Töpperwien verkauft deutsche Imbisskost an der amerikanischen Westküste und erfüllt sich damit einen Traum. Die Amerikaner freunden sich nur langsam mit Currywurst und Sauerkrautplatte an.

Es ist 10 Uhr morgens und im Businesspark von Santa Monica brennt die Sonne schon vom Himmel. Zwischen den vielen Autos sticht ein rot-weiß-gelber Kleinlaster sofort ins Auge: „L.A.’s No. 1 Currywurst-Truck“, bemalt mit einer stilisierten Riesenwurst auf einer Gabel. Christian Töpperwien stellt sein Werbeschild und die Stehtische raus, er bereitet den Arbeitstag vor. Es ist ein weiterer Tag im Leben des 38-Jährigen, an dem er seinen großen Plan ein Stück weiter voranbringen will: Christian Töpperwien will die Angelenos davon überzeugen, dass die deutsche Currywurst besser ist als jeder Hamburger – und noch dazu 6,50 Dollar wert, während die großen Ketten die Fleischbrötchen schon für einen Dollar anbieten.

Bratwurst als Burger

Der schlanke Mann, der mit seinem Zorro-Oberlippenbart, den Silberketten, Ringen und Armbändern ein wenig wie eine Abenteuer-Figur aus dem Film „Piraten der Karibik“ aussieht, stellt sich den Passanten als Chris vor. Und er kommt gleich zur Sache: „Schon mal eine Currywurst probiert?“, fragt er lockend jene Amerikaner, die sich neugierig, aber auch etwas verhalten dem großen Truck nähern.

Die üblichen Tacos finden die Fastfood-verwöhnten Kunden auf der Speisekarte nicht, dafür aber Bratwurst-Burger oder eine „Munich“-Platte – mit Sauerkraut, Pommes und echtem deutschen Brötchen. Ein Mann lässt sich zu einer Currywurst überreden und ist sichtlich begeistert, andere gehen lieber zum bekannten mexikanischen Truck gegenüber.

Chris Töpperwien weiht Paul und drei weitere Angestellte in die Kunst ein, die Würste richtig zu braten und mit Curry zu bestäuben: „Die ersten drei habe ich gerade entlassen – einer blickte es nicht, und die anderen entwickelten keine Eigeninitiative.“ Hier klingt Töpperwien wie der hart kalkulierende Betriebswirt, der er eigentlich ist – der Kontrast zu seinem extravaganten Äußeren könnte nicht größer sein. „Ich mag es nicht, wenn Leute schmarotzen, ich bin hundertprozentig für das Leistungsprinzip“, erklärt er. Das schätze er sehr an den USA – hier müsse man viel arbeiten, aber dann könne man es auch schaffen und seinen Traum erfüllen – in Töpperwiens Fall, den Traum vom Curry-Wurst-Truck.

Die Idee dazu kam ihm an Silvester 2008. Schon zwei Jahre zuvor verbrachte Töpperwien drei Wochen in Los Angeles, „Ich habe mich in die Stadt verliebt“, sagt er – ein ungewöhnliches Bekenntnis, gilt die kalifornische Metropole doch ehr als Ansammlung von Vororten, der jeder Charme abgeht. Doch Chris Töpperwien sieht das anders. Er wollte an die Westküste und seinen amerikanischen Traum verwirklichen. Zunächst entwarf er eine Schmuckkollektion, deren Vertrieb aber schwierig war, und so kam er auf einen Kindheitstraum zurück. „Mein Onkel und meine Tante hatten Imbissbuden, und da habe ich in den Ferien gearbeitet. Ich habe immer gesagt, dass ich später auch einmal Würste verkaufe, aber in Amerika.“

Gute und schlechte Tage

2011 setzte Töpperwien seine Idee schließlich um, nachdem die „Food Trucks“ in Los Angeles seit einigen Jahren einen regelrechten Boom erleben – 6000 sind im Großraum von Los Angeles registriert. Fast ein Jahr lang beobachtete er den Markt und suchte seine Zutaten zusammen. „Die Schälchen und die Holzpicker kommen aus Deutschland, das gehört zur Marke“, erzählt er und wirkt dabei wie ein kleiner Junge. Das Sauerkraut liefert die deutschstämmige Firma Krügermann, die seit 1836 in Los Angeles produziert, die Würste stellt ein 74 Jahre alter Metzger her, der auch die deutschstämmigen Magier Siegfried und Roy mit Wurstwaren versorgt: „Der kennt Elke Sommer, Engelbert und viele andere Stars persönlich.“ Am 25. Februar fuhr sein Currywurst-Truck die erste Tour, in den lokalen Magazinen bekamen seine Würste sofort begeisterte Kritiken – die deutsche Küche steht gerade hoch im Kurs, es gibt zwei Currywurst-Restaurants in Los Angeles, die ebenfalls die Tradition der Berlinerin Herta Heuwer hochhalten.

Nach einigen Monaten hat ihn jedoch der Alltag eingeholt. „Es gibt gute Tage. Und schlechte“, sagt er. Und es gebe viel zu lernen. „Am Anfang hatte ich Almdudler und Bionade im Angebot, aber die Flaschen barsten bei den hohen Temperaturen.“ Um seine Kosten zu decken, müssen täglich mindesten 50 Kunden bei ihm eine Currywurst kaufen. Am letzten Feiertag, dem „Memorial Day“ war er nach über 150 Kunden ausverkauft, am Tag zuvor blieb er auf seinen Würsten sitzen „Dann bekomme ich Heimweh und denke, ich gehe wieder zurück nach Köln“, sagt Töpperwien, und es klingt ein wenig melancholisch, fast schon frustriert.

Bisher hielt sich das Gefühl aber nur kurz: „Dann sehe ich die Palmen und die Sonne und will nicht zurück.“ Töpperwien liebt den Lifestyle in Kalifornien, die freundlichen Menschen und die Möglichkeit, Ideen umzusetzen – „hier stört es keinen, wie du herumläufst. In Deutschland wirst du als asozial abgestempelt“. Der 38-Jährige will auch nicht als „Berufsjugendlicher“ missverstanden werden: „Ich hatte jede Menge Anzugjobs, als Vertreter oder Marketingleiter.“ Er kann konform sein, wenn es sein muss.

Pendeln nach Köln

Weil aber Töpperwien nicht nur das kalifornische Lebensgefühl mag, sondern auch seine Heimat Köln und dort noch eine kleine Werbeagentur betreibt, pendelt er regelmäßig zwischen L.A. und dem Rheinland.

Ende Juni fliegt er wieder für ein paar Wochen nach Deutschland. Seine Mutter, andere Verwandte und seine Freundin leben dort, und ganz will er sich nicht lösen, auch wenn er längst sein Haus verkauft hat. In der Zeit seiner Abwesenheit sollen die angelernten Angestellten in den USA ihren Landsleuten die Currywurst schmackhaft machen.

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