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Lebensmittel-Lieferdienste Online-Lieferdienste weisen Mängel beim Datenschutz auf

Lebensmittel-Lieferdienste im Test der Verbraucherorganisation Foodwatch: Amazon, Rewe und Co. weisen erhebliche Mängel auf.

Bananen
Teures Obst: Wer Bananen bestellt, bezahlt unter Umständen nicht nur mit Geld dafür. Foto: rtr

Lebensmittel zählen zu den wenigen Waren, die noch fast ausschließlich in stationären Läden und auf Wochenmärkten gehandelt werden. Bisher haben Online-Lieferdienste einen Marktanteil von gerade einem Prozent erreicht. Aber das wird nicht so bleiben. Die Wachstumsraten des Online-Lebensmittel-Shoppings sind enorm. 

2017 legte der digitale Supermarkteinkauf um 20 Prozent zu. Vor diesem Hintergrund hat die Verbraucherorganisation Foodwatch im November 2017 einen mit 21 Produkten bestückten Warenkorb jeweils dreimal bei den fünf größten Online-Supermärkten in Deutschland bestellt: Allyouneedfresh und Mytime, liefern Lebensmittel bundesweit, Amazonfresh, Rewe und der Edeka-Lieferdienst Bringmeister, beschränken ihren Service dagegen auf größere Städte.

Um mit dem Positiven zu beginnen: An der Kühlung der Lebensmittel gab es nichts auszusetzen. In den Städten wurden die ein- bis zweistündigen Lieferfristen eingehalten. Auch Zustand und Frische der Produkte waren größtenteils in Ordnung: Unter den insgesamt 315 einzelnen Waren befanden sich zwei beschädigte Eier, Druckstellen auf einer Bananenlieferung, zerbröselter Kuchen sowie einmal angeschimmelte Tomaten. Zu den kleinen Schwächen mag auch zählen, dass nicht sämtliche bestellten Produkte jederzeit lieferbar waren. Allyouneedfresh etwa hatte Eier und Tomaten aus ökologischer Landwirtschaft mehrfach nicht vorrätig.

Wesentlich ernster sind die Mängel, die Foodwatch in den Bereichen Datenschutz, Preisgestaltung und Herkunftskennzeichnung feststellte. Die Hinweise zum Datenschutz erwiesen sich durchweg als unpräzise. Daten zum Einkaufsverhalten wurden an andere Unternehmen weitergegeben, die dann die Verbraucher gezielt mit Werbung bombardierten. Allein bei Rewe stießen die Tester auf mehr als 80 Trackingprogramme, mit denen das Einkaufsverhalten der Kunden erfasst werden kann. 

„Auch im Lebensmittel-Onlineshop wird mit Daten bezahlt, meist, ohne dass die Kunden etwas davon bemerken“, kritisiert Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Für Handel und Hersteller sind die Daten Gold wert, denn sie lassen Rückschlüsse auf Kaufkraft, Vorlieben und Lebensgewohnheiten der Verbraucher zu. Wer Bio-Produkte bestellt, legt vermutlich auf Gesundheit wert, kocht gern selbst, ist an Tier- und Umweltschutz interessiert – und meist nicht schlecht bei Kasse.

Liefergebühren sind abhängig vom Einkaufsvolumen

Die vorgeschriebenen Herkunftsangaben für Obst und Gemüse wurden nur von Mytime, das zur Bünting-Unternehmensgruppe zählt, korrekt umgesetzt. Bei Bringmeister fehlten die Angaben oft ganz, während Rewe, Allyouneedfresh und Amazonfresh gleich mehrere Herkunftsländer angaben. Um das Ursprungsland von Weintrauben zu verdeutlichen, hätte Amazon gleich eine Weltkarte ins Netz stellen können: Insgesamt 13 Länder, von Brasilien und Peru über Namibia und Marokko bis zu Spanien und Griechenland, wurden aufgeführt. „Bis auf Mytime verstoßen alle Anbieter gegen europäische Vorschriften“, moniert Foodwatch-Testleiterin Luise Molling.

Schließlich die Preise: Die Liefergebühren sind abhängig vom Einkaufsvolumen, der gewünschten Lieferzeit und dem Wohnort. Es gibt Aufschläge für Tiefkühlprodukte, Getränkekästen und Lieferungen aufs flache Land. Bei Amazon müssen Verbraucher 69,90 Euro pro Jahr für eine Prime-Mitgliedschaft sowie 9,99 Euro monatlich für ein „Fresh-Abonnement“ zahlen, um überhaupt Lebensmittel ordern zu können. „Es war uns angesichts dieses Tarifdschungels schlicht unmöglich, einen aussagekräftigen Preisvergleich zu erstellen“, so Rücker.

Rücker fordert eine umfassende Kontrolle durch den Bund. Zunächst müssten die vielen hundert Lieferdienste, die sich vom regionalen Ökoverband bis zum Spezialanbieter aus Übersee auf dem deutschen Markt tummeln, registriert und ihre Warenangebote erfasst werden. Kommunale Behörden, die für die Lebensmittelüberwachung im stationären Handel zuständig sind, seien damit überfordert. 

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