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Barbara Schöneberger „Haare an den Beinen lehne ich ab“

Für Barbara Schöneberger läuft es rund. Die 44-Jährige moderiert im Fernsehen, sie singt, hat ein eigenes Magazin und macht jetzt sogar Radio. Ein Gespräch über Mutters besten Ratschlag und die eigene Suche nach einem Vorbild.

Barbara Schöneberger
„Mein Leben ist relativ beschaulich. Auch wenn die Leute sich das gerne anders vorstellen und die Abgründe suchen.“ Foto: Benno Kraehahn

Immer lustig, immer schlagfertig. Immer Barbara, könnte man sagen. Aber Barbara Schöneberger ist nicht mehr nur kokette Moderatorin sympathischer Formate – die 44-Jährige ist inzwischen selbst eine Marke. Und präsentiert sich auf sämtlichen Kanälen der medialen Welt. Im Fernsehen ohnehin, seit 2015 bringt sie eine eigene Zeitschrift heraus, nun folgte ein eigener Internet-Sender mit dem klingenden Namen „barba radio“. Und im März 2019 geht sie als Sängerin mit ihrem aktuellen Album „Eine Frau gibt Auskunft“ auf Tour. Und im Gespräch mit ihr wird man den Eindruck nicht los, sie würde gerne noch viel, viel mehr machen.

Frau Schöneberger, eines der Themen, die Sie jüngst in Ihrer eigenen Radiosendung aufgegriffen haben, lautete: „Wie finden wir eigentlich den Trend, sich als Frau die Haare wieder überall wachsen zu lassen?“. Madonnas Tochter Lourdes zeigte jetzt stolz ihre Achsel- und Beinbehaarung. Was halten Sie von haarigen Frauen?
An den Beinen? Wirklich? Super eklig. Davon träume ich schlecht. Haare an den Beinen lehne ich ab. Bäh. Alles andere kann man auch mal so, mal so machen, aber ich glaube nicht, dass sich Haare an Frauenbeinen durchsetzen werden. Wenn aber krankhaft alles weggemacht wird, ist das auch bedenklich. Da fehlt nur noch, dass man das Ganze mit Sagrotanspray hinterher aussprüht… So ganz ohne Haare vermittelt eine Lustfeindlichkeit. Es sei denn, man arbeitet als Pornodarstellerin.

Davon sind Sie ja weit entfernt. Allerdings scheint Ihre Omnipräsenz in den Medien manchen Kollegen zu provozieren. So sagte der TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf jüngst, Sie seien „so etwas wie der weibliche Silvio Berlusconi“.
Das finde ich lustig. Eigentlich ist es ein Kompliment, weil man als eine Größe wahrgenommen wird. Das hätte ich mir nicht träumen lassen.

Warum nicht?
Meine Entscheidung in den letzten Jahren ging immer mehr in die Richtung, dass ich in der Rolle sein wollte, Dinge selbst zu entscheiden. Also auch vorzusorgen für den Moment, wenn die Unterhaltungschefs nicht mehr anrufen. Ehrlich gesagt will ich immer weiter machen. Warum kann es von mir nicht auch Klamotten geben? Oder Cafés? Wenn es denn Spaß macht. Die Leute sollen halt immer das Gefühl haben, sie kaufen eine Philosophie, die etwas Gutes vermittelt.

Was kommt da noch an Gutem?
Es gibt keine To-Do-Liste. Aber es gibt schon plötzlich das Gefühl dafür: „Hey, wir können echt viel machen.“ Und mit „wir“ meine ich mein Team. Ich sitze ja nicht abends allein vorm Kamin und überlege mir, was als nächstes passiert…

Haben Sie nicht manchmal die Sorge, die Menschen irgendwann doch zu nerven?
Ich kann total verstehen, wenn manche Leute sagen würden: „Nee, also die Schöneberger, die jetzt mal nicht mehr. Da haben wir jetzt genug davon.“ Aber noch wollen mich zum Glück viele Leute sehen.

Im März 2019 gehen Sie mit Ihrem aktuellen Album „Eine Frau gibt Auskunft“ auf Tour. Laut Ankündigung soll die Show „einen hohen Wortanteil haben“. Heißt das, die Zuschauer dürfen Ihnen Fragen stellen?
Das mit den Fragen stellen ist eigentlich eine gute Idee… ich liebe es, Fragen zu beantworten. Aber eigentlich ist geplant, dass ich zwischen den Songs immer Geschichten erzähle. Die Leute kommen schließlich nicht aufgrund meiner außergewöhnlichen Soulstimme, sondern weil sie meine Musik gut und das ganze Drumherum lustig finden. Ich bin kein klassischer Musiker, der seine 13 Songs spielt und dann weggeht, sondern ich muss ein bisschen mehr dafür arbeiten.

Das heißt?
Meine Zuschauer können auch im Zweifel nicht alle meine Texte so mitsingen wie bei einem Max Giesinger oder Andreas Bourani. Deswegen muss ich die Leute mit meinen Geschichten kriegen. Über diese mache ich mir am meisten Gedanken, denn das mit dem Singen kriege ich schon hin. Aber bei den Geschichten denke ich: Hoffentlich finden die Leute das auch lustig…

Sie singen über „Happy Patchwork Family“ oder eine Frau, die sich ihren tristen Alltag in einer Karaoke-Bar schön singt. Klingt jetzt nicht nach Geschichten, die Ihr Leben geschrieben hat…
Es sind Geschichten von Frauen, die im ähnlichen Alter sind wie ich. Da ist für jeden etwas dabei. Mir war wichtig, dass sich jede Frau da wiederfindet. Außerdem könnte man aus meinem Leben tatsächlich keine abendfüllende CD machen.

Wieso? Ist Ihr Leben nicht aufregend?
Nein, es passiert zu wenig. Mein Leben ist relativ beschaulich. Auch wenn die Leute sich das gerne anders vorstellen und die Abgründe suchen: Die Drogensucht oder den traurigen Clown. Ich lebe wirklich sehr normal. Auch wenn ich mir meine Kollegen so ansehe, ob Thomas Gottschalk, Günther Jauch oder Helene Fischer: Sie führen alle ein sehr geregeltes Leben, sonst packt man das alles gar nicht.

In einem Ihrer Songs rät ein Vater seiner Tochter, sich von Männern fernzuhalten, denn: „Männer sind wie Fastfood, machen süchtig und fett.“ War das ein Ratschlag Ihres Vaters?
Mein Vater hat mir gar nichts geraten. Denn er ging davon aus, dass ich total brav bin und mit Männern noch nichts am Hut habe. Dagegen hat meine Mutter sofort gecheckt, wie und wo der Hase läuft. Sie hat mit Ratschlägen nicht hinter dem Berg gehalten – auch wenn sie genau wusste, dass ich meine Erfahrungen alle selbst machen muss. Ihr bester Ratschlag war: „Sei unabhängig.“ Bis heute ist das der wertvollste Ratschlag, den man überhaupt jemanden geben kann.

Warum das?
Wenn du unabhängig bist, dann bist du kein Opfer. Dann kannst du auch den Schritt weitergehen, den man als anständiges Mädchen eigentlich nicht mehr gehen dürfte. Und kannst nach Hause gehen mit dem Gefühl: Ich habe nur das getan, was ich tun wollte – und nicht weil du gesagt hast, ich soll es machen.

Ihr Vater war Solo-Klarinettist. Warum haben Sie seinen Ratschlag nicht befolgt und sich zur Opernsängerin ausbilden lassen?
Musik spielte bei uns Zuhause natürlich immer eine große Rolle. Wir haben keine Hausmusik gemacht, aber ich bin mit klassischer Musik aufgewachsen. Mein Vater hat gesagt: „Du kannst gerne auch Event-Managerin werden, schlauer wäre du würdest eine Ausbildung zur Opernsängerin machen, denn du kannst das garantiert gut.“ Und das hat er ziemlich genau getroffen. Ich habe eine gute Stimme. Ich glaube, wenn ich sie ausgebildet hätte, wäre sie für klassischen Gesang relativ gut geeignet. Aber damals war es für mich undenkbar, auf einer Bühne zu stehen. Das hat mich gar nicht interessiert. Ich wollte einen normalen Bürojob.

Ernsthaft? Dabei hatten Sie doch schon mit 15 Jahren Ihren ersten öffentlichen Auftritt – als Heldin einer „Foto-Love-Story“ in der Zeitschrift „Mädchen“. Das Bühnen-Gen muss also da sein …
Das war es auch. Aber ich dachte nie daran, daraus eine ernsthafte berufliche Karriere zu machen. Für mich war Beruf immer Folgendes: Da sitzt man an einem Schreibtisch, hat ein Tastentelefon, Akten vor sich liegen und Schubladen, die man auf- und zumacht. Das war wirklich meine Bürovorstellung. Und auch wenn ich schon jung Modeschauen und Fotos gemacht habe, um etwas Geld nebenbei zu verdienen, habe ich nicht im Ernst daran geglaubt, einmal davon leben zu können.

Sie haben dann angefangen, Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Kunstgeschichte in Augsburg zu studieren. 1998, also vier Jahre später, wurden Sie Assistentin von Elmar Hörig in der Sat.1-Sendung „Bube, Dame, Hörig“. Ihr Studium haben Sie dann geschmissen. Warum?
Ich stand sehr schnell auf sehr soliden finanziellen Beinen. Die ersten Sendungen wurden häufig früh abgesetzt: Ich bekam das ganze Geld überwiesen, musste aber dafür nichts mehr tun. Da dachte ich: Jetzt noch studieren? Was soll ich in Augsburg noch rumhängen, wenn das gute Leben doch woanders wartet? Und doch fürchtete ich die ersten acht Jahre meiner Fernsehtätigkeit und dachte immer: Das hier ist alles ein großes Missverständnis – irgendwann wird einer noch rausfinden, dass ich hier gar nicht hingehöre. Damals hatte ich noch keine eigene Sendung, ich war irgendwas im Fernsehen, aber wusste nicht genau was. Das hätte auch alles schief gehen können…

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